Banken teilen Kunden nach Vermögen ein: So funktioniert es
Ab wann ist man für eine Bank eigentlich vermögend? Eine österreichweit einheitliche Grenze gibt es dafür nicht. Geldinstitute und Vermögensverwalter teilen ihre Kunden jedoch häufig nach dem Kapital ein, das tatsächlich für Geldanlagen zur Verfügung steht. Dabei zählt nicht automatisch jedes Haus oder jedes hohe Einkommen zum investierbaren Vermögen. Mit steigenden Summen verändern sich meist auch Beratung und angebotene Dienstleistungen.
Auf dieses Vermögen schauen Banken
Im Wealth Management ist vor allem das sogenannte investierbare Vermögen entscheidend. Gemeint ist Kapital, das grundsätzlich für Wertpapiere, Fonds oder andere Veranlagungen zur Verfügung steht. Ein selbst bewohntes Eigenheim wird bei internationalen Vermögensdefinitionen dagegen häufig nicht berücksichtigt.
Auch deshalb kann jemand auf dem Papier ein hohes Gesamtvermögen besitzen, ohne automatisch in die entsprechende Kundengruppe einer Bank zu fallen. Wer etwa eine Immobilie im Wert von 500.000 Euro besitzt, darauf aber noch einen hohen Kredit abzahlen muss, verfügt nicht über dieselbe frei verfügbare Summe für Veranlagungen.
Eine fixe Grenze von 100.000 Euro für vermögende Kunden gibt es dabei nicht. Je nach Bank können bereits sechsstellige Anlagebeträge zu einer intensiveren Beratung führen, die konkreten Kundensegmente unterscheiden sich jedoch deutlich.
Ab einer Million beginnt eine neue Klasse
International gibt es dagegen verbreitete Definitionen. Als High Net Worth Individuals, kurz HNWI, bezeichnet etwa der World Wealth Report von Capgemini Menschen mit mindestens einer Million US-Dollar investierbarem Vermögen. Der Hauptwohnsitz und persönliche Wertgegenstände werden dabei nicht mitgerechnet.
Innerhalb dieser Gruppe folgen weitere Abstufungen. Zwischen einer und fünf Millionen US-Dollar spricht Capgemini von „Millionaires Next Door“, zwischen fünf und 30 Millionen von „Mid-Tier Millionaires“. Ab 30 Millionen US-Dollar investierbarem Vermögen beginnt die Gruppe der Ultra High Net Worth Individuals.
Mit solchen Summen verändert sich auch die Beratung. Neben klassischen Aktien, Anleihen und Fonds können unter anderem Unternehmensbeteiligungen, alternative Investments, internationale Vermögensstrukturen sowie Fragen rund um Erbschaft und Nachfolge an Bedeutung gewinnen.
Private Banking startet nicht überall gleich
Wann Kunden Zugang zu einem eigenen Private-Banking-Angebot erhalten, legt jede Bank selbst fest. Die Schwellen können deshalb erheblich voneinander abweichen. Ein aktuelles Beispiel aus Österreich zeigt das deutlich: Bei der Erste Bank und Salzburger Sparkasse ist eine Betreuung im Private Banking in Salzburg ab einem Vermögen von 500.000 Euro möglich.
Bei anderen Instituten können andere Mindestbeträge oder zusätzliche Voraussetzungen gelten. Deshalb lässt sich nicht pauschal behaupten, dass jeder Kunde ab einer bestimmten Summe automatisch in dieselbe Vermögensklasse wechselt.
Wichtig ist außerdem die Abgrenzung zu gesetzlichen Kontrollen. Die Einteilung in Affluent-, Private-Banking- oder HNWI-Kunden ist eine geschäftliche Segmentierung und bedeutet nicht automatisch, dass Banken ab einem bestimmten Kontostand zusätzliche gesetzliche Prüfungen durchführen.
So vermögend sind Österreichs Haushalte
Wie groß die Dimensionen insgesamt sind, zeigen Zahlen der Österreichischen Nationalbank. Das Finanzvermögen des österreichischen Haushaltssektors lag Mitte 2025 bei rund 936,7 Milliarden Euro. Rund 36 Prozent davon entfielen auf Einlagen, 24 Prozent auf Beteiligungen und etwa 21 Prozent auf Wertpapiere.
Die Größenordnung von einer Million Euro bleibt für einen einzelnen Arbeitnehmer dennoch enorm. Laut Statistik Austria lag das Median-Nettoeinkommen unselbständig Erwerbstätiger 2024 bei 2.711 Euro pro Monat, inklusive anteiligem Urlaubs- und Weihnachtsgeld.
Eine Million Euro entspricht damit rechnerisch fast 369 solcher Monatsnettoeinkommen. Genau deshalb ist der Schritt ins Private Banking für die Mehrheit der Bevölkerung weit entfernt, auch wenn Banken ihre vermögenden Kunden je nach Geschäftsmodell schon deutlich unterhalb der Millionengrenze gesondert betreuen.