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Weltgesundheitsorganisation Pandemie: medizinisches Personal in Schutzkleidung bei Einsatzvorbereitung in Labor oder Klinik
Die Weltgesundheitsorganisation warnt vor unzureichender globaler Vorsorge im Fall einer erneuten Pandemie.
Die Weltgesundheitsorganisation warnt vor unzureichender globaler Vorsorge im Fall einer erneuten Pandemie.
Pimen / Shutterstock.com

WHO warnt vor nächster Pandemie

19.05.2026 um 08:15, Stefanie Hermann
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Neue WHO-Analyse zeigt: Die Welt ist schlechter auf Pandemien vorbereitet. Experten warnen vor steigenden Risiken durch Konflikte und Ungleichheit.

Die Welt ist laut Weltgesundheitsorganisation schlechter auf eine neue Pandemie vorbereitet als noch vor zehn Jahren. Zu diesem Ergebnis kommt ein aktueller Bericht des Global Preparedness Monitoring Board (GPMB), der zum Auftakt der WHO-Jahrestagung in Genf vorgestellt worden ist. Das Gremium wurde 2018 von WHO und Weltbank gegründet, um die globale Vorsorge nach Krisen wie Ebola und Covid-19 zu bewerten.

Experten sehen zunehmende Schwächen im System

Eine neue Pandemie würde laut Bericht auf eine Welt treffen, die stärker gespalten, höher verschuldet und weniger handlungsfähig ist als noch vor einem Jahrzehnt. Im GPMB sitzen Vertreter der UNO, Regierungen sowie internationale Fachleute. Ihre Einschätzung gilt als zentrale Orientierung für die globale Gesundheitspolitik.

Vertrauen in Staaten und Institutionen bricht ein

Besonders kritisch bewertet die Weltgesundheitsorganisation den Vertrauensverlust in zentrale Systeme. „Das Vertrauen schwindet: zwischen Regierungen und Bürgern, zwischen Ländern, in multilaterale Organisationen, in die Wirtschaft“, heißt es im Bericht. Fehlendes Vertrauen könnte im Ernstfall rasche und koordinierte Maßnahmen massiv verzögern.

Ungleichheit gefährdet schnelle Reaktion im Ernstfall

Zudem zeigen sich laut Analyse „tief verwurzelte Ungleichheiten“, etwa beim Zugang zu Informationen, Finanzmitteln sowie zu Schutzausrüstung und Impfstoffen. Diese Unterschiede könnten dazu führen, dass sich ein Virus schneller ausbreitet und betroffene Regionen deutlich schlechter geschützt sind.

WHO-Chef warnt vor gefährlichen Zeiten

Zusätzliche Risiken entstehen durch globale Krisen. „Der Klimawandel und bewaffnete Konflikte verschärfen die Risiken“, warnen die Experten. Geopolitische Spannungen und wirtschaftliche Eigeninteressen erschweren laut Weltgesundheitsorganisation ein gemeinsames internationales Vorgehen zusätzlich.

„Wir leben in schwierigen, gefährlichen und von Spaltung geprägten Zeiten“, so WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus.

Streit um Pandemie-Vertrag bremst Fortschritte

Gleichzeitig zeigt sich politischer Stillstand. Zwar ist ein globaler Pandemie-Vertrag grundsätzlich beschlossen, zentrale Details sind jedoch weiter offen. Vor allem das sogenannte Pabs-System – es regelt den Zugang zu Krankheitserregern und die Verteilung von Vorteilen – konnte bisher nicht final vereinbart werden. Ohne diese Einigung kann die Umsetzung des Vertrags nicht starten.

WHO fordert mehr Geld und bessere Koordination

Das GPMB fordert daher konkrete Maßnahmen: eine unabhängige Risikoüberwachung, gleichen Zugang zu Schutzmaßnahmen weltweit sowie mehr finanzielle Mittel für den internationalen Pandemiefonds, der Prävention, Vorsorge und Bekämpfung stärken soll.

Ebola-Ausbruch als aktuelles Warnsignal

Überschattet wird die WHO-Konferenz von einem Ebola-Ausbruch in der Demokratischen Republik Kongo. Die Weltgesundheitsorganisation hat eine internationale Gesundheitsnotlage ausgerufen. Das Risiko einer Ausbreitung nach Europa gilt derzeit als gering.

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