Autohersteller: Rekordjahr für Luxusmarken

Krise, welche Krise? Trotz Pandemie, Lieferkettenproblemen und Halbleitermangel lief das Jahr 2021 für einige Autohersteller besser denn je. Die Kernmarke BMW legte mit mehr als 2,2 Millionen verkauften Fahrzeugen um 9,1 Prozent zu und setzte sich im Premiumsegment vor Rivalen Daimler weltweit an die Spitze. Noch besser lief es für die Konzerntochter Rolls-Royce. Die britische Luxusmarke steigerte mit 5.586 ausgelieferten Autos den Absatz im Vorjahr um fast 50 Prozent – ein bisher unerreichter Wert in der 117-jährigen Unternehmensgeschichte.

Produktion für 2022 fast ausgebucht

Während Volkswagen schwächelt wie lange nicht mehr, verbucht die Sportwagenmarke Porsche 2021 einen Allzeitrekord. Weltweit verkaufte das Unternehmen im letzten Jahr 301.915 Fahrzeuge – um 11 Prozent mehr als 2020. Bemerkenswert:  Erstmals lieferten die Stuttgarter mehr Modelle des elektrisch betriebenen Taycan aus als jene vom ikonenhaften 911er. Auch die VW-Tochter Lamborghini bilanziert mit 8.405 ausgelieferten Fahrzeugen das beste Jahr ihrer Geschichte. Die Verkaufszahlen stiegen im Vergleich zu 2020 um 13 Prozent. Sowohl Porsche als auch Lamborghini bezeichnen die Verkaufsaussichten für das laufende Jahr als sehr gut. Bei Lamborghini deckt der Auftragsbestand bereits die gesamte geplante Produktion für 2022 ab. Die italienische Luxussportwagen-Marke investiert in den nächsten vier Jahren 1,5 Milliarden Euro in die Produktelektrifizierung. 2023 plant Lamborghini sein erstes Hybrid-Serienmodell auf den Markt zu bringen.

Automarkt in China wächst, Österreich im Rückwärtsgang

Das größte Plus erzielten die deutschen Automarken in den USA und in China. In China wuchs der Markt für Pkw im Vorjahr um 6,5 Prozent, der für Elektroautos um 168 Prozent. In Österreich befindet sich der Gesamtmarkt aufgrund der Lieferverzögerungen weiter im Rückwärtsgang. Laut österreichischer Automobilwirtschaft und Statistik Austria wurden im Vorjahr 239.803 Pkw neu zugelassen, um 3,6 Prozent weniger als 2020 und um mehr als ein Viertel weniger als im Vorpandemiejahr 2019. Während sich die Zulassungszahlen von Benzinern und vor allem von Diesel-Pkw deutlich rückläufig entwickelten, legte die Zahl der mit alternativen Antrieben betriebenen Pkw um beinahe das Doppelte auf 90.062 Fahrzeuge zu. Dieser Anstieg ist vor allem auf Neuzulassungen von Benzin-Hybrid-Pkw und ausschließlich elektrisch betriebene Pkw zurückzuführen, die jeweils überdurchschnittliche Zuwächse verzeichneten (+69,6 Prozent auf 43.051 Fahrzeuge bzw. +108,9 Prozent auf 33.366 Fahrzeuge).

Elektronikmesse CES: Silizium statt Motoröl

Wie tiefgreifend der Wandel der Automobilbranche ist, zeigte sich auf der Consumer Electronics Show (CES), eine der größten Fachmessen für Unterhaltungselektronik, Anfang Januar in Las Vegas. Fast 200 Autohersteller nutzen das Event, um einen Ausblick auf die digitale Zukunft des Automobilbaus zu geben. BMW demonstrierte ein System, das die Lackfarbe eines Autos auf Knopfdruck ändert. Mercedes zeigte mit seiner Studie EQXX einen Elektroauto-Prototyp, der mit einer einzigen Ladung mehr als 1.000 Kilometer weit fahren kann – doppelt so weit wie ein Tesla Model S. Auch Elektronikriesen wie Sony trumpften mit einem möglichen Einstieg in die Automobilproduktion auf. Die Intel-Tochter Mobileye, die Chips an viele große Autofirmen liefert, kündigte erweiterte Verträge mit Ford, Geely und Volkswagen an. Der Chiphersteller Qualcomm schloss neue Verträge mit Volvo, Honda und Renault ab.  Die Chipkrise könnte Mitte 2022 also beendet sein, hoffen Insider.

Autor: Klaus Schobesberger, 13.01.2022