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Die Voestalpine Aktie leidet unter US-Zöllen, bleibt aber stabil durch das Bahngeschäft.
Voestalpine Aktie: EU-Handelsschutz stärkt die Wettbewerbsposition und entlastet den Konzern.
Voestalpine Aktie: EU-Handelsschutz stärkt die Wettbewerbsposition und entlastet den Konzern.
APA-Images / APA / ERWIN SCHERIAU

Voestalpine Aktie unter Druck: US-Zölle belasten Ergebnis

07.04.2026 um 08:39, Yunus Emre Kurt
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Voestalpine Aktie unter Druck: US-Zölle belasten das Ergebnis, doch starkes Bahngeschäft und EU-Schutzmaßnahmen stabilisieren den Ausblick.

Voestalpine Aktie: Hohe Zölle in den USA drücken auf das Ergebnis von Voestalpine. Ein stark wachsendes Bahngeschäft und neue EU-Handelsschutzinstrumente stärken dennoch die Basis für Gewinn und grünen Umbau.

Starkes Bahngeschäft federt US-Zölle ab

Voestalpine bekommt die verschärften US-Importzölle auf Stahlprodukte deutlich zu spüren. Die neuen Abgaben sollen das Ergebnis um 60 bis 80 Mio. Euro schmälern. Besonders betroffen ist die Sparte Tubulars, die bei Spezialrohren mit Abgaben von bis zu 50 Prozent konfrontiert ist. Eine lokale Fertigung in Nordamerika kann diese Belastung nur teilweise ausgleichen.

Gleichzeitig erweist sich das Bahngeschäft des Konzerns als Stabilitätsanker. Das Segment Railway Systems verzeichnet eine anhaltend hohe Nachfrage und ein starkes operatives Ergebnis. In den ersten drei Quartalen des laufenden Geschäftsjahres steigt das EBITDA der Sparte um 7,2 Prozent auf 1 Mrd. Euro. Zusammen mit neuen EU-Handelsbarrieren bildet dieses Geschäftsfeld eine wichtige Grundlage, damit Voestalpine trotz der Belastungen an seinen Jahreszielen festhalten kann.

EU-Handelsschutz stützt heimische Stahlproduktion

Die europäischen Handelsschutzinstrumente verschaffen der heimischen Stahlproduktion spürbare Entlastung. Der CO₂-Grenzausgleichsmechanismus (CBAM) belegt importierten Stahl aus Drittländern mit Zertifikatskosten von 40 bis 70 Euro je Tonne. Für Produzenten wie Voestalpine verringert das den Druck durch günstigere Anbieter aus Drittstaaten.

Zusätzlich ist für Juli eine Halbierung der europäischen Importquoten geplant. Diese Maßnahme dürfte den Wettbewerbsdruck aus Asien und der Türkei weiter dämpfen. Sie stärkt die Marktposition heimischer Hersteller. Die Kombination aus Bahngeschäft und Handelsschutz schafft damit eine stabilere Ausgangsbasis für die grüne Transformation und die aktive Dekarbonisierung der Produktion bei Voestalpine.

Finanzlage, Schuldenabbau und neues Dividendenmodell

Operativ zeigt der Konzern trotz der Belastungen aus dem US-Geschäft eine solide Entwicklung. In den ersten drei Quartalen steigt das EBITDA von Voestalpine um 7,2 Prozent auf 1 Mrd. Euro. Parallel dazu gelingt ein deutlicher Schuldenabbau: Die Nettoverschuldung sinkt um 27,4 Prozent auf 1,4 Mrd. Euro.

Zur Finanzierung des Umbaus treibt Voestalpine Portfoliobereinigungen voran. Der Verkauf der Tochtergesellschaft BÖHLER Profil an den US-Konzern Kadant bringt rund 157 Mio. Euro ein. Unwirtschaftliche Bereiche wie die voestalpine Camtec GmbH in Linz werden geschlossen, die 53 betroffenen Mitarbeiter wechseln intern. Zusätzlich platziert der Konzern Anfang März eine Aufstockung der bestehenden Wandelanleihe über 35 Mio. Euro bei institutionellen Investoren. Der strukturelle Konzernumbau ist zum Stichtag Ende März abgeschlossen.

Mit Abschluss des Geschäftsjahres 2025/26 beginnt für die Aktionäre eine neue Phase. Im Mittelpunkt steht ein im vergangenen Sommer beschlossenes Ausschüttungsmodell, das die Dividende direkt an die Bilanzqualität koppelt. Liegt der Verschuldungsgrad unter dem Faktor 2,0, schüttet Voestalpine 30 Prozent des Gewinns je Aktie aus. Wird dieser Schwellenwert überschritten, entfällt die erfolgsabhängige Komponente, dafür greift eine garantierte Mindestdividende von 0,40 Euro je Anteilsschein.

Analysten rechnen für das Gesamtjahr im Schnitt mit einem Nettogewinn von 393 Mio. Euro. Das entspräche einem Zuwachs von rund 74 Prozent. Das Management hält an seinem Ziel für das operative Ergebnis von 1,4 bis 1,55 Mrd. Euro im abgelaufenen Jahr fest.

Investitionen in greentec steel und Ausblick

Kern der strategischen Neuausrichtung ist das 1,5 Mrd. Euro schwere Projekt „greentec steel“. Voestalpine treibt die Dekarbonisierung voran und finanziert den Umbau der Produktion auch aus Veräußerungserlösen. Die rund 157 Mio. Euro aus dem Verkauf von BÖHLER Profil fließen direkt in das Großprojekt.

Beim Bau des neuen Elektrolichtbogenofens verzeichnet der Konzern Fortschritte. Am Standort Linz stellt Voestalpine im laufenden Monat planmäßig den Rohbau für den ersten Ofen fertig. Die Inbetriebnahme der Anlage „greentec steel“ ist für Februar 2027 angesetzt. Das Projekt soll die Emissionen des Konzerns deutlich senken und gilt als zentral für den Übergang zur klimaneutralen Stahlproduktion.

Am 3. Juni legt Voestalpine vollständige Jahreszahlen vor und präsentiert Details zu den finanziellen Auswirkungen der aktuellen Lage. Am 3. Juni 2026 erfahren die Aktionäre mit der Vorlage der detaillierten Jahresergebnisse, wie hoch die erste Ausschüttung unter dem neuen Dividendenmodell ausfällt.

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