App erkennt eine Corona-Infektion

Ein Forscherteam aus den Niederlanden entwickelte eine Künstliche Intelligenz (KI), die per App und anhand der Stimme eine Covid-19-Infektion erkennen soll.
Autor: Simone Reitmeier, 06.09.2022 um 15:50 Uhr

Sind PCR- und Antigentests bald überflüssig? Ja, wenn es nach einem Forscherteam aus den Niederlanden geht. Die Wissenschaftler der Maastricht-University entwickelten eine Künstliche Intelligenz (KI), die anhand der Stimme erkennen soll, ob jemand Corona hat oder nicht. Verbunden mit einer App könnte so ein Coronatest via Stimmen-Screening per Handy möglich sein. Laut den Wissenschaftlern sei diese Methode genauer als herkömmliche Tests, kostengünstiger sowie rasch und leicht einsetzbar. Die Forschungsergebnisse wurden auf dem European Respiratory Society International Congress 2022 in Barcelona vorgestellt.

KI-Trefferquote bei fast 90 Prozent

„Diese Tests erlauben eine virtuelle Ferntestung und haben eine Wartezeit von weniger als einer Minute. Sie könnten zum Beispiel am Eingang von großen Versammlungen eingesetzt werden“, zeigt sich Forscherin Wafaa Aljbawi begeistert. Eine Covid-19-Infektion wirkt sich in der Regel auf die Stimmbänder und oberen Atemwege aus. Für die Analyse wurde ein Verfahren verwendet, das verschiedene Eigenschaften der Stimme, wie Lautstärke, Kraft und Schwankungen identifiziert. Das KI-Modell „Long-Short-Term-Memory“ (LSTM) wertete die Informationen aus und lag in Tests bei 89 Prozent der positiven Fälle richtig und erkannte eine Corona-Infektion. Bei Nicht-Infizierten lag die Trefferquote bei 83 Prozent.

Künstliche Intelligent analysiert Stimme. | Credit: iStock.com/ArtemisDiana

So funktioniert die Corona-App

Um die KI zu testen hat das Forscherteam auf die App „Covid-19-Sounds“ der Universität Cambridge zurückgegriffen, in der seit 2020 Stimmproben von Infizierten und Nicht-Infizierten gesammelt werden. Nutzer installieren die App auf dem Handy, geben Basisinformationen zu ihrer Demografie, medizinischen Vorgeschichte und dem Raucherstatus an. Danach müssen Atemgeräusche aufgenommen werden: dreimaliges Husten, drei bis fünf Mal tief durch den Mund atmen und einen kurzen Satz drei Mal laut lesen.