Industrie mahnt solideres Krisenmanagement ein

„Die Chancen für einen Aufschwung im Jahr 2021 stehen gut“, sagt IV OÖ-Präsident Axel Greiner anlässlich der Jahresauftakt-Pressekonferenz der Industriellenvereinigung Oberösterreich (IV OÖ). Grundlage für den Optimismus bilden die Daten des traditionellen Konjunkturbarometers, der gegenwärtig steil nach oben zeigt. 102 Unternehmen mit 118.000 Mitarbeitern haben sich an der Umfrage für das vierte Quartal 2020 beteiligt und berichten von einer nochmal deutlich verbesserten Geschäftslage sowie Geschäftserwartung gegenüber dem Vorquartal (siehe Grafik). „Wir sind etwa auf dem Niveau von Mitte 2019, als nach einer zweijährigen Hochkonjunkturphase der Absturz einsetzte – jetzt erleben wir wieder eine Erholung“, sagt Joachim Haindl-Grutsch, Geschäftsführer der IV OÖ. Positiv seien auch die Zahlen der Auslandsaufträge. Nur die Beschäftigungslage der Industrie hinkt der Entwicklung hinterher.

Qualität am Arbeitsmarkt erhöhen

Doch auch hier zeige die Kurve nach oben. „Das ist ein sehr gutes Zeichen, dass die Industrie im kommenden Aufschwung Arbeitskräfte aufnehmen wird - sofern sie welche findet. Denn der Fachkräftemangel ist trotz hoher Arbeitslosigkeit groß“, sagt Haindl-Grutsch, der für ein modernes Arbeitsmarkt-Management plädiert. Es müsse viel schneller gelingen, umzuschulen, neu zu qualifizieren und die Qualität am Arbeitsmarkt zu erhöhen. Das Allerdümmste wäre es jetzt, die Arbeitszeit zu verkürzen. Das würde die Krise vertiefen und den Fachkräftemangel verschärfen. Warum? „Weil eine Verteilung von Arbeit in einer digitalen Wissensgesellschaft nicht mehr möglich ist. Es gibt diese 08/15-Fließbandjobs nicht mehr, wo man nach zehnminütiger Einschulung arbeiten kann. Wir brauchen kompetente Mitarbeiter“, sagt Haindl-Grutsch.

Konjunkturbarometer

Managementversagen der Politik

Die Industriellenvereinigung ist mit Regierungskritik im Vorjahr kaum aufgefallen, nun legt sie ihre Zurückhaltung etwas ab. So fordert Greiner bei der Impfplanung „ein Ende der Hoppalas“. Nach dem holprigen Start müsse die Impfung der Bevölkerung zügig, professionell und richtig umgesetzt werden, damit die Corona-Beschränkungen reduziert und aufgehoben werden können. Wichtig sei es, in den Betrieben zu impfen und in Großbetrieben Impfstraßen einzuführen. Derzeit sei dies von der Politik nicht vorgesehen, was für Greiner unverständlich ist: Betriebe seien gesetzlich verpflichtet, einen Betriebsarzt vorzuhalten – und nun soll in der Krise auf diese Infrastruktur und Systeme komplett verzichtet werden? „Jeder Tag, an dem unsere Mitbewerber bei ihren Kunden sind, weil bei ihnen schneller geimpft wurde, ist für uns ein verlorener Tag und bringt uns Wettbewerbsnachteile“, sagt der Industrielle. Aus Managementsicht sei es nicht verständlich, dass es der Bundesregierung nicht gelungen ist, Impfpläne rechtzeitig aufzustellen: „Nach Corona ist es dringend notwendig, sämtliche Prozesse der öffentlichen Einrichtungen – von der Regierung über die Verwaltung bis in die Schulen – zu überdenken. Bei Industrieunternehmen ist es Realität, sich immer wieder Prozesse anzusehen und zu überprüfen. Warum schaffen wir das nicht bei der öffentlichen Hand?“

Gefahr eines Blackouts steigt

Greiner sieht bei der Energieversorgung die nächste Gefahr heraufdräuen. Der Beinnahe-Blackout war ein „Schuss vor den Bug“. Dieser Störfall habe gezeigt, wie schnell unsere Energieversorgungssysteme nicht mehr kontrollierbar sind und ein europaweiter Totalausfall der Stromnetze Wirklichkeit werden kann. Der Ausbau volatiler Sonnen- und Windkraftkapazitäten und die Schließung der bislang für die Grundlast so wichtigen Kohle- und Atomkraftwerke in Deutschland müssen in Österreich entsprechende Maßnahmen zur Folge haben. Physikalische Grundlagen bei der Stromversorgung lassen sich nicht durch ideologische und parteipolitische Sonntagsreden wegdiskutieren, sagt Greiner. „Wir müssen uns darauf einstellen, dass es einen Blackout geben wird. Dann haben wir aber nicht mehr Monate lang Zeit über Datenschutz und die Einbindung des Parlaments zu sprechen. Da ist echtes Krisenmanagement innerhalb weniger Stunden gefragt.“ Die Energieversorgung umzubauen und fit zu machen für die Herausforderungen der Zukunft (Mobilität und Klimawandel) ist neben der Digitalisierung der Verwaltung und der Schulen oder der Schuldenbremse einer von 20 Punkten, um Oberösterreich als industrielle Spitzenregion bis 2030 fit zu machen.

Autor: Klaus Schobesberger, 26.01.2021