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Kunde nimmt Olivenölflasche aus dem Regal im Supermarkt – ÖKO-TEST zeigt Belastung durch Pestizide und Mineralöl
Griff ins Regal mit Risiko: Der aktuelle ÖKO-TEST zu Olivenöl zeigt, dass viele Produkte mit Pestiziden und Mineralöl belastet sind.
Griff ins Regal mit Risiko: Der aktuelle ÖKO-TEST zu Olivenöl zeigt, dass viele Produkte mit Pestiziden und Mineralöl belastet sind.
KI-generiert / dall.e / Stefanie Hermann

ÖKO-TEST schockiert: Olivenöl belastet – günstiges Öl besser als teure Marken

01.05.2026 um 08:05, Stefanie Hermann
min read
ÖKO-TEST hat 30 Olivenöle geprüft: Pestizide, Mineralöl und Mängel schockieren. Nur zwei Produkte schneiden „sehr gut“ ab. Am besten war das billigste Produkt.

Der ÖKO-TEST zu Olivenöl liefert ein alarmierendes Ergebnis. Von 30 Produkten der höchsten Güteklasse „nativ extra“ schneiden nur zwei mit „sehr gut“ ab. Sieben fallen sogar mit „mangelhaft“ durch.

ÖKO-TEST Olivenöl: Alarmierendes Ergebnis

Viele Olivenöle halten das Qualitätsversprechen „nativ extra“ nicht ein. „Einige dieser Öle hätten dieses Qualitätsversprechen gar nicht tragen dürfen“, hält ÖKO-TEST fest. Besonders brisant: Selbst teure Marken und Bio-Öle sind betroffen. Insgesamt 18 der getesteten Produkte tragen ein Bio-Siegel, die Preise reichen von rund 8 bis 28 Euro pro Liter.

Olivenöl-Testsieger überraschen: Discounter schlägt teure Marken

Im aktuellen ÖKO-TEST Olivenöl gibt es nur zwei klare Gewinner. Die Bestnote „sehr gut“ erreichen ausschließlich das Bio Natives Olivenöl extra von Aldi Nord und Süd sowie das Rapunzel Olivenöl nativ extra aus Italien.

Beide Produkte überzeugen im Labor und bei der sensorischen Prüfung. Sie zeigen einen sauberen, ausgewogenen Geschmack ohne Fehlnoten und schneiden auch bei den Inhaltsstoffen überzeugend ab.

Auffällig ist vor allem der Preisunterschied. Während das Rapunzel-Öl deutlich teurer ist, bietet das Discounter-Produkt vergleichbare Qualität zu einem wesentlich niedrigeren Preis. Der Test zeigt damit klar: Hohe Qualität ist auch günstig möglich.

Pestizid-Belastung in Olivenöl erreicht neuen Höchststand

Ein zentrales Ergebnis des ÖKO-TEST Olivenöl ist die massive Pestizidbelastung. In fast allen konventionellen Produkten wurden Rückstände mehrerer Spritzmittel nachgewiesen. In vier Bio-Ölen fanden sich ebenfalls Rückstände, laut ÖKO-TEST vermutlich durch Verwehungen von benachbarten Feldern.

Alarmierend ist, dass mehrere verschiedene Pestizid-Wirkstoffe gleichzeitig in nur einem Öl gefunden wurden. „Bis zu sechs Pestizide in einem Olivenöl – das ist neu und hat uns komplett überrascht!“, sagt Lebensmittelchemikerin Lisa-Marie Karl von ÖKO-TEST.

Die Kombination mehrerer Wirkstoffe gilt als besonders problematisch, da mögliche Auswirkungen auf den menschlichen Körper noch nicht ausreichend erforscht sind.

Mineralöl steckt in allen getesteten Olivenölen

Noch deutlicher fällt ein weiterer Befund aus. In allen 30 getesteten Produkten wurden gesättigte Mineralölkohlenwasserstoffe (MOSH) nachgewiesen. MOSH-Verbindungen können sich im Körper anreichern.

Besonders kritisch: In vier Ölen fanden die Tester auch aromatische Mineralölkohlenwasserstoffe (MOAH) in erhöhter Konzentration. Diese können krebserregende und erbgutschädigende Substanzen enthalten. Für Verbraucherschützer ist klar: Solche Stoffe haben in Lebensmitteln nichts verloren.

Bio-Produkte in der Kritik: Weichmacher nachgewiesen

Auch Bio-Olivenöle kommen im ÖKO-TEST zu Olivenöl nicht gut weg. In mehreren Produkten wurde der Weichmacher Dibutylphthalat gefunden. Der Stoff kann über technische Anlagen während der Verarbeitung, etwa über Schläuche, Dichtungen oder andere Bauteile aus Weich-PVC, ins Öl gelangen.

Dibutylphthalat gilt als fortpflanzungsgefährdend und steht im Verdacht, hormonähnlich zu wirken. Gerade bei Bio-Produkten wiegt dieser Befund besonders schwer, da Konsumenten hier höhere Standards erwarten.

„Nativ extra“ oft nicht gerechtfertigt

Neben den Inhaltsstoffen zeigt der Test auch deutliche Mängel im Geschmack. Sieben Olivenöle erfüllen die Anforderungen für „nativ extra“ nicht. Laut EU-Verordnung dürfen Öle nur dann so bezeichnet werden, wenn sie sensorisch fehlerfrei sind.

Experten beschreiben die betroffenen Produkte als „ranzig“ oder „stichig, schlammig“. „Stichige und schlammige Fehlnoten entstehen schon vor der Pressung, etwa wenn Oliven zu gären beginnen“, erklärt Nadja Liebmann vom Deutschen Olivenölpanel. Ranzigkeit entstehe hingegen meist erst durch falsche Lagerung nach der Verarbeitung.

ÖKO-TEST Olivenöl entlarvt große Qualitätsprobleme

Der ÖKO-TEST zu Olivenöl zeigt ein deutliches Problem im Handel. Pestizide, Mineralöl und sensorische Mängel ziehen sich durch einen Großteil der Produkte, selbst bei Bio-Ölen.

Für Konsumenten fällt das Ergebnis ernüchternd aus: Weder ein hoher Preis noch ein Bio-Siegel garantieren Qualität. Viele Mängel sind gar nicht erkennbar. Pestizide, Mineralöl oder Weichmacher sind weder sichtbar noch schmeckbar. Wer auf Nummer sicher gehen will, ist auf unabhängige Tests angewiesen.

Wer blind zur Flasche greift, riskiert minderwertige Qualität trotz „nativ extra“ auf dem Etikett.

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