Sintflut-Video: Unwetterkatastrophe in Kroatien

An der nördlichen Adria wüteten extrem schwere Gewitter mit bis zu 400 Litern Regen pro Quadratmeter. Ortschaften wurden überschwemmt, Straßen unpassierbar und Häuser verwüstet.
Autor: Simone Reitmeier, 19.09.2022 um 11:24 Uhr

In Kroatien tobten vergangene Woche schwere Orkan-Unwetter: Ortschaften und Straßen wurden überschwemmt, Häuser durch Stürme verwüstet, Autos mitgerissen und vielerorts wurde der Ausnahmezustand ausgerufen. Experten rechneten mit bis zu 300 oder gar bis zu 400 Litern Regen pro Quadratmeter. Zum Vergleich: Bei den starken Unwettern im August fielen in Vorarlberg rund 200 Liter pro Quadratmeter – ein Rekordwert.

Monsunregen, extreme Stürme, Sturzflut

Durch starke Regenfälle und Orkan ähnliche Zustände kam es vielerorts zu Überschwemmungen, Muren und Stürmen. Die Gewitter verursachten Stromausfälle, Flüsse traten über die Ufer, Straßen wurden unpassierbar. Die örtlichen Feuerwehren waren im Dauereinsatz. Für ganz Kroatien wurde eine Unwetterwarnung ausgerufen, insbesondere an der Adria drohte eine Flutkatastrophe.

Orkan verwüstete Stadt

Besonders schlimm hat es Čazma in der Nähe von Zagreb Donnerstagabend getroffen. Ein Orkan verwüstete die Stadt: eingestürzte Häuser, umgerissene Strommasten, die Strom- und Wasserversorgung war gefährdet.

Schwere Regenfälle und Unwetter in der Stadt Čazma.

Flüsse gingen über

Laut Medienberichten stieg der Wasserspiegel der Flüsse Sava bei Zagreb und Kupa bei Karlovac stark an. Mehrere Straßen in Karlovac waren unter Wasser und nicht befahrbar, Ortschaften wurden überschwemmt. In Zagreb soll die Kanalisation mit den enormen Niederschlagsmengen überfordert gewesen sein, wodurch auf einigen Straßen das Wasser stand. Das „Green River“-Festival musste kurzerhand evakuiert werden.

Adria auf Hurrikan-Temperatur

Für die schweren Unwetter spielten mehrere Faktoren zusammen. Zum einen hat sich das Mittelmeer durch den heurigen Hitzesommer auf bis zu 30 Grad erhitzt, die Temperaturen an der Oberfläche lagen vergangene Woche immer noch bei 26 Grad. Das ist Hurrikan-Niveau, wie man es sonst nur im Golf von Mexiko kennt. Zum anderen saugte sich die heiße Luft über dem Meer mit Wasser voll und der kalte Nordwind der Alpen erreichte die Küste. Dadurch entsteht ein sogenannter Lee-Effekt: Luftmassen werden angehoben und es entwickelt sich Tiefdruck, warme und kalte Luft vermischen sich – genau das verursacht solche extremen Wetterverhältnisse. Experten sprechen auch von einem „Medicane“, eine Art Hurrikan im Mittelmeer.

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