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Mann zeigt seine leere Hosentasche
Im ersten Halbjahr 2023 wurden 4.456 Schuldenregulierungsverfahren eröffnet.
Im ersten Halbjahr 2023 wurden 4.456 Schuldenregulierungsverfahren eröffnet.
iStock.com/AndreyPopov

Teuerung: Bereits 25 Privatkonkurse täglich

21.06.2023 um 13:07, Patrick Deutsch
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Im ersten Halbjahr ist die Zahl der Konkursverfahren weiter gestiegen. Angesichts der Teuerung könnten die Insolvenzen im Laufe des Jahres deutlich zunehmen.

Durch die anhaltend hohen Kosten für Lebensmittel, Miete und Strom gestaltet sich die finanzielle Situation vieler Menschen weiter schwierig. Auch die Unternehmensinsolvenzen befinden sich aktuell knapp über dem Vorkri­sen­ni­veau aus dem Jahr 2019.

Mehr Verfahren, weniger Schulden

Die Zahl der eröff­neten Schul­den­re­gu­lie­rungs­ver­fahren ist im ersten Halbjahr 2023 um 3,1 Prozent gestiegen. Laut aktueller KSV1870 Hochrechnung wurden in den ersten sechs Monaten 4.456 eröffnete Schuldenregulierungsverfahren gezählt. Das sind etwa 25 Fälle pro Tag. "Auch wenn der aktuelle Anstieg im Rahmen ist, braucht es zielgerichtete Lösungen, um die Menschen in Österreich nachhaltig zu entlasten. Vor allem für jene Menschen, die bereits vor der Teuerungswelle Probleme hatten, finanziell über die Runden zu kommen. Andernfalls wird die Rechnung nicht mehr allzu lange aufgehen und die Zahl der Privatkonkurse deutlich steigen", erklärt Karl-Heinz Götze, Leiter KSV1870 Insolvenz. Positiv anzumerken ist, dass das Schul­den­ausmaß deut­lich auf 419 Millionen Euro gesunken ist. Die durchschnittliche Schuldenhöhe beträgt rund 94.000 Euro.

Die Menschen gehen in Krisenzeiten vorsichtiger mit ihrem Geld um und sparen an allen Ecken und Enden. Dennoch werden bei der aktuellen Kostenpolitik eher heute als morgen die privaten Reserven vieler Menschen aufgebraucht sein.

Karl-Heinz Götze, Leiter KSV1870 Insolvenz
Infografik über die Unternehmensinsolvenzen in Österreich im ersten Halbjahr 2023
Die Unternehmensinsolvenzen im ersten Halbjahr 2023.

5.300 Firmenpleiten bis Jahresende

Bei den Unternehmensinsolvenzen setzt sich der Trend konsequent fort: Laut KSV1870-Hochrechnung sind die Firmenpleiten im ersten Halbjahr 2023 um elf Prozent gestiegen und liegen damit knapp über dem Vorkrisenniveau aus dem Jahr 2019. Von Jänner bis Juni waren in Österreich 2.600 Unternehmen von einer Insolvenz betroffen. Zusätzlich haben sich die Passiva um 26 Prozent auf 1,04 Milliarden Euro erhöht. 132 Millionen davon sind auf die Pleite Leiner & kika Möbelhandels GmbH zurückzuführen. Auch die Zahl der betroffenen Mitarbeiter (11.600, +65,7 %) und der betroffenen Gläubiger (21.000, +53,3 %) ist deutlich angewachsen. Bis Jahresende werden bis zu 5.300 Firmenpleiten erwartet.

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