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Flugzeug der ITA Airways am Gate beim Tanken – Kerosin-Engpass an italienischen Flughäfen
Kerosin knapp: Ein ITA-Airways-Flugzeug wird in Italien betankt – doch an mehreren Flughäfen reicht der Treibstoff aktuell nicht mehr aus
Kerosin knapp: Ein ITA-Airways-Flugzeug wird in Italien betankt – doch an mehreren Flughäfen reicht der Treibstoff aktuell nicht mehr aus
travelview / iStock

Sprit-Alarm an Flughäfen: Kerosin wird knapp – das droht Reisenden jetzt

07.04.2026 um 13:37, Stefanie Hermann
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Kerosin wird knapp, Flughäfen in Italien melden Engpässe. Airlines warnen vor Verspätungen, Ausfällen und steigenden Preisen. Was Reisende jetzt wissen müssen.

An mehreren Flughäfen in Italien wird das Kerosin knapp. Besonders betroffen sind zentrale Drehkreuze wie Mailand-Linate, Venedig, Treviso und Bologna. Der Treibstoffanbieter Air BP hat die Versorgung an mehreren dieser Standorte bereits eingeschränkt. Auch im Süden spitzt sich die Lage zu: Am Flughafen Brindisi ist kein reguläres Auftanken mehr möglich. Airlines müssen die benötigte Treibstoffmenge bereits am vorherigen Abflugort einplanen.

Die Situation sorgt für wachsende Unsicherheit – nicht nur bei Fluggesellschaften, sondern auch mit Blick auf die kommende Sommersaison. Für Passagiere kann das konkrete Folgen haben: Verspätungen, zusätzliche Tankstopps oder kurzfristige Flugänderungen werden wahrscheinlicher.

Kein Kerosin in Brindisi: Nur noch Notversorgung möglich

In Brindisi stehen laut einer Mitteilung des aeronautischen Informationssystems NOTAM nur noch „begrenzte Mengen“ an Kerosin zur Verfügung. Diese sind ausschließlich für Staats-, Rettungs- und Ambulanzflüge reserviert. Für reguläre Passagierflüge bedeutet das massive Einschränkungen.

Auch an den Flughäfen Reggio Calabria und Pescara gilt die Versorgung als stark eingeschränkt. Teilweise stehen pro Flug nur noch rund 2000 Liter Kerosin zur Verfügung. Das reicht oft nicht einmal für eine Stunde Flugzeit.

Airlines schlagen Alarm: Drohen Ausfälle und höhere Preise?

Die Lage bereitet den Airlines zunehmend Sorgen. Ryanair-Chef Michael O’Leary warnt bereits vor möglichen Flugstreichungen und steigenden Ticketpreisen. Auch die Lufthansa-Gruppe prüft laut Berichten, Teile ihrer Flotte vorübergehend stillzulegen.

Schon jetzt reagieren Fluggesellschaften mit Anpassungen: Flugrouten werden geändert, zusätzliche Tankstopps eingeplant oder Maschinen mit mehr Treibstoff beladen. Kommt es zu Ausfällen wegen Treibstoffmangels, besteht für Reisende zudem häufig kein Anspruch auf Entschädigung, da solche Situationen als außergewöhnliche Umstände gelten.

Ursache unklar: Nahost-Konflikt oder Osterverkehr

Als möglicher Auslöser für die Kerosin-Knappheit wird die angespannte Lage rund um die Straße von Hormuz genannt. Die Spannungen an dieser wichtigen Transportroute für Rohöl könnten erste Auswirkungen auf die globale Versorgung mit Flugkraftstoff zeigen.

Die italienische Luftfahrtbehörde ENAC widerspricht jedoch teilweise: Die aktuellen Engpässe seien vor allem auf das traditionell hohe Verkehrsaufkommen rund um die Osterzeit zurückzuführen.

Europa abhängig von Kerosin-Importen: Lage könnte sich zuspitzen

Europa ist besonders abhängig: Rund 30 Prozent des Flugkraftstoffs werden importiert. Kommt es zu weiteren Störungen in internationalen Kerosin-Lieferketten, könnte sich die Situation rasch verschärfen. Engpässe wurden zuletzt auch an mehreren Flughäfen in Asien gemeldet. Dorthin wird ein Großteil des Rohöls transportiert, das über die Straße von Hormuz verschifft wird.

Sollte die Krise im Persischen Golf anhalten, drohen auch in Europa weitreichendere Folgen – von Verspätungen bis hin zu Flugausfällen in der Hauptreisezeit.

Was Reisende jetzt beachten sollten

Für Reisende empfiehlt es sich, den Flugstatus regelmäßig zu überprüfen und mehr Zeit am Flughafen einzuplanen. Auch kurzfristige Änderungen bei Abflugzeiten oder Zwischenlandungen sind aktuell möglich.

Wer flexibel buchen kann, sollte auf Direktflüge achten oder Verbindungen mit ausreichend Zeitpuffer wählen. Zudem kann es sinnvoll sein, nur mit Handgepäck zu reisen, um bei kurzfristigen Umplanungen schneller reagieren zu können.

Wichtig: Bei Verspätungen oder Ausfällen wegen Treibstoffmangels greifen die üblichen EU-Entschädigungsregeln oft nicht, da es sich um außergewöhnliche Umstände handelt.

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