"Die Stadt Wien ist eine einzige stumpfsinnige Niederträchtigkeit"

Der Schriftsteller Thomas Bernhard wäre am 9. Februar 85 geworden. Ob er ihn gefeiert hätte? Wohl kaum! Legendär sind Bernhards Städtebeschimpfungen. Hier kommt das Best-Of über Wien.
Autor: Andrea Burchhart, 09.02.2016 um 17:44 Uhr

Eine wie alte und leblose Stadt, ein wie großer, von ganz Europa und von der ganzen Welt allein- und liegengelassener Friedhof ist Wien, dachten wir, was für ein riesiger Friedhof zerbröckelnder und vermodernder Kuriositäten. Dieses Wien ist ja im wahrsten Sinne des Wortes eine Kunstmühle, tatsächlich ist es die größte Kunstmühle der Welt, in welcher jahraus, jahrein die Künste und die Künstler zermahlen und zermalmt werden.

Aus: "Verbrechen eines Innsbrucker Kaufmanns"

Dieses Wien ist ja im wahrsten Sinne des Wortes eine Kunstmühle, tatsächlich ist es die größte Kunstmühle der Welt, in welcher jahraus, jahrein die Künste und die Künstler zermahlen und zermalmt werden. Wien ist eine fürchterliche Genievernichtungsmaschine, dachte ich auf dem Ohrensessel, eine entsetzliche Talentezertrümmerungsanstalt.

Aus: "Holzfällen"

Seit dreißig Jahren dasselbe Bild, dieselben Menschen, dieselben Stumpfsinnigkeiten, dieselben Infamien, Niederträchtigkeiten, Verlogenheiten.

Aus: "Heldenplatz"

Lange Zeit hatte ich gedacht, Wien ist meine Stadt, sogar, daß es mir Heimat ist, aber jetzt muß ich doch sagen, ich bin doch nicht in einer von den Pseudosozialisten bis an den Rand mit ihrem Unrat angefüllten Kloake zuhause. Aus: »Beton«, in: »Werke Bd. 5«, S. 63 f.

Aus: "Beton"