Millionen weg: Lebensmittelkonzern in der Zuckerkrise
Inhalt
- Millionen-Abschreibungen belasten Bilanz
- Branche insgesamt unter Druck
- Strukturelle Probleme im Zuckermarkt
- Strategiewechsel bei Agrana
Der österreichische Lebensmittelkonzern Agrana steht vor einer schwierigen Phase: In seiner Kernsparte Zucker muss das Unternehmen Abschreibungen von bis zu 55 Millionen Euro vornehmen. Gleichzeitig wird die bisherige Gewinnprognose für das Geschäftsjahr 2025/26 gestrichen.
Grund dafür ist ein „anhaltend schwieriges Marktumfeld“, wie es aus dem Konzern heißt. Das Zuckergeschäft macht rund ein Drittel des Gesamtumsatzes aus, entsprechend stark wirken sich die Probleme aus.
Millionen-Abschreibungen belasten Bilanz
Für das laufende Geschäftsjahr erwartet Agrana einen nicht zahlungswirksamen Wertminderungsbedarf zwischen 45 und 55 Millionen Euro. Wie stark sich diese Abschreibungen konkret auf Ergebnis und Eigenkapital auswirken, wird erst mit der Bilanzvorlage am 12. Mai sichtbar.
Unklar bleibt auch, ob das Unternehmen trotz der Belastungen eine Dividende ausschütten kann. Fest steht jedoch: Die bisherigen Erwartungen sind hinfällig. Zuvor hatte Agrana einen operativen Gewinn von 45 bis 60 Millionen Euro in Aussicht gestellt.
Branche insgesamt unter Druck
Die Probleme beschränken sich nicht nur auf Agrana. Auch der deutsche Miteigentümer Südzucker kämpft mit massiven Belastungen. Dort werden Abschreibungen von bis zu 550 Millionen Euro erwartet, zudem soll die Dividende ausgesetzt werden.
An der Börse reagierten Anleger entsprechend nervös, die Aktie geriet zeitweise deutlich unter Druck. Die parallelen Entwicklungen zeigen: Die Krise betrifft die gesamte Branche.
Strukturelle Probleme im Zuckermarkt
Der europäische Zuckermarkt kämpft seit Jahren mit grundlegenden Herausforderungen. Der Konsum ist rückläufig, in den vergangenen fünf Jahren sank er um mehrere Prozent.
„Zucker ist kein Wachstumsmarkt mehr“, heißt es aus der Branche. Gesundheitstrends und alternative Süßungsmittel wie Stevia setzen dem klassischen Produkt zunehmend zu.
Hinzu kommt die Abschaffung der EU-Zuckerquote im Jahr 2017. Sie führte zu Überproduktion und sinkenden Preisen. Gleichzeitig steigen die Kosten: Energie, Dünger und klimatische Veränderungen belasten den Rübenanbau zusätzlich.
Strategiewechsel bei Agrana
Als Reaktion darauf richtet sich Agrana neu aus. Zucker soll künftig eine geringere Rolle im Konzern spielen. Stattdessen setzt das Unternehmen verstärkt auf wachstumsstärkere Bereiche wie Fruchtzubereitungen, Stärkeprodukte oder Aromen. Im Zuckergeschäft selbst will Agrana vor allem durch Effizienzsteigerungen und Spezialisierung bestehen. Marken wie „Wiener Zucker“ sollen sich stärker über Regionalität und Nachhaltigkeit positionieren.
Dazu gehören Investitionen in Bio-Produkte, klimaresistente Pflanzen und moderne Anbaumethoden. Auch Digital Farming soll helfen, die Produktion effizienter und umweltfreundlicher zu gestalten.