Rückruf: Giftstoff in Babymilch entdeckt
Cereulid in Babynahrung beschäftigt derzeit Gesundheitsbehörden rund um den Globus. Nach weltweiten Rückrufen von Säuglingsmilchprodukten steht erneut die chinesische Metropole Wuhan im Zentrum der Aufmerksamkeit. Das gefährliche Bakteriengift Cereulid könnte in Babynahrung enthalten sein, die auch in Österreich im Handel war.
Wuhan erneut im Blick der Behörden
Die Millionenstadt Wuhan ist seit der Corona-Pandemie international bekannt. Nun sorgt sie erneut für Schlagzeilen, diesmal im Zusammenhang mit Babynahrung. Behörden in mehreren Ländern untersuchen mögliche Vergiftungen durch kontaminiertes Milchpulver, bei dem Cereulid in Babynahrung nicht ausgeschlossen werden kann.
Großangelegte Rückrufe in dutzenden Ländern
Bereits zu Jahresbeginn startete der Schweizer Lebensmittelkonzern Nestlé eine groß angelegte Rückrufaktion in mehr als 60 Ländern. Kurz darauf folgte auch Danone. In bestimmten Chargen von Säuglingsmilch könnte das hochgefährliche Toxin Cereulid enthalten sein, ein von Bakterien produziertes Gift, das bereits in kleinsten Mengen gesundheitsschädlich wirken kann.
Im Mittelpunkt steht dabei ein wichtiger Inhaltsstoff vieler Babyprodukte: sogenanntes ARA-Öl. Diese Omega-6-Fettsäure ist essenziell für die Entwicklung von Gehirn und Immunsystem von Säuglingen. Genau dieses Öl könnte jedoch verunreinigt gewesen sein.
Spur führt zu Hersteller in Wuhan
Nach Angaben mehrerer Behörden stammt das möglicherweise belastete ARA-Öl von der Firma Cabio Biotech mit Sitz in Wuhan. Dies bestätigte auch eine Sprecherin des Schweizer Bundesamts für Lebensmittelsicherheit. Ob sämtliche betroffenen Produkte tatsächlich auf diesen Lieferanten zurückzuführen sind, wird derzeit intensiv geprüft.
Auch in Österreich wurden entsprechende Produkte vorsorglich aus dem Handel genommen. Eltern wurden aufgefordert, Rückrufhinweise genau zu beachten.
Ermittlungen nach Todesfällen
Zusätzlich zu den Rückrufen laufen behördliche Ermittlungen. In Frankreich wird untersucht, ob Babynahrung mit Cereulid möglicherweise mitverantwortlich für zwei Todesfälle Ende Dezember und Anfang Jänner war. In Belgien soll zudem ein Säugling nach dem Konsum entsprechender Produkte schwer erkrankt sein.
Ein direkter Zusammenhang ist bislang nicht bestätigt. Die Untersuchungen dauern an, die betroffenen Unternehmen betonen ihre Zusammenarbeit mit den Behörden.
Warum Cereulid schwer zu entdecken ist
Besonders brisant: Cereulid wird in Standard-Labortests nicht routinemäßig überprüft. Darauf weist der internationale Laborkonzern Eurofins hin. Das könnte erklären, warum Cereulid in Babynahrung trotz strenger Kontrollen unentdeckt geblieben ist.
Der Prüfkonzern SGS warnt zudem, dass Cereulid extrem hitzebeständig sei und gängige Produktionsprozesse überstehen könne. Besonders gefährdet seien Säuglings- und Babynahrung, aber auch Milchpulver, Reisprodukte, Fertiggerichte und fettreiche Spezialöle.
Nestlé reagiert mit verschärften Kontrollen
Nestlé hat die Belieferung durch den betroffenen ARA-Öl-Hersteller gestoppt und angekündigt, künftig alle Chargen systematisch zu testen. Auch bei anderen Zulieferern sollen zusätzliche Kontrollen eingeführt werden.
Ziel sei es, mögliche Risiken frühzeitig zu erkennen und die Sicherheit von Babynahrung weiter zu erhöhen.
Große Verunsicherung bleibt
Auch wenn in Österreich bislang keine bestätigten Krankheitsfälle bekannt sind, bleibt die Unsicherheit groß. Der Fall zeigt, wie sensibel globale Lieferketten sind, insbesondere bei Produkten für Säuglinge.
Eltern wird geraten, Rückruflisten genau zu prüfen und bei Unsicherheiten ärztlichen Rat einzuholen.