Börsenjahr 2021: Positiver Ausblick auf Aktienmärkte

Betont zuversichtlich zeigen sich die Auguren der Aktienmärkte in ihren traditionellen Neujahrs-Ausblicken, „wenn auch die Risikolandkarte jedes Jahr neu geschrieben wird. Manches kommt wie der schwarze Schwan aus dem Nichts“, sagt Alois Wögerbauer, Geschäftsführer der Fondsgesellschaft 3-Banken-Generali. Das Corona-Jahr 2020 hatte kein Experte auf dem Radar. Oberbank-Vorstand Josef Weißl spricht gar von einem „schwarzen Elefanten“, der plötzlich aufgetaucht und diese unglaubliche Verwundbarkeit aufgezeigt habe – „aber auch eine unglaubliche Anpassungsfähigkeit und Widerstandskraft zutage förderte“. Ein Beispiel für diese Resilienz sei, dass von den 2.500 Unternehmenskunden der Oberbank aktuell nur zwölf von Kreditausfällen bedroht sind.

Leitplanken: Zinsen bleiben niedrig

Optimistisch zur Weltkonjunktur äußert sich Erich Stadlberger, Leiter Privatbanking der Oberbank: Globale Impfungen, gestiegene Geldmenge und der Ausgang der US-Wahlen seien gute Voraussetzungen für einen Aufschwung. „Die Aussichten für ein positives Aktienjahr 2021 stehen gut“, sekundiert Wögerbauer aus der Sicht des Fondsmanagers. Als „Leitplanken“ zur Orientierung für Anleger sieht er die niedrige Inflation, Fokus auf „Value“-Unternehmen, also solide Firmen aus traditionellen Branchen wie Industrie, Energie oder Banken, sowie Chancen bei Unternehmensanleihen und Aktienmärkten in Fernost. „Es kündigt sich ein Anlage-Jahrzehnt für Asien an“, ist der Börsenprofi überzeugt. Außerdem werden Notenbanken 2021 ein zentraler Faktor bleiben. Ausweitung der Geldmenge, sinkende Zinsen – „seit der Finanzkrise 2008 ist das ein Mechanismus, dem wir nicht entkommen.“ Motto: Don’t fight the FED! Die US-amerikanische Notenbank gibt weiterhin die Marschrichtung vor: 2020 war nur das Fortschreiben eines unumkehrbaren Prozesses. 6.000 Milliarden Dollar werden in dieser Krise bereitgestellt, dagegen wirke Lehmann als kleines Problem, sagt Wögerbauer.

Zitat Alois Wögerbauer

Intakte Chancen, aber auch Unsicherheiten

Bankhaus Spängler-Vorstand Nils Kottke sind zwei Ereignisse aus dem Vorjahr in Erinnerung geblieben: Der historisch niedrige Ölpreis, der sogar ins Negative drehte, und eine Erholung an den Börsen in noch nie dagewesenem Tempo. „Der positive Trend ist 2021 intakt, allerdings ist für Anleger auch Vorsicht geboten“, sagt Kottke. Unsicherheiten seien die Impfstoffverteilung, die Impfbereitschaft der Menschen und neuerliche Lockdowns aufgrund von Virus-Mutationen. Noch nicht hergestellt sind das Konsumentenvertrauen in der Eurozone – das Geld sitzt also nicht so locker wie früher. „Wir werden eine gewisse Herdenimmunität benötigen, um eine Konjunkturerholung zu erleben“, sagt Kottke. Positiv: Die Gewinnerwartungen der Unternehmen in Europa und USA liegen über den Niveaus von 2019. Sollten sich diese erfüllen, steht einer weiteren Entwicklung nach oben nichts im Wege – auch mangels an Anlagealternativen. „Nach den starken Einbrüchen im Frühjahr des letzten Jahres befinden sich insbesondere europäische Aktien wieder im oberen Bewertungsbereich“, sagt Markus Dürnberger, Leiter Asset Management im Bankhaus Spängler.

Zitat Markus Dürnberger

ATX: österreichische Aktien haben Potenzial

Im Vergleich zum Deutschen Aktienindex DAX oder zum Dow-Jones Industrial Average, der im Vorjahr erstmals die Marke von 30.000 Punkten erreichte, verzeichnete der ATX eine deutliche Underperformance, was nicht zuletzt auf seine Index-Zusammensetzung zurückzuführen ist. „Für heuer erwarten wir eine Wirtschaftserholung und steigende Gewinne, wovon der ATX aufgrund seines zyklischen Charakters besonders profitieren sollte“, sagt Fritz Mostböck, Leiter Erste Group Research. Der ATX habe seine Verluste aus dem Frühjahr 2020 noch nicht vollständig wettmachen können, aber die Gewinneinschätzungen (KGV) bei Unternehmen sind gut und sollen bereits 2022 wieder auf dem Niveau von 2019 liegen, sagt Christoph Schultes, Chief Equity Analyst der Erste Group. „Die Risikobereitschaft der Investoren hat zugenommen“, sagt Schultes.

Zitat Christoph Schultes

CEE-Region: Osteuropa als Wachstumsmotor

ATX-Indizes seien günstig, das Potenzial ist hoch. Hervorgehoben von den Erste-Analysten werden „grüne Aktien“ – Stichwort ESG – wie Verbund oder Mayr-Melnhof oder Einzelwerte wie AT&S, Andritz, CA Immo oder Immofinanz. Der ATX sei aufgrund seiner Finanzlastigkeit und dem höheren Anteil an institutionellen Investoren ein schwer vergleichbares Vehikel, sagt Mostböck – aber: „Der ATX hängt längst nicht mehr nur an der österreichischen Wirtschaft, sondern ist ein dominanter Faktor für den CEE-Raum.“ Zentral- und Osteuropa bleiben für heimische Unternehmen von großer Bedeutung. Die langfristigen Wachstumsaussichten sind trotz Pandemie intakt. Die Region soll 2021 durchschnittlich 3,6 Prozent BIP-Wachstum aufweisen. Einig sind sich alle Berufsoptimisten: Investoren sollen Ruhe bewahren.

Zitat Christian Nemeth

Alles spricht für Investments in Aktien

Trotz der Börsenturbulenzen im vergangenen Jahr haben fast alle Anlageklassen in den letzten Monaten zugelegt. Der alte Ratschlag, dass Anleger nur in großen Zeitabständen auf ihr Portfolio schauen sollten, hat schon etwas – auch wenn im Corona-Jahr besonders schwergefallen ist. Umschichtungen im Portfolio sind wegen der anhaltenden Niedrigzinsphase und der mehrheitlich negativen Realrenditen im Anleihesektor ratsam. Derzeit spricht weiterhin alles für Investments in Aktien, sagt Christian Nemeth, Chief Investment Officer der Zürcher Kantonalbank Österreich AG, die bei Aktien übergewichtet ist. Zuletzt war hier eine Sektorrotation zu beobachten. Hatten die Kurse der Wachstumsaktien vor allem aus dem Technologiebereich über weite Strecken des Jahres 2020 stark profitiert, kommen nun durch die neue Perspektive angesichts der Impfungen auch Aktien zyklischer Unternehmen zunehmend besser in Fahrt. "Insgesamt sollte also auch 2021 ein Aktienjahr werden", sagt Nemeth.

Autor: Klaus Schobesberger, 18.01.2021