Gesundheitssektor: Wien ist Nummer eins

Weekend: Wien will Spitze in Spitzenmedizin werden. Wie ist ihre aktuelle Diagnose?
Alexander Biach: Theodor, Billroth oder Sigmund Freud haben uns einst Weltruf verschafft. Wien kann sich auch heute durchaus behaupten. Wir sind mit Städten wie Hamburg und Berlin führend: Was Forschung, die Zahl der Mediziner aber auch Pharmabeschäftigen betrifft, sind wir top. Und der Sektor hält die Wirtschaft am Laufen und Leben – mehr als gedacht, wie unsere aktuelle Analyse zeigt.

weekend: Gab es denn überraschende Befunde?
Alexander Biach: Den Einfluss auf Regionalwirtschaft und Arbeitsplatz haben wir gehörig unterschätzt. Wie die Zahlen zeigen, trägt der Gesundheitsbereich schon jetzt mit rund 27 Milliarden Euro zum Bruttoregionalprodukt bei. Das ist mehr als der Viertel der Wiener Wirtschaftsleistung. Zudem sichert er 236.000 Menschen den Arbeitsplatz. Auch indirekt. Hauptprofiteur ist hier der Handel, dem die einkommensstarken Spitzenkräfte rund 8,4 Milliarden in die Wiener Kassen spülen.

Die Gesundheitsbranche beschäftigt rund 236.000 Menschen. Mit dem Ausbau des Sektors holen wir neue Arbeitsplätze in die Stadt.  Alexander Biach

weekend: Wie wird in die Wachstumsbrachen weiter investiert?
Alexander Biach: Eine breite Allianz hat sich viel vorgenommen: Wir stärken den Forschungsbereich und wollen dazu auch neue Finanzierungspartner an Bord holen. Dann treiben wir das Thema Digitalisierung voran – im Sinne einer modernen, serviceorientierten Gesundheitsversorgung. Und last but not least sind wir gerade dabei, eine internationale Zulassungsstelle für Medizinprodukte auf den Weg zu bringen. Die dafür notwendigen Verfahren haben wir jetzt im September eingeleitet. Ich hoffe, dass wir in Bälde Prüf-Pickerl für medizinische Produkte vergeben können. Damit locken wir auch neue Fachkräfte nach Wien.

weekend: Mit wie vielen neuen Jobs rechnen Sie?
Alexander Biach: Über alle Projekte hinweg wollen wir weitere 2.100 Arbeitsplätze an Land ziehen. Was uns zeigt: Über den Health-Sektor können wir uns in Zeiten wie diesen ökonomisch selbst heilen. Die Untersuchung zeigt, worauf es ankommt: Es ist die Gesundheitsmetropole, stupid!   

weekend: Wo kann Wien noch aufrüsten?
Alexander Biach: Als Standortanwalt trete ich für eine kluge Weiterentwicklung der Verkehrsinfrastruktur ein, auch die Modernisierung der Einkaufsstraßen - Stichwort: attraktive Oberflächengestaltung – ist ein brandaktuelles Thema. Im Bereich der industriellen Produktion haben wir uns mit Firmen wie Bombardier und Siemens zum Straßenbahn-Mekka gemausert, wo alle Welt bestellt. Ein weiteres Forschungs- und Entwicklungszentrum liegt damit auf der Hand.

Autor: Rudolf Grüner , 22.09.2020