Startups - die neuen Immobilien?

Sind Startups eine vernünftige Anlagemöglichkeit für jedermann? Und die Alternative zu Immobilien? Wie ticken erfahrene Investoren und was, außer Kapital, müssen potenzielle neue Geldgeber mitbringen?
Autor: Jürgen Philipp, 17.05.2022 um 10:10 Uhr

Der Satz „Startups sind die neuen Immobilien“ fällt in letzter Zeit immer öfter. Ein Satz, so viel sei vorweggenommen, der bei Experten Kopfschütteln auslöst. „Ein Investment in Startups ist genau das Gegenteil von Immobilienerwerb. Der Wertzuwachs von Immobilien ist sehr vorausschauend, bei einem Startup weiß man nie, wann und ob man überhaupt mit Erträgen rechnen kann“, schildert Peter Lasinger, Gründer von 3VC, einem der wenigen großen Series-A-Risikokapitalgeber Österreichs. Statt in Stein gemeißelte Immobilienwerte nach der Faustregel „Lage, Lage, Lage“, führt selbst bei hochdisruptiven Startups das Credo "Skalierung, Skalierung, Skalierung“ nicht unbedingt zum Erfolg. „Wir sind in einer Asset-Klasse, die nur sehr bestimmten, vermögenden Personen vorbehalten ist. Für Anfänger ist das nicht offen. Man muss sich bewusst sein, dass es keine

Das perfekte Match

Der Auftritt bei „2 Millionen – 2 Minuten“ lässt Lukas Krainz und seinen Mitgründer Mathias Maier frisches Kapital für ihr Startup feiern. „Als wir gegründet haben, hatten wir in unserer jugendlichen Naivität überhaupt nicht am Schirm, dass wir irgendwann einmal einen Investor brauchen würden.“ Die beiden starteten Vereinsplaner rein als Projekt, um Vereinsobleuten und Vereinsvorständen digitale Unterstützung bei der Verwaltung in die Hände zu geben. „Erst über den OÖ Gründerfonds kamen dann Fragen auf, wie wir Geld verdienen wollen, dass man in Vorleistung gehen muss und Skalierungseffekte erst ein paar Jahre später eintreten. Wir dachten, wir könnten mit Agenturleistungen Geld verdienen und nebenbei unser Projekt vorantreiben. Doch da hätten wir den Fokus verloren.“ Wie gut, dass man auf die Erfahrungen von Mentor Christian Kaar zurückgreifen konnte. Vereinsplaner war mit insgesamt 40 Investoren im Gespräch und hat dabei einige sehr positive Signale erhalten. Mit Hermann Futter, Geschäftsführer der Compass-Gruppe, wurde man rasch einig und auch Christian Kaar stieg mit 8eyes ein.

Vor zehn Jahren belächelt, doch ...

Erfolgsgeschichten wie Vereinsplaner kennt Peter Lasinger aus erster Hand. „Im Gymnasium habe ich mir dann selbst Coden beigebracht.“ Nach Studium in Linz und Aufenthalt in Kanada gründete er selbst, löste ein HR-Problem, doch es gab kein Kapital am Markt. Zuerst als Initiator des aws Gründerfonds, wo erstmals in Österreich privates und staatliches Kapital zusammengeführt wurden, und schließlich als Gründer von 3VC, einer der wenigen Risikokapitalgeber hierzulande, der auch hoch dotiertes Wachstumskapital zur Verfügung stellt. „Vor zehn Jahren wurde die europäische Szene noch ein wenig belächelt. Doch dann kam Skype und rundherum  entstand ein ganzes Ökosystem von Startups, Angels und VCs.“ Ein Ökosystem von dem auch die jüngsten österreichischen Unicorns profitierten, wenngleich Lasinger einschränkt: „Wir sind zwar einwohnermäßig den Faktor zehn kleiner als Deutschland, beim Risikokapital aber um den Faktor zwanzig.“ Es gibt aber noch viel aufzuholen, vor allem aufseiten der Investoren.

Dynatrace, wertvoller als die OMV

Auch institutionelle Anleger wie Banken oder Versicherungen bauen mittlerweile aktive Beteiligungsportfolios auf, ein wichtiger Push für frisches Kapital. Private Investoren müssten sich aber intensiv mit dem Mindset von Startups beschäftigen und diesen auch verinnerlichen. Und rasches Aufbauen benötigt eben Kapital. „Wir investieren nur in Hypergroth, also Unternehmen die sich in kürzester Zeit verdrei-, verfünf-, verzehnfachen. So etwas gibt es sonst nur in der Pharma- und Medizinbranche. Viele denken  da noch zu klassisch. Wenn ich doppelt so viele Maschinen habe, kann ich den Ausstoß verdoppeln. Bei Software kann ich das ver-x-fachen.“ Lasinger bringt ein eindrucksvolles Beispiel, das dieses klassische Denken konterkariert: „Dynatrace etwa hat eine höhere Marktkapitalisierung als die OMV.“ Österreich liegt noch unter seinem Potenzial. „Das Vakuum, das durch den Brexit entstanden ist, haben Deutschland, die Niederlande und Irland gefüllt.“ Neben politischen Rahmenbedingungen wie steuerliche Themen sieht Lasinger aber noch immer ein Mindset-Manko.