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Weltuntergangsuhr vor rotem Himmel – Symbolbild für die Doomsday Clock, die 2026 auf 85 Sekunden vor Mitternacht gestellt wurde.
Die Weltuntergangsuhr zeigt sinnbildlich, wie knapp die Menschheit vor Mitternacht steht.
Die Weltuntergangsuhr zeigt sinnbildlich, wie knapp die Menschheit vor Mitternacht steht.
ekapol / iStock

Weltuntergangsuhr: Nur noch 85 Sekunden bis Mitternacht

28.01.2026 um 12:11, Stefanie Hermann
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Die Weltuntergangsuhr wurde 2026 auf 85 Sekunden vor Mitternacht gestellt. Die Risiken durch Kriege, Klimawandel und Künstliche Intelligenz steigen.

Die sogenannte Weltuntergangsuhr steht so nah wie nie vor Mitternacht: Nur noch 85 Sekunden bleiben der Menschheit, wie das Bulletin of the Atomic Scientists berechnet hat. Seit Beginn der Berechnungen vor 80 Jahren war die Menschheit damit noch nie so knapp vor einer selbstverschuldeten globalen Katastrophe.

Weltuntergangsuhr: Warnung, nicht Prognose

Seit ihrer Einführung im Jahr 1947 zeigt die Doomsday Clock den gefühlten Abstand der Welt zu einem möglichen Untergang. „Mitternacht“ steht dabei für den Moment einer weltweiten Katastrophe, ob durch Atomkrieg, Klimakollaps oder den Kontrollverlust über neue Technologien wie Künstliche Intelligenz. 1991 stand die Uhr nach dem Ende des Kalten Krieges und der Unterzeichnung der START-Abrüstungsverträge mit 17 Minuten vor zwölf am weitesten entfernt. Heute ist sie näher als je zuvor.

Gründe für den Schritt: Bedrohungslage

Das wissenschaftliche Gremium verweist auf die aktuell bedrohliche Gleichzeitigkeit mehrerer Krisen. Kriege, zunehmende militärische Drohgebärden und der drohende Zerfall internationaler Abkommen lassen die Uhr schneller ticken. Der letzte große bilaterale Rüstungskontrollvertrag zwischen den USA und Russland, „New START“, läuft Anfang Februar 2026 aus. Schon jetzt sind Inspektionen ausgesetzt. Der Vertrauensverlust mache Forschern zufolge gefährliche Fehlkalkulationen wahrscheinlicher.

Eskalationsspirale und neue Risiken

Damit aber nicht genug wächst parallel zu den geopolitischen Spannungen die Gefahr eines neuen Wettrüstens. Russland, Nordkorea und auch die USA testen wieder nuklear bestückbare Systeme oder kündigen entsprechende Programme an.

Künstliche Intelligenz als Unsicherheitsfaktor

Dazu kommt die Sorge vor einem Ausufern künstlicher Intelligenz in sicherheitsrelevante Bereiche. KI kann Waffensysteme, Informationsflüsse und Entscheidungsprozesse beeinflussen. Mit der rasanten Weiterentwicklung der Technologien betont das Bulletin diesen Faktor stärker als je zuvor.

Die zunehmende Nutzung von KI in Militär und Verwaltung verschärfe das Risiko von Fehlentscheidungen, heißt es in der Begründung. Gleichzeitig beschleunigt sich die Verbreitung von Desinformation. Falschmeldungen können politische Reaktionen verzerren und Krisenmanagement behindern.

Klimawandel als globaler Brandbeschleuniger

Neben der militärischen Lage bleibt auch die Klimakrise einer der Hauptgründe für die neue Einstellung. Extreme Wetterereignisse, steigende Meeresspiegel und unzureichender Klimaschutz erhöhen die Instabilität weltweit. In vielen Regionen verschärfen Umweltveränderungen bestehende Konflikte um Wasser, Energie und Ressourcen.

Appell der Wissenschaft

Experten fordern konkrete Maßnahmen: Reduktion von Nukleararsenalen, internationale Vereinbarungen zur Kontrolle von KI-Systemen und neue Kooperationen im Bereich biologischer Sicherheit. Das Bulletin ruft Regierungen und Gesellschaften dazu auf, Verantwortung zu übernehmen.

„Atomwaffen sind teuflische Werkzeuge, die nicht mit der Menschheit koexistieren können. Wir stehen an einem kritischen Scheideweg“, fasst Jiro Hamasumi von der japanischen NGO Nihon Hidankyō zusammen. Auch IAEA-Chef Rafael Grossi warnt, dass die Zahl der Atomwaffenstaaten in den kommenden Jahren stark steigen könnte. Das Tabu gegen nukleare Aufrüstung bröckle.

Quellen und weiterführende Informationen

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