Rolex, Patek Philippe & Co: Uhren als Wertanlage

Was haben der ehemalige SPÖ-Bundesgeschäftsführer Thomas Drozda und der frühere Magna-Zampano Siegfried Wolf gemeinsam? Sie sind beide stolze Besitzer einer Patek Philippe Nautilus. „Es ist die vernünftigste Uhr abseits einer Rolex Submariner für Anleger“, sagt ein Linzer Unternehmer und begeisterter Uhrensammler, der nicht genannt werden will. Beide Marken sind ein Statement. Rolex steht für den offensichtlichen Erfolg, Patek Philippe für die stille Anerkennung. Sammler reizt an mechanischen Uhren vor allem die ausgefeilte Technik, die manuelle Feinarbeit, die immer weniger Menschen beherrschen. Rolex ist ein Phänomen, das hohe Begehrlichkeiten auslöst; eine Patek Philippe ist weniger bekannt, aber die Jahresproduktion von 62.000 Stück sorgt für eine Verknappung, die eine enorme Nachfrage und damit Wertsteigerungen bringt. In derselben Liga spielt, wenn auch beim Wiederverkaufswert abgeschlagen, Audemars Piguet mit der Royal Oak. Sie war bei der Markteinführung 1972 die erste Stahl-Luxusuhr am Markt und ihr ikonisches Design von Gérald Genta, der auch die Nautilus konzipierte, ist ein Klassiker.

Patek Philippe Nautilus 5711

Fachwissen und Irrationalitäten

Wer sich entschließt, Uhren zu sammeln oder sie sogar als Kapitalanlage wählen möchte, benötigt einen hohen Grad an Fachkenntnis und viel Gespür für die Marktentwicklung. Das sagt auch ­Monika Wild, Gründerin von S.M. Wild in Linz: „Eine Uhr als Wertanlage sollte nur kaufen, wer sich intensiv mit der Materie beschäftigt hat und den Markt kennt. Man muss wissen, was man kauft und vor allem von wem. Leider boomt in diesem Bereich der Graumarkt und von solchen Kanälen muss ich dringend abraten. Nur bei einem offiziellen Händler ist man vor Fälschungen sicher.“ Uhren sind kein Objekt für kurzfristige Spekulationen. Aber ähnlich den Aktienbörsen spielen bei der Preisbildung irrationale Motive eine Rolle. In diese Kategorie fällt die Rolex Cosmograph Daytona, im Besonderen ihre „Exotic Dial“-Variante. Die unter Sammlern bekannte „Paul Newman Daytona“ erreichte über die Jahre und alle Referenzen hinweg einen Wertzuwachs von stolzen 2.973 Prozent. Die Geschichte dahinter: Hollywood-Star Paul Newman spielte In "Indianapolis" (1969) den Rennfahrer Frank Capua und trägt dabei eine Stahl-Daytona am Handgelenk. Dadurch wurde der Chronograph von Rolex weltbekannt und zum Kultobjekt. Modelle mit Stahlgehäuse aus den Jahren 1967 bis 1971 erreichen heute Rekordsummen. Newman selbst erhielt von seiner Frau Joanne Woodward 1972 eine Rolex Cosmograph Daytona Ref. 6239 als Geschenk . Am Gehäuse­boden ließ sie die Worte „Drive Carefully“ und „Me“ eingravieren. Das gute Stück wurde 2017 um 17.752.500 US-Dollar versteigert – bis heute der höchste Preis, der für eine Rolex-Armbanduhr bezahlt wurde.

Uhr "Paul Newman Daytona"

Eine ähnliche Irrationalität im Sinne von Entkoppelung von Gegenstand und Wert ist bei der Nautilus Ref. 5711 aus dem Jahr 2006 ersichtlich. Sie ist ein direkter Nachfolger der Originalversion aus dem Jahr 1976 und daher besonders begehrt. Seit das Schweizer Familienunternehmen heuer bekannt gegeben hat, die Produktion der Nautilus 5711 einzustellen, ist sie für Sammler noch wertvoller als zuvor. Sechsstellige Euro-Beträge werden inzwischen am Sekundärmarkt für den schlichten Edelstahl-Chronometer mit dunkelblauem Zifferblatt gezahlt – eine Uhr, die vor wenigen Jahren neu 28.000 Euro gekostet hat.

Noch viel Potenzial nach oben

Rolex, Patek Philippe und Audemars Piguet haben sich als Uhrenmanufakturen ihre Unabhängigkeit bewahrt und sind nicht Teil großer Konzerne im Luxusuhrensegment, der von Swatch Group, LVMH und Richemont beherrscht wird (gemessen an den Stückzahlen ist Apple der weltweit größte Uhrenhersteller). Es gibt zahlreiche andere Markennamen, die in den Ohren der Uhrensammler klingen: A. Lange & Söhne, Breguet, Omega, Jaeger-LeCoultre, Vacheron Constantin, Tag Heuer, IWC oder Glashütte Original.

Steve McQueen Chronograph

Nicht zu vergessen sind junge Manufakturen wie Urwerk, Laurent Ferrier, F.P. Journe, Hautlence. Oder Richard Mille. Die aufwendigen Kult-Chronographen kosten sechsstellige Euro-Summen und sind bei Sportstars wie Rafael Nadal, Lewis Hamilton oder Marko Arnautović - aber auch in Chinas Vorstandsetagen beliebt. Das Fachgebiet Armbanduhren ist sehr umfangreich. Viele Sammler beschränken sich daher auf eine Marke oder eine bestimmte Zeit­epoche. Wer es genauer wissen will, für den hat der Experte Oliver Hoffmann das Buch „Vom nützlichen Luxus. Uhren als alternatives Investment“ geschrieben. Eine der teuersten je versteigerte Uhren ist die Patek Philippe Henry Graves Supercomplication. Die Einzelanfertigung einer Taschenuhr wurde am 11. November 2014 von Sotheby’s in Genf für 23,2 Millionen CHF (21 Mio. Euro) versteigert. Das generelle Preisniveau für Uhren liegt trotzdem noch weit unter dem des Kunstmarkts oder jenem des „Classic Car“-Markts und hat laut Hoffmann ein übergreifend langfristiges Wachstumspotenzial. Interessant ist der Blick auf die 50 höchsten Auktionsergebnisse für Uhren. Patek Philippe führt die Liste mit 39 Uhren an. Auf Platz zwei folgt Rolex mit sechs Rekorden und Breguet mit drei Rekorden. Die meisten Bestmarken sind in den vergangenen Jahren aufgestellt worden, was für wachsende Werte spricht. Ob sich Sammler dann wirklich so einfach von ihren Uhren wie von Aktien trennen können, ist eine andere Geschichte.

Buchtipp Oliver Hoffmann
Autor: Klaus Schobesberger, 25.06.2021