Der Baum und die Stadt: Ziemlich beste Freunde

Ein Phänomen geht um in Wien: Anwohner begrüßen freudig Lärm und Dreck, den eine aufgerissene Straße vor ihrem Fenster mit sich bringt. Kann nicht sein? Doch. Denn mit etwas Glück bedeuten die Bauarbeiten: Hier werden Bäume gepflanzt! Mehr als 4.500 versenkt die Stadt Wien heuer neu im Stadtgebiet. Jeder einzelne von ihnen erhöht die Lebensqualität der Bewohner. Denn wer in einer der dicht verbauten Wiener Gebiete lebt, in Favoriten, Ottakring oder Margareten etwa, dem nützt es erstmal wenig, dass Wien von einer Consultingfirma zur „grünsten Stadt der Welt“ gekürt wurde. Hier gibt es Gassen ohne einen einzigen Baum. Mit Konsequenzen. „Bäume spenden nicht nur Schatten,“ so BOKU-Rektor Hubert Hasenauer. „Ein grüner Untergrund reflektiert die Sonnenstrahlen auch weniger. Zubetonierte Flächen wirken wie ein Kachelofen.“

Das muss es uns wert sein

Kosten der Baumoffensive: insgesamt sechs Millionen Euro, wobei sie zwischen den einzelnen Bezirken stark variieren, von 300 Euro für eine Neuanpflanzung im Donaupark bis 30.000 Euro in der Innenstadt. Sinnvoll investiertes Steuergeld, vor allem angesichts der Klimakrise. Gegen eine dicht belaubte Platane oder Sommerlinde schaut eine Nebeldusche alt aus. Vor ein paar Jahren hätte man sie noch ausgelacht – Menschen, die Bäume umarmen. Heute muss man kein esoterischer Spinner sein, um sich zu seiner Baumliebe zu bekennen.

Autor: Andrea Schröder , 27.07.2020