Direkt zum Inhalt
Karl-Heinz Grasser im Anzug vor Gericht am OGH Wien im Zusammenhang mit seinem Konkursverfahren und Millionen-Schulden
Ex-Finanzminister Karl-Heinz Grasser hat Konkursverfahren am Hals: Es geht um über 20 Millionen Euro.
Ex-Finanzminister Karl-Heinz Grasser hat Konkursverfahren am Hals: Es geht um über 20 Millionen Euro.
APA-Images / ALEX HALADA

Karl-Heinz Grasser Millionen-Schulden: Privatkonkurs spitzt sich zu

13.04.2026 um 12:20, Stefanie Hermann
min read
35,6 Mio Euro Forderungen im Grasser Konkurs. 23 Mio anerkannt – jetzt entscheidet die Republik, ob der Zahlungsplan scheitert oder nicht.

Der Grasser-Konkurs spitzt sich weiter zu: Bereits im April 2025 hat Ex-Finanzminister Karl-Heinz Grasser Privatkonkurs angemeldet. Am 14. April 2026 kommt es im Insolvenzverfahren zur entscheidenden Prüfungstagsatzung am Bezirksgericht Kitzbühel. Bei der Tagsatzung wird festgelegt, welche Forderungen im Verfahren anerkannt werden – sie gilt damit als zentrale Weichenstellung für den weiteren Verlauf des Grasser-Konkurses.

Insgesamt haben acht Gläubiger Forderungen von mehr als 35,6 Millionen Euro angemeldet. Davon erkennt der Insolvenzverwalter rund 23,1 Millionen Euro als berechtigt an.

Republik Österreich größter Gläubiger im Grasser Konkurs

Die mit Abstand wichtigste Gläubigerin ist die Republik Österreich. Allein aus dem BUWOG-Komplex werden Schadenersatzforderungen von über 12,9 Millionen Euro geltend gemacht. Hinzu kommen Abgabenforderungen der Finanz in Höhe von 10,1 Millionen Euro. Beide Positionen werden vom Insolvenzverwalter als berechtigt eingestuft.

Forderungen teilweise bestritten: Hohes Risiko für Gläubiger

Nicht alle Ansprüche dürften bestehen bleiben. Laut Informationen des KSV1870 wurde eine Forderung in Millionenhöhe doppelt angemeldet und soll bestritten werden. Betroffene Gläubiger können ihre Ansprüche zwar gerichtlich durchsetzen, tragen dabei jedoch ein erhebliches Kostenrisiko.

Selbst bei Sieg vor Gericht erhalten Gläubiger nicht den vollen Betrag, sondern lediglich die Insolvenzquote, was Klagen wirtschaftlich eher unattraktiv macht.

Geschätztes Vermögen von Karl-Heinz Grasser im Konkursverfahren

Auf der Vermögensseite fällt die Bilanz bislang bescheiden aus. Rund 200.000 Euro konnten für die Insolvenzmasse gesichert werden. Diese stammen unter anderem aus der Auflösung einer Lebensversicherung, dem Verkauf einer Uhr sowie einem freigegebenen Bankguthaben. Für die Gläubiger bedeutet das, dass sie voraussichtlich nur einen Bruchteil ihrer Forderungen zurückerhalten. Die Quote dürfte selbst im besten Fall nur im niedrigen einstelligen Prozentbereich liegen.

Hoffnung auf Liechtenstein-Konten: Mehrere hunderttausend Euro möglich

Ein möglicher Geldzufluss könnte aus Konten in Liechtenstein kommen. Diese könnten mehrere hunderttausend Euro umfassen, sind derzeit jedoch blockiert. Hintergrund ist ein laufendes Strafverfahren wegen Geldwäsche.

„Die weiteren diesbezüglichen Entwicklungen sind für die Gläubiger sehr wichtig, weil der potenzielle Massezufluss erheblich ist. Wir sprechen von mehreren hunderttausend Euro“, erklärt KSV-Experte Klaus Schaller.

„Angesichts der Höhe der festgestellten Insolvenzverbindlichkeiten ist klar, dass aus der Verwertung des Vermögens des Insolvenzschuldners die Gläubiger nur eine symbolische Befriedigung im unteren einstelligen Prozentbereich erhalten werden“, so Schaller.

Zahlungsplan als letzter Ausweg: Republik entscheidet über Grassers Zukunft

Karl-Heinz Grasser bietet seinen Gläubigern zusätzlich zur Insolvenzquote einen Zahlungsplan an. Dieser sieht eine zusätzliche Zahlung von drei Prozent vor, finanziert durch Dritte. Insgesamt geht es um knapp 700.000 Euro, die rasch ausgeschüttet werden könnten. Mit diesem Zahlungsplan versucht Grasser, eine vollständige Entschuldung zu erreichen und das Verfahren vorzeitig abzuschließen.

Ob dieser Plan angenommen wird, hängt maßgeblich von der Republik Österreich ab. „Mag. Karl-Heinz Grasser benötigt für die Annahme des Zahlungsplans zwingend die Zustimmung der Hauptgläubigerin Republik Österreich“, betont Schaller.

Droht ein Schuldenrest von 12,9 Millionen Euro?

Lehnt die Republik den Zahlungsplan ab, droht ein Abschöpfungsverfahren. In diesem Fall könnte Grasser zwar rund 10,2 Millionen Euro tilgen, ein wesentlicher Teil der Schulden bleibt jedoch bestehen. Die Forderung aus dem BUWOG-Komplex in Höhe von 12,9 Millionen Euro wäre nicht von einer Restschuldbefreiung erfasst und könnte bis zu 30 Jahre lang eingefordert werden.

more