Und plötzlich war da der Eindringling ... Projekt Katzen-Zusammenführung

Ich erinnere mich noch, als wäre es gestern gewesen: Als Ella das erste Mal eine Pfote in meine Wohnung gesetzt hat, wusste die „Königin“, sie ist in „ihrem Reich“ angekommen. Da hat es kein Unter-der-Couch-Verkriechen oder ein zaghaftes Erkunden gegeben – die Schöne hat sofort mein/ihr Zuhause erobert. Mittlerweile ist Ella knapp elf Monate alt. Vor zwei Wochen habe ich das erste Mal Angst vor ihr gehabt. Es ist an einem Samstagnachmittag passiert, zu Hause. Da hat sich meine süße Ella auf einmal in eine „Killer-Katze“ verwandelt. Doch fangen wir ganz von vorne an.

Tierische Aussichten

Seit ich mich entschieden habe, für Ella einen Artgenossen zu suchen, sind von allen Seiten Horror-Szenarien auf mich niedergeprasselt. Ein Kollege hat mir von seinem gescheiterten Versuch einer Katzen-Zusammenführung erzählt, bei dem sich die beiden fast zu Tode gebissen und gekratzt haben. Eine Freundin hat gemeint, die ersten Wochen kann ich fix damit rechnen, dass Ella ihre Häuferl überall hinsetzt – nur nicht ins Katzenklo. Außerdem „wird sie dich mit Ignoranz strafen und dir abfällige Blicke zuwerfen. Ach ja – und „Welpenschutz“ gibt’s unter Katzen übrigens auch nicht!“ Na, das sind ja tolle Aussichten ...

Augen zu und durch!

Doch ich habe mich an das Projekt herangewagt. Zu allererst habe ich versucht, Ellas Charakter zu definieren: nicht schüchtern, verspielt, aber auch verschmust. Der neue Gefährte sollte ähnlich ticken. Bei Carlos hat man das noch schwer sagen können – er war erst acht Wochen alt, als ich ihn abgeholt habe – aber, dass er ein aufgeweckter, mutiger Kerl ist, war nicht zu übersehen.

(Für alle, die jetzt große Augen machen, weil er so jung schon von seiner Familie getrennt wurde, eine kurze Info zwischendurch: Seine Mama ist leider von einem Auto überfahren worden, als Carlos gerade einmal dreieinhalb Wochen jung war. Danach wurden er und seine beiden Geschwister liebevoll mit Spritzen aufgezogen und haben daher auch ein extrem inniges Verhältnis zu Menschen.)

Nächster Schritt: Ich habe ein eigenes Schlafplatzerl sowie Futter- und Wassernäpfe für unseren neuen Mitbewohner besorgt. Schließlich – an besagtem Samstag – hat ein Freund Carlos ins Wohnzimmer gebracht. So war nicht ich diejenige, die den „Eindringling“ in „Ellas Reich“ reingelassen hat. In der Küche habe ich die Decke ausgebreitet, auf der Carlos in der Transportbox gelegen hatte. So konnte Ella mal den fremden Geruch schnuppern. Und siehe da: Sie hat die Decke sogar abgeschleckt! „Jawohl“, dachte ich, „gutes Zeichen, das klappt!“ und habe die Wohnzimmertür gleich mal einen Spalt offen gelassen. Kurze Zeit später – ich habe mit Ella in der Küche gespielt – tapste der kleine Erkunder schon zu uns herüber. Ella konnte nicht fassen, was sie da sehen musste. Mit „Biberschwanz“, ausgefahrenen Krallen und Todesblick hat sie Carlos angefaucht.

Furchtlos

Er ist niedergeplumpst und hat Ella mit seinen großen, blauen Kulleraugen verständnislos angesehen - „was hat die da jetzt für ein Problem?“ - und ist mutig ein paar Schritte auf sie zugegangen. Zwei Tage lang hat Ella den Neuling immer wieder fauchend verjagt. Aber Carlos war unbeirrbar – neugierig hat er die Wohnung erkundet und ihr immer wieder Avancen gemacht, sich mit ihr anzufreunden und spielen zu wollen. Am dritten Tag habe ich meinen Augen nicht getraut, als ich von der Arbeit nach Hause gekommen bin: Ella hat Carlos doch tatsächlich abgeschleckt! Mir ist ein Stein vom Herzen gefallen. All die Schreckensszenarien, die mir in den Kopf gepflanzt wurden, haben sich nicht bewahrheitet, keiner wurde zerfleischt. Und das Häuferl-Wegmachen ist nach wie vor ein Griff ins Katzenklo.

Weekend-Redakteurin Conny Engl ist seit einigen Monaten Katzenmama. Ella und Carlos heißen ihre beiden Mitbewohner, wobei sie scherzhaft einräumt, dass mittlerweile eher sie die Mitbewohnerin ist als umgekehrt. Auf weekend.at teilt sie ihre Erfahrungen und Erlebnisse und vieles mehr rund um das Thema Katzenhaltung.

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11.07.2017