„Wir denken zu sehr in Forschungskategorien"

Die SCCH in Hagenberg hat kürzlich ihr erstes Spin-off präsentiert, weitere sollen folgen. Markus Manz, CEO des SCCH, über Mindset, Hürden und Chancen von Spin-offs.
Autor: Jürgen Philipp, 11.11.2022 um 00:00 Uhr

CHEFINFO: Warum gibt es in Österreich vergleichsweise wenige Spin-offs?
Markus Manz: Der Stellenwert von Spin-offs ist in Österreich noch völlig unterbewertet. Ich spreche von Spin-offs aus der Forschung und den Unis. Ich würde auf die angewandte Forschung setzen, weil sie marktnäher ist als die universitäre Forschung und sich daraus leichter ein Spin-off gründen lässt. Universitäten sind näher an der Grundlagenforschung, die sich schwerer produktirisieren lässt.

Was braucht es, um ein Spin-off zu gründen?
Manz: Auf Basis einer Technologie braucht es ein Businessmodell und den richtigen Mindset. Wenn man 80 Prozent Forschergene und 20 Prozent Wirtschaftsgene besitzt, ist ein Spin-off möglich. Mit 100 Prozent Forschergenen geht das nicht. Bei uns ist das Denken in Businessmodellen zu Beginn jedes Projekts bereits ein Muss. Jedes Projekt wird als Businessmodell gedacht. Die Angst der Institutionen, dass sie einen Forscher verlieren könnten, ist kein Argument und schnell widerlegt. Forscher sind leider meist keine Gründer. Man braucht also zum Geschäftsmodell auch einen Gründer. Wir haben im SCCH da eine Referenz mit ReqPOOL-CEO Florian Schnitzhofer und Sysparency. Und es steht ein neues Spin-off in den Startlöchern: Es beschäftigt sich mit dem Erkennen von Blastozyten in der Künstlichen Befruchtung. Wir haben schon bei der Einreichung bei tech2b geschrieben, dass wir ein Gründerteam suchen. Es kann sich Anteile erarbeiten und natürlich kann es auch scheitern. Das ist eben unternehmerisches Risiko.

An den Fachhochschulen und Universitäten in Österreich gehört Entrepreneurship mittlerweile zum Alltag. Warum trauen sich dann doch so wenige zu gründen?
Manz: Punkt eins: Es gibt Studien die klar sagen, die meisten Österreicher wollen einen sicheren Job haben. Gründertum liegt nicht in unserer DNA. Punkt zwei: Wir leben im Luxus. Gründen passiert oft azyklisch. Wenn ein Wirtschaftseinbruch kommt, wird öfter gegründet, als wenn die Wirtschaft boomt. Ich kann mir als Absolvent überlegen, ob ich die 3.000 Euro brutto als Angestellter nehme, oder ich fange mit nichts an und gehe auf Risiko. Die meisten entscheiden sich für die 3.000 brutto. In den USA ist dieses Mindset dazu anders. Es geht viel um Selbstverwirklichung. Es hilft also nichts, wenn man das Werkzeug hat, aber der Mindset fehlt. So kurios das klingt, aber unsere gute Wirtschaft bremst das Gründertum. Es entscheiden sich viele für die Sicherheit. Was helfen könnte, ist, Role Models zu produzieren, und das tun wir als SCCH.

Wenn Sie ein Investor wären, würden Sie eher in Startups oder in Spin-offs investieren?
Manz: Wenn ich Investor wäre, würde ich lieber in ein Spin-off investieren. Investoren haben bei Spin-offs weniger Risiko als bei Startups, weil die technische Expertise verlässlicher gegeben ist und ich über Verträge diese ans Spin-off binden kann.