Darum feiern wir am 26. Oktober WIRKLICH den Nationalfeiertag
- Die Vorgeschichte: Besatzungszeit und der Weg zur Freiheit
- Der historische Wendepunkt: Der Staatsvertrag von 1955
- Der 25. Oktober 1955: Der letzte Besatzungssoldat verlässt das Land
- Der 26. Oktober 1955: Geburtstag der immerwährenden Neutralität
- Vom „Tag der Fahne“ zum gesetzlichen Nationalfeiertag
- Bedeutung heute: Leistungsschau, Tag der offenen Tür und Tradition
Jedes Jahr am 26. Oktober feiert die Republik ihren Nationalfeiertag. Doch entgegen einem weit verbreiteten Mythos wird an diesem Datum weder die Unterzeichnung des Staatsvertrags noch der Abzug der letzten fremden Truppen gefeiert. Warum Österreich genau diesen Tag als höchsten staatlichen Feiertag begeht, beruht auf einem historischen Zusammenspiel aus dem Ende der zehnjährigen Besatzungszeit und einem Beschluss von weltpolitischer Tragweite: Der Festlegung der immerwährenden Neutralität im Jahr 1955.
Die Vorgeschichte: Besatzungszeit und der Weg zur Freiheit
Mit dem Ende des Zweiten Weltkriegs im Mai 1945 war Österreich zwar von der NS-Herrschaft befreit, jedoch keineswegs frei. Das Land wurde von den vier Großmächten – den USA, der Sowjetunion, Großbritannien und Frankreich – in vier Besatzungszonen unterteilt, während Wien gemeinsam verwaltet wurde. Zehn Jahre lang bestimmten die alliierten Streitkräfte das politische und gesellschaftliche Leben. Die Sehnsucht der Bevölkerung nach Unabhängigkeit, vollständiger Autonomie und dem Abzug der ausländischen Truppen war enorm.
Der historische Wendepunkt: Der Staatsvertrag von 1955
Nach jahrelangen zähen Verhandlungen gelang der österreichischen Diplomatie im Frühjahr 1955 der entscheidende Durchbruch. Am 15. Mai 1955 wurde im Wiener Schloss Belvedere der Österreichische Staatsvertrag feierlich unterzeichnet. Außenminister Leopold Figl verkündete daraufhin auf dem Balkon die berühmten Worte: „Österreich ist frei!“ Nach der Ratifizierung durch alle Signatarmächte trat der Vertrag am 27. Juli 1955 offiziell in Kraft. Damit begann eine vertraglich festgelegte Frist von 90 Tagen, innerhalb derer sämtliche alliierte Besatzungstruppen das Land räumen mussten.
Der 25. Oktober 1955: Der letzte Besatzungssoldat verlässt das Land
Die festgelegte 90-Tage-Frist endete exakt am 25. Oktober 1955. An diesem Tag verließ der nominell letzte fremde Besatzungssoldat das Bundesgebiet. Damit war Österreich nach 17 Jahren – gerechnet ab dem „Anschluss“ 1938 – erstmals wieder vollkommen frei von ausländischen Truppen auf eigenem Hoheitsgebiet. Um den Bündnisfreiheits-Zusagen gegenüber der Sowjetunion nachzukommen, war nun der Weg frei für den eigentlichen Verfassungsakt am darauffolgenden Tag.
Der 26. Oktober 1955: Geburtstag der immerwährenden Neutralität
Am 26. Oktober 1955 – dem ersten Tag der vollständigen Souveränität – trat der österreichische Nationalrat zusammen und beschloss das historische Bundesverfassungsgesetz über die immerwährende Neutralität. Darin verpflichtete sich die Republik aus freiem Willen, in aller Zukunft keinen militärischen Bündnissen beizutreten (wie etwa der NATO) und die Errichtung militärischer Stützpunkte fremder Staaten auf österreichischem Boden nicht zuzulassen. Dieser Beschluss legte das außenpolitische Fundament der Zweiten Republik und gilt als eigentliche Geburtsstunde des modernen österreichischen Staatsbewusstseins.
Vom „Tag der Fahne“ zum gesetzlichen Nationalfeiertag
Direkt im Anschluss an den Neutralitätsbeschluss wurde der 26. Oktober ab 1956 zunächst als „Tag der österreichischen Fahne“ begangen. Die Schulen wurden angewiesen, den Jugendlichen die Bedeutung von Freiheit und Neutralität vermitteln. Erst neun Jahre später, im Jahr 1965, verabschiedete der Nationalrat einstimmig das Gesetz zur Erhebung des Tages zum offiziellen Nationalfeiertag. Seit 1967 gilt der 26. Oktober zudem als arbeitsfreier gesetzlicher Feiertag mit verordneter Feiertagsruhe.
Bedeutung heute: Leistungsschau, Tag der offenen Tür und Tradition
Heute ist der 26. Oktober fest im Kalender der Bevölkerung verankert und steht ganz im Zeichen von Demokratie, Sicherheit und Gemeinschaft:
- Tage der offenen Tür: Wichtige staatliche Institutionen wie die Hofburg (Präsidentschaftskanzlei), das Parlament, das Bundeskanzleramt sowie Bundesministerien und Museen öffnen ihre Pforten für Besucher.
- Leistungsschau des Bundesheeres: Auf dem Wiener Heldenplatz präsentiert das Österreichische Bundesheer traditionell seine Truppen, Fahrzeuge und Luftfahrzeuge. Zudem legen Rekruten im feierlichen Rahmen ihr Gelöbnis ab.
- Fit-Märsche und Wandertage: Überall im Land laden Gemeinden und die Nationalparks zu den traditionellen Fit-Märschen und Wandertagen ein, um das Bewusstsein für Heimat und Natur zu stärken.