Inflation-Schock: Deutschland unter Druck – Österreich noch teurer
- Energiepreise als Preistreiber
- Kerninflation sinkt, Entwarnung bleibt aus
- Alltag wird teurer
- Sorge vor breiter Inflation wächst
- EZB beobachtet Entwicklung
- Österreich im Vergleich: Inflation bleibt höher
Die Inflation verschärft sich im Nachbarland Deutschland im April weiter. Laut vorläufigen Daten liegt die Teuerungsrate bei 2,9 Prozent im Jahresvergleich. Damit steigt die Inflation in Deutschland erneut und nähert sich der Drei-Prozent-Marke. Hauptverantwortlich sind deutlich höhere Energiepreise, die Haushalte und Unternehmen zunehmend unter Druck setzen. In Österreich liegt die Inflation sogar noch über dem deutschen Wert – wenn auch aus anderen Gründen.
Energiepreise als Preistreiber
Vor allem die Energiepreise sorgen für den aktuellen Inflationsschub. Sie sind im April um 10,1 Prozent im Vergleich zum Vorjahr gestiegen. Hintergrund ist die angespannte Lage im Nahen Osten und der Krieg im Iran, der die globalen Öl- und Gaspreise massiv beeinflusst. Die Blockade wichtiger Handelsrouten wie der Straße von Hormus verschärft die Situation zusätzlich.
Ökonomen sehen darin den klaren Hauptgrund für die Entwicklung. „Im April ist die Inflation nur wegen höherer Energiepreise gestiegen“, erklärt Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer.
Kerninflation sinkt, Entwarnung bleibt aus
Während die Gesamtinflation steigt, zeigt sich die Kerninflation leicht rückläufig. Sie liegt im April bei 2,3 Prozent, nach 2,5 Prozent im März. Diese Kennzahl blendet Energie und Lebensmittel aus und gilt als wichtiger Indikator für den längerfristigen Preistrend.
Trotz des Rückgangs warnen Experten vor einer Verzögerung: Höhere Energiekosten könnten bald auf andere Bereiche durchschlagen. Unternehmen reagieren bereits auf steigende Produktions- und Transportkosten und planen Preiserhöhungen.
Alltag wird auch in Deutschland teurer
Die steigende Inflation in Deutschland macht sich im Alltag deutlich bemerkbar. Lebensmittel verteuern sich weiter, Dienstleistungen wie Restaurantbesuche oder Reisen bleiben auf hohem Niveau. Viele Menschen spüren die Belastung bereits massiv.
Laut Umfragen geben rund 58 Prozent der Bevölkerung an, sich im Alltag einschränken zu müssen. Rücklagen werden aufgebraucht, während laufende Kosten steigen.
Sorge vor breiter Inflation wächst
Experten warnen, dass sich die Teuerung ausweiten könnte. Wenn hohe Energiepreise länger anhalten, steigen auch die Preise in anderen Bereichen. „Dann wird es ungemütlich, auch für die Menschen, die kein Auto fahren“, sagt ZEW-Ökonom Friedrich Heinemann. Die Dauer des Nahost-Konflikts gilt als entscheidender Faktor. Je länger die Krise anhält, desto größer ist das Risiko einer dauerhaft erhöhten Inflation.
EZB beobachtet Entwicklung
Die Europäische Zentralbank blickt besonders auf die Entwicklung in Deutschland. Für die Eurozone wird ebenfalls ein Anstieg der Inflation auf 2,9 Prozent erwartet. Trotz der aktuellen Lage wird kurzfristig keine Zinserhöhung erwartet.
Allerdings könnte sich das rasch ändern. Sollten die Preise weiter steigen, dürfte eine Anpassung der Geldpolitik bereits im Juni wieder Thema werden.
Österreich im Vergleich: Inflation bleibt höher
Auch in Österreich bleibt die Inflation auf einem spürbaren Niveau. Im März 2026 liegt die Teuerungsrate laut Statistik Austria bei rund 3,1 bis 3,2 Prozent und damit leicht über dem deutschen Wert. Während sich die Inflation im Vergleich zu den extrem hohen Werten der Jahre 2022 und 2023 deutlich abgeschwächt hat, bleibt sie im Alltag präsent.
Haupttreiber sind vor allem Dienstleistungen wie Gastronomie und Wohnen, während Energiepreise zuletzt teilweise rückläufig waren. Auffällig ist, dass die Inflation in Österreich strukturell häufig über dem Eurozonen-Durchschnitt liegt. Für das Gesamtjahr 2026 wird zwar mit einer weiteren Abschwächung gerechnet.