Wiener Wirtschaft: Marken als „Mutmacher“

Die Wiener Wirtschaft steht vor großen Herausforderungen. Und damit auch die großen Marken, die mit der Stadt untrennbar in Verbindung stehen. In der Bel-Etage des Café Landtmann haben Experten im Rahmen des „Vie:nna Brand Forum“ diskutiert, was Sache ist. Worauf es gerade jetzt wirklich ankommt? Unternehmer, Interessensvertreter und Politiker haben nach Antworten gesucht – und wertvolle Ratschläge geliefert.

Im Talk mit Sonja Kato rekapituliert Wirtschaftsstadtrat Peter Hanke die Anstrengungen der letzten Wochen und Monate: Wir haben nunmehr das dritte Corona-Hilfspaket auf den Weg gebracht. Vom Gastro-Gutschein bis zu den 'Stolz auf Wien'- Beteiligungsmöglichkeiten gibt es gemeinsam mit der Wiener Wirtschaftskammer eine Reihe von Aktivitäten, die bedeutend sind.“

Walter Ruck hebt besonders die Zusammenarbeit mit der Stadt hervor. Für ihn ist sie eine wichtige Kooperation, die auch in Zukunft Sinn mache. Jüngstes Beispiel: die Öffnung der Schanigärten auch in den Wintermonaten.

Beide betonen ihr Engagement für die Wiener Wirtschaftsmarken. Hier gelte es Türen uns Ausland zu öffnen und vorhandene Ressourcen gemeinsam zu nützen.

Qualität wird sich weiter durchsetzen

Dass durch die Corona-Krise vor allem der Tourismus und die Gastronomie betroffen sind, wurde wie erwartet in einem ersten Panel zu den Erlebnismarken erdeutlich. Dieter Scharitzer von der Wirtschaftsuniversität Wien betont hierzu in seiner Eröffnungsrede seine drei „Ms": Markenarbeit, Multichannelling und Mut. Alle drei seien gerade jetzt besonders entscheidend und würden weiter an Bedeutung zunehmen.

Mut zeigen …

Gastronom Berndt Querfeld setzt in dieser schwierigen Situation auf ein Pop-Up in der Donaustadt. Sein Credo: „Man muss sich etwas trauen.“ Gerade weil Menschen aus gesundheitlichen Überlegungen vermehrt im Freien sitzen wollen.

Gute Nachrichten hat Pasteten-Fachmann Hans Peter Spak im Gepäck. Dank guter Auslastung im Lebensmittelhandel konnte er den Ausfall in der Gastronomie wettmachen. Seine Botschaft: „Qualität muss auch emotional sichtbar sein. Das macht einerseits unser Produkt, aber auch die Verbindung mit der lebenswerten Stadt Wien aus".

… an den Tag danach denken

Vera Kremslehner-Braunegg, von den Kremslehner Hotels hatte weit weniger Positives zu berichten. Die Touristen aus dem Ausland würden weiter fehlen – und nach den aktuellen Reisewarnungen wohl auch weiterhin ausbleiben. Um für den Tag nach der Krise gewappnet zu sein, setzt sie jetzt schon auf die Attraktivierung und den Ausbau bestehender Buchungskanäle.

Starkmacher: Tradition und Innovation

Im zweiten Panel wurde der Spannungsbogen zwischen Tradition und Innovation analysiert. Für Günter Thumser, Geschäftsführer des Markenartikelverbandes, ist Markenzukunft ohne Herkunft nicht vorstellbar. Nur so könne Vertrauen und Nachhaltigkeit beim Konsumenten erzeugt werden. Wahr sei aber auch, dass sich Marken immer wieder neu erfinden müssten. Sein Befund: „Markenführung bleibt ein Balanceakt zwischen Alt und Neu.“

Im anschließenden Podium streute Juwelier Alexander Skrein die gesellschaftliche Verantwortung einer Unternehmensmarke in den Diskurs ein. Gerade in Zeiten wie diesen würde dem Faktor „Social Responsibility“ große Bedeutung zukommen.

Margarete Kriz-Zwittkovits, Vizepräsidentin der Wirtschaftskammer Wien, setzt sich besonders für die Vorzüge der Regionalität einer Marke ein und bricht eine Lanze für die Nahversorgung. Robert Judtmann, GF Unique Fessler Werbeagentur, wiederum sieht seine Aufgabe darin, die Markenführung kontinuierlich und nachhaltig zu begleiten. Neue Ideen dürften hier ebenso Platz haben, wie das Aufladen der Marke mit Storytelling. Sein Fazit: „Die Marke muss emotional im Gespräch gehalten werden.“

 

Autor: Rudolf Grüner , 23.09.2020