Aprilscherze: Ursprung, Medienstreiche und Regeln im Büro
Aprilscherze: Am 1. April gehört es in weiten Teilen der Welt seit Jahrhunderten dazu, andere „in den April zu schicken“. Schon seit dem 16. Jahrhundert spielen sich Menschen an diesem Tag Streiche oder verbreiten absichtlich Scherzmeldungen. Was genau hinter dieser Tradition steckt, ist bis heute ungeklärt, auch wenn es dafür einige Theorien gibt.
Mythen über den Ursprung des Aprilscherzes
Eine der bekanntesten Erklärungen führt in das 16. Jahrhundert und hängt mit einem großen Kalenderwechsel zusammen. Damals stellte Europa vom Julianischen auf den Gregorianischen Kalender um. Vor dieser Reform lag der Jahreswechsel vielerorts Anfang April. Nach der Umstellung galt der 1. Jänner als Neujahr, doch etliche Menschen feierten aus Gewohnheit weiter im Frühjahr.
Wer weiterhin im April Neujahr beging, soll verspottet und im französisch- wie im englischsprachigen Raum als „April fools“ bezeichnet worden sein, sinngemäß also als „April, April!“-Narren. Ob diese Spöttelei tatsächlich den Grundstein für den Aprilscherz legt, ist aber nicht gesichert.
Eine andere Ursprungsgeschichte verortet den Beginn im alten Rom zur Zeit von Kaiser Konstantin. Ein Hofnarr habe damals behauptet, Narren könnten besser regieren als der Kaiser selbst. Konstantin soll den Spaß mitgespielt und den Narren genau am 1. April für einen Tag zum Kaiser gemacht haben. Der Hofnarr wiederum habe diesen Tag zum Fest des Närrischen und Absurden erklärt. Auch diese Erzählung gilt eher als Legende denn als historisch belegter Fakt.
Daneben kursiert eine biblische Theorie. Nach ihr gehen Aprilscherze auf eine Geschichte zurück, in der Jesus vor seiner Verurteilung am 1. April „von Pontius zu Pilatus“ geschickt wurde. Wieder andere verweisen auf das launische Aprilwetter: So unberechenbar wie Sonne, Regen und Schnee sich in diesem Monat abwechseln, so unberechenbar seien auch die Streiche. Diese Wetter-Theorie passt jedoch nur für Europa, in vielen anderen Regionen der Welt ist das Wetter im April stabil. Die wahre Herkunft der Aprilscherze ist bis heute unbekannt.
Wenn Scherze Massen täuschen
Wie kraftvoll gut gemachte Aprilscherze sein können, zeigen einige mediale Klassiker. In den fünfziger Jahren etwa machten internationale Meldungen die Runde, der schiefe Turm von Pisa sei umgefallen. Viele Menschen glaubten die Nachricht, weil sie seriös verpackt war und das ikonische Bauwerk ohnehin als gefährdet galt.
Legendär ist auch der BBC-Scherz von 1957. Der Sender zeigte eine vermeintliche Dokumentation über eine Spaghetti-Ernte im Tessin. Die Reportage erklärte, wegen des milden Winters und des Verschwindens des „Spaghetti-Käfers“ sei die Ernte besonders gut. Zu sehen waren Spaghetti, die von Bäumen hingen und nach der Ernte an der Sonne trockneten. Weil Nudeln in England damals noch nicht allzu verbreitet waren, hielten viele Zuschauende die Bilder für echt und erkundigten sich ernsthaft, wie sie selbst Spaghetti-Bäume anpflanzen könnten.
Auch Unternehmen mischen gerne mit. 1998 kündigte eine Fast-Food-Kette per Anzeige einen speziellen „Whopper“ für Linkshänder an. Sämtliche Zutaten sollten um 180 Grad gedreht sein, um Linkshändern ein neues Essvergnügen zu bieten. Tausende Menschen bestellten den angeblich neuen Burger, andere Kunden verlangten ausdrücklich nach der „normalen“ Version für Rechtshänder.
Mit neuen Technologien kamen digitale Scherze dazu. 2008 erschien ein aufwendig produzierter Film über eine angeblich fliegende Pinguinkolonie in der Antarktis. Der britische Komiker Terry Jones erklärte darin, diese Tiere könnten, anders als alle anderen Pinguine, tatsächlich fliegen und würden von der Antarktis bis in den südamerikanischen Regenwald ziehen. Viele User teilten die spektakulären Bilder, bevor sie den Aprilscherz bemerkten.
Immer wieder zeigen Aprilscherze aber auch, wie schnell Menschen in Panik geraten können. 1980 meldete ein Sender in Boston, der nahegelegene Great Blue Hill sei vulkanisch ausgebrochen, Lava und Asche bedrohten Wohngebiete. Unterlegt mit echten Bildern eines Vulkanausbruchs wirkte der Beitrag täuschend echt. Zahlreiche Menschen versuchten, sich in Sicherheit zu bringen und alarmierten Polizei und Notdienste.
1989 berichtete ein lokaler TV-Sender in Seattle in einer Comedy-Show, der 184 Meter hohe Aussichtsturm „Space Needle“ sei eingestürzt. Manipuliertes Filmmaterial und eine als Eilmeldung inszenierte Nachricht ließen viele Zuschauende an eine reale Katastrophe glauben, trotz eines eingeblendeten Hinweises auf den Scherz. Der Notruf 911 wurde mit Anrufen überschwemmt.
Auch im Radio gingen Aprilscherze mehr als einmal nach hinten los. Zwei Moderatoren in Florida warnten 2013 vor „Dihydrogenmonoxid“ in den Wasserhähnen der Region, einer chemischen Bezeichnung für schlichtes Wasser. Der vermeintliche Skandal führte zu öffentlicher Verwirrung, vielen besorgten Anrufen beim örtlichen Wasserwerk und zum Einschreiten des Umweltministeriums. Das Moderationsteam wurde vorübergehend suspendiert.
Fake News und echte Krisenmeldungen begleiten den Alltag heute ohnehin. In einer Welt, in der täglich falsche und wahre Schlagzeilen aufeinanderprallen, wirkt der klassische mediale Aprilscherz fast ein wenig aus der Zeit gefallen.
Aprilscherze im Büro: Was noch lustig ist – und was nicht
Der Umgang mit Humor hat sich verändert. Grobe Späße auf Kosten einzelner gelten nicht mehr als en vogue. Wer Kolleginnen und Kollegen im Büro in den April schicken will, sollte daher gut überlegen, welche Art von Scherz auf wessen Kosten stattfindet – und manchmal ist es klüger, ganz darauf zu verzichten.
Gerade im Job gilt: Nicht alle reagieren gleich. Technische Experten lassen sich oft eher mit nerdigen Details abholen, Mitarbeiter im Vertrieb springen eher auf kommunikative Spielereien an. Witze über Gehälter, Beförderungen, Kündigungen oder andere existenzielle Themen sind im beruflichen Kontext tabu. Ebenso haben Beleidigungen und Sachbeschädigungen als angeblicher Scherz keinen Platz.
Ein guter Aprilscherz im Büro sollte am Ende ein Lächeln auslösen, nicht Panik, große Verunsicherung oder zusätzlichen Stress. Panik-Mails, fingierte Krisenmeldungen oder Falschinformationen über Sicherheitslagen eignen sich daher nicht. Auch vermeintlich lustige Fake-Regelungen, die Kolleginnen und Kollegen ernsthaft verunsichern, können nach hinten losgehen.
Harmlos sind kleine Eingriffe in Computer- oder Büro-Routinen, die sich leicht rückgängig machen lassen. Beim Scherz „Weiß auf weiß“ steht etwa die Schriftfarbe eines Kollegen auf Weiß. Die Texte scheinen verschwunden, sind aber noch da. Bei „Verkehrte Welt“ ändern sich die Einstellungen der Maus, etwa Zeiger- und Doppelklick-Geschwindigkeit oder die Belegung für Rechts- und Linkshänder.
Auch Telefonstreiche lassen sich vergleichsweise sanft gestalten. Bei „Rückrufaktion I“ bekommt eine Person eine Telefonnotiz mit ihrer eigenen Nummer und der Bitte um dringenden Rückruf. Eine Steigerung ist „Rückrufaktion II“. Hier führt die Notiz zu einer Nummer eines Tierparks oder Zoos, der verdutzte Rückrufer landet bei der Auskunft eines völlig Unbeteiligten.
Im digitalen Büro bieten sich weitere Spielereien an. Beim Scherz „Rechtschreibhilfe“ hinterlegt jemand in der Autokorrektur neue, automatisch ersetzte Begriffe, die beim Tippen für kleine Überraschungen sorgen und sich leicht wieder löschen lassen. Unter dem Titel „Die Klammer des Schreckens“ landen mehr als 50 Kopien einer Büroklammer im Papierfach. Wer anschließend kopiert, sucht vergeblich nach der vermeintlich im Gerät steckenden Klammer.
Etwas heikler sind Aushänge, die angeblich offizielle Regelungen verkünden. Unter „Offizieller Aushang I“ verstehen sich etwa Zettel mit vermeintlichen Kleidervorschriften oder neuen Vorteilen für Mitarbeiter, die so formuliert sind, dass der Scherz rasch erkennbar wird. „Offizieller Aushang II“ treibt es auf die Spitze: Hier sollen Etagenkopierer und -drucker auf Sprachsteuerung umgestellt worden sein – inklusive falscher, aber offensichtlicher Anleitungen.