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Schüler lernen in Gruppen, mit Büchern und Tablets.
Schule 2040 wird wohl weniger futuristisch, als viele glauben.“
Schule 2040 wird wohl weniger futuristisch, als viele glauben.“
Shutterstock AI / Shutterstock

KI in der Schule: Das Klassenzimmer von morgen

25.08.2026 um 09:38, Simone Reitmeier
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Wie lernen Kinder im Jahr 2040? Experten erklären, wie KI, VR, neue Fächer und flexible Stundenpläne die Schule der Zukunft verändern.

Wir schreiben das Jahr 2040. Sophia ist elf Jahre alt und heute ist Schule, ihr Zuhause muss sie dafür nicht verlassen. Sie steigt mit VR-Brille in einen virtuellen Klassenraum ein, Bücher gibt es keine mehr. Mögliche Zukunft oder Science Fiction? Die Antwort der Experten fällt überraschend aus. „Viele Menschen glauben, Kinder werden nur noch wenige Stunden in die Schule gehen und den Rest des Tages zu Hause mit einem KI-Agenten lernen. Das halte ich für groben Blödsinn“, ist sich Zukunftsforscher Tristan Horx sicher. Seine Prognose: Schule bleibt ein echter Ort und könnte 2040 sogar Sophia ist elf Jahre alt und heute ist Schule, ihr Zuhause muss sie dafür nicht verlassen. Sie noch stärker zur Ganztagesinstitution werden. Nicht obwohl es KI gibt, sondern gerade deshalb. Denn Gruppendynamiken wie Freundschaften schließen, streiten, sich versöhnen und das Aushalten anderer Meinungen lassen sich nicht digitalisieren. Diese Meinung teilt auch Bildungs- und Medienexpertin Elke Lackner (Universität Graz): Sie hält wenig von einem virtuellen Klassenzimmer, persönliches Miteinander bleibt unverzichtbar.

Recht auf analoge Kindheit

Bei jüngeren Kindern könnten das Analoge und Zwischenmenschliche sogar an Bedeutung gewinnen. „Ich bin überzeugt, dass Kinder bis zum zehnten Lebensjahr ein Recht auf eine analoge Kindheit haben sollten. Strenge Digitalverbote an der Grundschule halte ich deshalb für möglich“, sagt Horx. Wirft man einen Blick auf internationale Entwicklungen, klingt diese Annahme gar nicht so verkehrt. Digital-Vorreiter Schweden rudert bereits zurück und setzt anstatt auf Tablets und Bildschirme wieder stärker auf Hefte und Schulbücher. Der Grund: sinkende Lese- und Schreibkompetenz, fehlende Konzentration und schlechtere Testergebnisse. Ausgerechnet Im Tech-Mekka Silicon Valley schicken immer mehr Eltern ihre Kids auf weitgehend bildschirmfreie Schulen. Sie sollen soziale Fähigkeiten, Kreativität und eigenständiges Denken entwickeln, bevor digitale Geräte den Alltag bestimmen.

Unterricht: So verändern KI und VR das Lernen

Deutlich multimedialer dürfte hingegen die Oberstufe werden, VR-Brillen und KI-Assistenten werden 2040 sicher eine Rolle spielen. Aber: Nicht als Lehrer- oder Unterrichtsersatz, sondern als Unterstützung und zur Vertiefung. „Da gibt es bereits erste Pilotprojekte, auch in Österreich", informiert Elke Lackner. „Im Sprachunterricht kann man beispielsweise eine französische Bäckerei betreten und dort auf Französisch einkaufen“, nennt die Bildungsexpertin ein Beispiel. Auch Geschichte oder Chemie könnte mit Virtual Reality anschaulicher werden. So lassen sich etwa Experimente durchführen und beobachten, was passiert, wenn Stoffe falsch gemischt werden. Dort darf dann auch einmal etwas explodieren, ohne dass dabei jemand gefährdet wird. Persönliche „KI-Agenten“ sind für Horx denkbar, allerdings eher außerhalb des Klassenzimmers. Sie könnten Lernfortschritte speichern, individuelle Förderaufgaben erstellen und klassische Hausaufgaben weitgehend ersetzen.

Kindern lernen mit VR-Brille
VR-Brillen und KI-Assistenten werden 2040 sicher eine Rolle spielen.

Schule 2040: Flexible Stundenpläne statt 50-Minuten-Takt

Der klassische Stundenplan mit 50-Minuten-Takt hat 2040 wohl ausgedient. Die Aufteilung des Tages wird sich an den individuellen Lernrhythmen der Schüler orientieren, ist Horx überzeugt. Kreativer Typ? Dann belegt er Bildnerische Erziehung vielleicht am Morgen, wenn er zu dieser Zeit am fittesten ist. Mathe- und Morgen-Muffel? Der arbeitet nachmittags und an sein Tempo anpasst. Elke Lackner kann sich vorstellen, dass Schüler stärker selbstorganisiert und fächerübergreifend arbeiten. Ein Beispiel: Die Französische Revolution wird nicht nur in Geschichte behandelt. Französische Quellen kommen im Sprachunterricht dazu, politische Ideen in Ethik, gesellschaftliche Folgen in weiteren Fächern. So entsteht ein Thema statt vieler einzelner Unterrichtsschubladen.

Schüler brauchen Zeit zum Denken

Die Schule der Zukunft hat noch eine andere wichtige Aufgabe: Sie soll bewusst entschleunigen, plädiert Bildungsforscherin Lackner. KI, Suchmaschinen & Co liefern Antworten heute innerhalb von Sekunden. Das ist praktisch, birgt aber die Gefahr, dass wir uns immer seltener selbst durch schwierige Texte, Fragen oder Probleme arbeiten. Genau das müsse Schule wieder stärker vermitteln: sich Zeit nehmen, gründlich lesen, nachdenken, Quellen prüfen, diskutieren und auch andere Meinungen aushalten. Flexible Stundenpläne und fächerübergreifendes Lernen könnten dafür den nötigen Freiraum schaffen.

Lehrer: Bildungscoach von morgen

Lehrkräfte schlüpfen künftig stärker in die Rolle eines Bildungscoaches, arbeiten im Team, planen Projekte und begleiten Kinder über längere Zeit. Vielleicht sieht das 2040 so aus: Die Lehrerin hilft einer Gruppe, ein Referat zur Klimakrise vorzubereiten, erklärt eine komplexe Grafik zu CO₂-Emissionen, schaut mit zwei Kindern auf die Rückmeldung ihres KI-Lernprogramms und gibt Tipps für eine Präsentation. Auch für Elke Lackner geht die Rolle von Lehrpersonen weit über bloße Wissensvermittlung hinaus. Ihre Aufgabe wird zunehmend darin bestehen, Schüler zu befähigen, Informationen zu bewerten, einzuordnen und sinnvoll zu nutzen. Dass KI-Roboter oder digitale Avatare Lehrkräfte ersetzen, halten Experten deshalb für sehr unwahrscheinlich.

Neue Fächer, andere Prüfungen

Neben Grundlagen wie Lese- und Sprachkompetenz, mathematisches Grundverständnis sowie Allgemeinbildung gewinnen neue Schwerpunkte an Bedeutung: Digitalkompetenz, Ethik, Demokratiebildung, Konfliktmanagement. Das österreichische Reformprojekt „Plan Zukunft“ rückt einige dieser Themen bereits stärker in den Fokus, für Elke Lackner ein Schritt in die richtige Richtung. Das wird sich auch in der Leistungsüberprüfung wiederspiegeln. „Klassische Prüfungen wird es auch 2040 geben, allerdings wohl seltener. Ich denke, Leistungen werden individueller überprüft, stärker am eigenen Fortschritt und weniger an einem zentralen Maßstab gemessen werden“, malt Tristan Horx ein Zukunftsbild. Selbst der Einsatz von KI könnte künftig erlaubt sein, wenn es nach Elke Lackner geht. Entscheidend sei, dass Schüler die Ergebnisse nachvollziehen und erklären, Zusammenhänge erkennen und zeigen können, dass sie die Inhalte wirklich verstanden haben.

Schule 2040: So könnte ein Schultag aussehen

Und Sophia? Sie wird 2040 vermutlich doch morgens zur Schule gehen. Dort trifft sie Freunde und Lehrer, liest Bücher, arbeitet mit KI und setzt vielleicht manchmal eine VR-Brille auf. Statt für jede Test Fakten auswendig zu lernen, arbeitet sie an Projekten, prüft Quellen, diskutiert mit anderen und bekommt Aufgaben, die stärker zu ihrem eigenen Lernstand passen. Die größte Veränderung dürfte nicht auf dem Bildschirm stattfinden, sondern im Lernen selbst: weniger Wissen anhäufen, mehr verstehen, hinterfragen, ausprobieren und gemeinsam Lösungen finden.

Tristan Horx im Interview: Warum Schule ein echter Ort bleibt

Wie sieht Schule im Jahr 2040 aus? Zukunftsforscher Tristan Horx spricht über KI im Klassenzimmer, die Rolle der Lehrkräfte und darüber, warum echte soziale Begegnungen auch künftig unverzichtbar bleiben.  

Werden Kinder in 15 Jahren von Robotern oder KI-Avataren unterrichtet
Horx: Nein. Diese Diskussion wird derzeit auch in der Pflege diskutiert. Ich glaube allerdings, dass niemand ausschließlich von einem Roboter gepflegt werden will. Genauso wenig möchten Eltern, dass ihre Kinder ausschließlich von Robotern unterrichtet werden. Schule ist Vorbereitung auf das Menschsein und nicht nur auf Konsum und Information. 

Wie wird sich der Begriff „Wissen“ verändern? 
Horx: Wissen bedeutet immer weniger, möglichst viele Informationen im Kopf zu speichern. Entscheidend ist viel mehr, schnell an die richtigen Informationen zu gelangen und deren Qualität beurteilen zu können. Dazu braucht es Grundlagen, kritisches Denken und die Fähigkeit, Informationen einzuordnen. Das wird sich auch in zukünftigen Schulfächern wiederspiegeln. 

Brustfoto von Tristan Horx.
Zukunftsforscher Tristan Horx

Was spricht aus Ihrer Sicht ganz klar für ein reales Klassenzimmer? 
Horx: Wir leben in einer Gesellschaft, die digital immer stärker vernetzt ist, gleichzeitig aber sozial vereinsamt. Gerade deshalb sollten wir den Ort stärken, an dem die meisten Menschen ihre wichtigsten sozialen Beziehungen aufbauen: die Schule. Freundschaften aus dieser Zeit halten oft ein Leben lang. Wissen kann man überall erwerben, soziale Entwicklung braucht aber einen gemeinsamen Ort. Die eigentliche Aufgabe der Schule besteht darin, junge Menschen auf das Leben in der Gesellschaft vorzubereiten. Das hat spätestens die Corona-Pandemie deutlich gemacht. Viele Kinder und Jugendliche waren sozial abgehängt, weil ihnen der täglich Kontakt zu anderen fehlte. 

Werden Kinder im Jahr 2040 noch zwei Monate Sommerferien haben? 
Horx: Das würde ich zumindest infrage stellen. Zwei Monate Sommerferien stammen ursprünglich aus einer Zeit, in der Kinder bei der Ernte helfen mussten. Für manche Familien kann dieses Modell weiterhin sinnvoll sein, für viele andere passt es aber aufgrund von Berufstätigkeit immer weniger zur Lebensrealität. Ich kann mir deshalb gut vorstellen, dass Ferien künftig stärker über das gesamte Jahr verteilt werden.

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