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Außenansicht des Wacker Chemie Werkes in Burghausen
Konzern Wacker Chemie hat im Jahr 2025 einen Rekordverlust eingefahren.
Konzern Wacker Chemie hat im Jahr 2025 einen Rekordverlust eingefahren.
Wacker Chemie

800 Millionen Euro Verlust: Chemiekonzern in der Krise

28.01.2026 um 14:10, Marcel Toifl
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Energiekonzern Wacker Chemie mit Sitz in München meldet 800 Millionen Euro Verlust. Hohe Energiepreise und Abschreibungen den Konzern schwer.

Wacker Chemie mit Sitz in München (Deutschland) ist 2025 tief in die roten Zahlen gerutscht. Hohe Abschreibungen, schwache Nachfrage und die Kosten eines umfassenden Sparprogramms drückten den Münchner Konzern in die Verlustzone. Das Ergebnis: ein Minus von 800 Millionen Euro – der höchste Verlust in der Unternehmensgeschichte.

Rekordverlust und Sparkurs

Nach einem schwierigen Jahr 2024 mit noch 261 Millionen Euro Gewinn verzeichnet der Chemiekonzern nun einen Einbruch. Der Umsatz sinkt um vier Prozent auf 5,49 Milliarden Euro, das operative Ergebnis (Ebitda) fällt um 42 Prozent auf 430 Millionen Euro. Vorstandschef Christian Hartel nennt die Lage deutlich: „2025 ist die chemische Industrie insbesondere in Deutschland und Europa massiv unter Druck geraten.“

Der MDAX-Konzern reagiert mit einem harten Sparkurs. Mehr als 300 Millionen Euro will Wacker jährlich einsparen, bis Ende 2027 soll das Programm abgeschlossen sein. Die Hälfte dieser Summe kommt durch den Abbau von mehr als 1.500 Arbeitsplätzen, der größte Teil davon in Deutschland. Für die Umsetzung stellt das Unternehmen 100 Millionen Euro zurück.

Massiver Druck auf die Chemiebranche

Die gesamte Branche steht vor massiven Problemen. Der Verband der Chemischen Industrie meldet eine Auslastung der Produktionsanlagen von nur 70 Prozent – ein historisches Tief. Hohe Energiepreise, langsame Genehmigungsverfahren und Überkapazitäten aus China belasten die Betriebe. In den USA erschweren Zölle und regulatorische Unsicherheiten den Export.

Hartel fordert politische Unterstützung. „Wir brauchen vor allem international wettbewerbsfähige Energiepreise und einen konsequenten Bürokratieabbau“, sagt der Vorstandschef. Die Chemie sei für Deutschland ein Schlüsselstandort, stehe aber zunehmend unter Druck. Wacker verbraucht allein fast ein Prozent des gesamten deutschen Stroms.

Stellenabbau und Strukturwandel

Rund 16.700 Menschen beschäftigt der Konzern weltweit, davon etwa 8.000 im Stammwerk Burghausen und 1.500 in Nünchritz. Mit dem Sparkurs will Hartel den Konzern schlanker und fokussierter aufstellen. Die Hälfte der Einsparungen soll durch den Personalabbau erreicht werden, der Rest durch Effizienzsteigerungen und eine strategische Neuausrichtung.

Wacker konzentriert sich künftig stärker auf margenträchtige Spezialchemie. Im Polysilizium-Geschäft liegt der Fokus auf dem Halbleitermarkt. In der Life-Science-Sparte Biosolutions richtet sich der Blick auf innovative Biotech-Anwendungen. Das Ziel: stabilere Erträge, geringere Abhängigkeit von der Bau- und Konsumgüterindustrie.

Probleme in den Geschäftsbereichen

Die schwache Bauwirtschaft trifft das Polymer-Geschäft besonders hart. Klebstoffe, Farben, Bodenbeläge und Betonadditive verkaufen sich nur schleppend. Auch die Silikon-Sparte leidet. Ihre Hochleistungskunststoffe kommen in der Auto-, Elektro- und Medizintechnik zum Einsatz, die Auftragslage bleibt schwach.

Wacker baut in dieser Phase Lagerbestände ab, um Liquidität zu sichern. Der Netto-Cashflow fällt mit minus fünf Millionen Euro nahezu ausgeglichen aus, nach einem Abfluss von 326 Millionen im Jahr zuvor. Das Geschäft mit Polysilizium zeigt ein gespaltenes Bild: Die Nachfrage nach hochreinem Material für Chips bleibt stark, während das Solargeschäft unter der US-Untersuchung zu Sicherheitsrisiken leidet. Die Folge: geringere Auslastung und sinkende Margen.

Reaktionen und Ausblick

Analysten reagieren ernüchtert. Chetan Udeshi von JPMorgan spricht von „sehr schwachen Ergebnissen“, die den Branchenabschwung bestätigen. Auch Abed Jarad von MWB Research sieht „keinen klaren Wendepunkt in Sicht“. Nur der starke Finanzmittelfluss und der begonnene Sparkurs verhindern laut Beobachtern Schlimmeres.

An der Börse reagieren Anleger nervös. Nach anfänglichen Verlusten drehen die Aktien kurz ins Plus, fallen dann wieder um 3,07 Prozent auf 69,50 Euro. Für DZ-Bank-Analyst Peter Spengler ist der Sparkurs „ein notwendiger Schritt“. Wacker will im März die endgültigen Zahlen vorlegen. Entscheidend wird dann, ob die Trendwende gelingt.

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