Heimat bist du großer Filme! Hollywood, wir kommen!

Seit 1929 holte Österreich 121 Nominierungen und 37 Nominierungen. Die meisten gingen auf das Konto von Austro-Emigranten: Sie eroberten das mächtige Hollywood im Sturm.
Autor: Laura Engelmann, 03.07.2017 um 14:30 Uhr

Michael Haneke wurde der Triumph verwehrt. 2010 ging der Regisseur trotz zweier Nominierungen für "Das weiße Band" leer aus. Dagegen nahm Landsmann Christoph Waltz als bester Nebendarsteller ("Inglorous Bastards") Oscar Nummer 34 für Österreich entgegen. Am 24. Februar 2013 waren beide wieder im Rennen um die Academy Awards - und beide sahnten ab.

Geldlawine

Die Gewinne von Haneke und Waltz waren 2013 das Highlight für ein erfolgreiches Jahr des Filmland Österreich. Haneke gewann im selben Jahr bereist die Goldene Palme und den Golden Globe. Die Triologie von Ulrich Seidl ("Paradies Glaube, Liebe, Hoffnung") wurde auf den bedeutendsten Festspielen der Welt, in Cannes, Venedig und Berlin gezeigt. Der Indie-Film "Soldate Jeannette" schlug beim Sundance Festival (USA) ein und gewann den renommierten "Tiger Award". Regie: Daniel Hösl, Nachwuchsregisseur aus Niederösterreich. "Das ist wirklich schwer zu toppen", meint auch der Direktor des Österreichischen Filminstituts, Roland Teichmann. "Der Oscar-Gewinn 2008 von Stefan Ruzowitzky mit "Die Fälscher" hat einige wirklich gute Jahre eingeleitet, aber 2012/2013 war einmalig". Für Teichmann darf es ruhig so weiter gehen.

Hollywood, wir kommen!

Österreich war als Filmland schon einmal ganz groß, nur nicht auf österreichischem Boden. Sondern auf amerikanischem. Dorthin hatt es in den dreißiger Jahren zahlreiche NS-Flüchtlinge verschlagen, darunter Arnold Schönberg, Franz Werfel, Max Oppenheimer und Max Reinhardt. Auch drei "Austrians" namens Samuel (Billy) Wilder, Fred Zinnemann und Otto Preminger emigrierten zwischen 1929 und 1935 in die USA und mischten Hollywoods boomende Filmindustrie auf. Dabei trafen sie auf einen Landsmann, der es bereits geschafft hatte: den Wiener Josef von Sternberg. Seit 1923 in Hollywood erfolgreich, holte er Marlene Dietrich nach ihrem gemeinsamen Dreh für den UFA-Film "Der blaue Engel" zu sich in die USA.

Karriereturbo

Nicht nur Regisseure und Produzenten nutzten ihre Chance. Die österreichische Schriftstellerin Vicki Baum kam mit der Romanvorlage zu "Grand Hotel" zu Ruhm und Ehre. Kameramann Franz Planer durfte fünfmal auf einen Oscar hoffen, und der allererste Award für einen Österreicher ging 1935 an den Komponisten Max Steiner. Insgesamt holte der Wiener drei Filmmusik-Oscars. Der Einfluss Österreichs auf die amerikanische Filmindustrie ging aber noch weiter. Robert von Dassanowsky, Professor für Film an der Universität von Colorado und Geschäftsführer der US-österreichischen Filmproduktion Belvedere Film: "der typische Wiener Filmkomödienstil hat die ´Screwball Comedies´ Hollywoods maßgeblich geprägt." Sogar ganze Filme aus Österreich wurden nachgemacht, dagegen kaum Streifen aus Frankreich oder Deutschland. Beispiel: Willi Forsts "Maskerade" erhielt im Jahr 1934 von Metro-Goldwyn-Mayer eine Neuauflage als "Escapades. Der "Film Noir" ist dagegen von Österreichs sozialkritischem Melodrama entscheidend beeinflusst. "Dabei war auch ein großer Schuss Pessimismus der entwurzelten NS-Flüchtlinge im Spiel."

Durch Kino an die Macht

Wissenschaftler Dassanowsky stieß bei seinen Recherchen auf ein spannendes Kapitel Filmgeschichte: Große Hollywood-Studios schmiedeten in den dreißiger Jahren Pläne, die den Anschluss Österreichs an Hitler Deutschland verhindern sollten - durch Kinofilme made in Austria. "MGM und 20th Century Fox wollten die österreichische Anti-NS-Filmindustrie stärken. Geplant waren 15 große Produktionen mit Wiener Ateliers - pro Jahr!" Die Idee kam zu spät, der Einfluss der Nazis auf die Filmindustrie Österreichs war bereits zu groß. Der Filmforscher: "Ob der Anschluss auch mit großen Hollywood-Studios in Wien möglich gewesen wäre? Ich denke nicht."

Riege der Gagen-Millionäre

Beinahe achtzig Jahre später drehen sich die Spekulationen zwar um weniger weltbewegende Ereignisse. Für die am Oscar-Spektakel beteiligten Akteure geht es dennoch um viel. Eine Auszeichnung mit der knapp vier Kilo schweren Statue bedeutet einen ungeheuren Karriereschub. Christoph Waltz, 56, stieg dank Oscar 2010 vom Darsteller des Roy Black in der deutschen Fernsehproduktion in die Riege der Gagen-Millionäre auf. Gerade Hollywood-Außenseiter wie der Österreicher Waltz, der in London, Berlin und L.A. lebt, profitieren von der weltweiten Aufmerksamkeit.