Mega-El-Niño im Anmarsch: Was jetzt auf Österreich zukommt
Im tropischen Pazifik entwickelt sich derzeit ein außergewöhnlich starker El Niño. Die US-Wetterbehörde NOAA hält sogar ein Ereignis für möglich, das bei seiner Stärke zu den extremsten seit Beginn der entsprechenden Messreihe zählen könnte. Weltweit kann das erhebliche Auswirkungen auf Temperaturen, Niederschläge, Dürren und Überschwemmungen haben. Für Österreich gibt es allerdings eine wichtige Einschränkung: Aus einem starken El Niño lässt sich nicht automatisch ableiten, wie kalt, mild oder schneereich der kommende Winter wird.
El Niño könnte historische Stärke erreichen
Die Entwicklung im Pazifik hat sich zuletzt deutlich verstärkt. NOAA meldete Anfang Oktober Meerestemperaturabweichungen von mehr als vier Grad Celsius in Teilen des östlichen äquatorialen Pazifiks.
Für den Zeitraum Oktober bis Dezember bezifferte die Behörde die Wahrscheinlichkeit eines Ereignisses, das die Stärke früherer besonders intensiver El-Niños seit 1950 übertreffen könnte, auf 83 Prozent. Auch für November bis Jänner bleibt die Wahrscheinlichkeit mit 70 Prozent hoch.
Die Weltwetterorganisation WMO geht ebenfalls davon aus, dass El Niño zumindest bis Februar 2027 bestehen bleibt. Ein sehr starkes Ereignis kann weltweit typische Wetter- und Niederschlagsmuster verschieben.
Was bedeutet das für Österreich?
Wer nun automatisch einen extremen Winter in Österreich erwartet, dürfte allerdings zu weit gehen. GeoSphere-Austria-Klimaforscher Marc Olefs bezeichnet in einer Aussendung, El Niño für Österreich und den Alpenraum ausdrücklich nicht als Hauptregler des Wetters.
Die Auswirkungen des Phänomens kommen in Europa wesentlich schwächer und indirekter an als beispielsweise in Teilen Amerikas, Asiens oder Australiens. Für Österreich sind andere Faktoren deutlich entscheidender.
Dazu gehören vor allem die großräumige Luftströmung über dem Atlantik und Europa, regionale Wetterlagen sowie langfristige klimatische Entwicklungen.
Warum sich der Winter nicht daraus vorhersagen lässt
Ein besonders starker El Niño bedeutet deshalb weder automatisch einen extrem milden Winter noch einen außergewöhnlich kalten oder schneereichen Winter in Österreich.
Selbst bei sehr starken Ereignissen können sich die Auswirkungen von Jahr zu Jahr unterscheiden. Zusätzlich beeinflussen andere Ozeangebiete und atmosphärische Strömungen die Wetterentwicklung.
Auch die WMO warnt davor, aus der Stärke des El Niño direkte Folgen für einzelne Länder abzuleiten. Ein intensiveres Ereignis erhöht zwar grundsätzlich die Wahrscheinlichkeit typischer Auswirkungen, garantiert diese aber nicht.
Wer wissen möchte, wie der Winter in Österreich tatsächlich verläuft, muss deshalb vor allem die Entwicklung der europäischen Wetterlagen und saisonalen Prognosen beobachten.
Wo El Niño deutlich stärker wirkt
Global betrachtet ist die Entwicklung dennoch außergewöhnlich. El Niño gehört zu den stärksten natürlichen Schwankungen des Klimasystems und kann die atmosphärische Zirkulation über große Entfernungen verändern.
Je nach Region steigt dadurch beispielsweise das Risiko für Starkregen und Überschwemmungen, während andernorts Trockenheit und Hitze wahrscheinlicher werden können.
Die menschengemachte Klimaerwärmung läuft davon unabhängig weiter. El Niño kommt als natürliche Schwankung zusätzlich hinzu und kann das globale Temperaturniveau zeitweise weiter beeinflussen.