EZB-Zinssenkung: Boom bei Wohnbaukrediten
Inhalt
- Wohnbaukredite: Nachfrage steigt trotz Fixzins-Trend
- Variable Kredite entlasten bestehende Kreditnehmer
- Unternehmenskredite: Fokus auf langfristige Investitionen
- Sinkende Sparzinsen verändern Anlageverhalten
- Wertpapiere und Fonds gewinnen an Bedeutung
- OeNB-Dashboard: mehr Transparenz am Immo-Markt
Die Europäische Zentralbank senkte im Jahr 2025 die Leitzinsen in vier Schritten um insgesamt einen Prozentpunkt und sorgte damit für spürbar günstigere Finanzierungsbedingungen. Sowohl für Unternehmen als auch für private Haushalte gingen die Kreditzinssätze für neue Kredite deutlich zurück. Besonders bei variabel verzinsten Wohnbaukrediten machte sich die Entwicklung bemerkbar, wie Vertreter der Oesterreichischen Nationalbank heute im Rahmen eines Pressegesprächs informiert haben. Der Zinssatz sank von 4,14 Prozent Ende 2024 auf 3,21 Prozent Ende 2025. Fixzinssätze blieben hingegen nahezu stabil bei rund 3,42 Prozent.
Sowohl für Unternehmen als auch für private Haushalte gingen die Kreditzinssätze für neue Kredite im Jahr 2025 zurück.
Wohnbaukredite: Nachfrage steigt trotz Fixzins-Trend
Trotz der wieder günstigeren variablen Kredite setzten österreichische Haushalte weiterhin klar auf Sicherheit. Der Großteil der neu abgeschlossenen Wohnbaukredite war fix verzinst. Insgesamt lag der Anteil bei 86 Prozent. Gleichzeitig zog die Nachfrage deutlich an. Im Jahr 2025 wurden Wohnbaukredite im Volumen von 17 Milliarden Euro vergeben, nach 11 Milliarden Euro im Jahr zuvor. Auch die Zinsbelastung der Haushalte ging spürbar zurück. Insgesamt zahlten Österreicherinnen und Österreicher rund 3,6 Milliarden Euro an Kreditzinsen, deutlich weniger als die 4,2 Milliarden Euro im Jahr 2024.
Variable Kredite entlasten bestehende Kreditnehmer
Vor allem Kreditnehmerinnen und Kreditnehmer mit bestehenden variablen Krediten profitierten von den Zinssenkungen. Pro 100.000 Euro Kreditschuld lag die jährliche Zinsbelastung 2025 bei rund 3.450 Euro und damit deutlich unter dem Vorjahreswert von 4.690 Euro. Dennoch bleibt das Niveau weiterhin über jenem vor der Zinswende. Im Jahr 2022 waren es noch rund 1.460 Euro gewesen.
Unternehmenskredite: Fokus auf langfristige Investitionen
Auch Unternehmen nutzten das niedrigere Zinsniveau verstärkt. Besonders gefragt waren langfristige Investitionskredite mit Laufzeiten von über fünf Jahren. Ein knappes Drittel der neu vergebenen Unternehmenskredite floss in die Immobilienbranche. Das entspricht rund 15 Milliarden Euro und unterstreicht die weiterhin hohe Bedeutung dieses Sektors.
Sinkende Sparzinsen verändern Anlageverhalten
Parallel zu den Kreditzinsen sanken auch die Zinssätze für Spareinlagen deutlich. Für neue Festgeldeinlagen erhielten Haushalte Ende 2025 im Schnitt nur noch 1,62 Prozent, nach 2,43 Prozent ein Jahr zuvor. Täglich fällige Einlagen wurden mit durchschnittlich 0,69 Prozent verzinst. Diese Entwicklung wirkte sich spürbar auf das Sparverhalten aus. Während in den Jahren 2023 und 2024 noch hohe Summen auf Sparkonten aufgebaut wurden, blieb der Zuwachs 2025 mit lediglich 2 Milliarden Euro gering. Gleichzeitig hielten Haushalte wieder mehr Geld auf Girokonten. Dort stiegen die Einlagen um rund 8 Milliarden Euro.
Wertpapiere und Fonds gewinnen an Bedeutung
Statt klassischer Spareinlagen rückten Wertpapierinvestments stärker in den Fokus. Haushalte investierten 2025 zusätzlich rund 7 Milliarden Euro in Investmentfonds und 6 Milliarden Euro in Schuldverschreibungen. Auch nachhaltige Veranlagungen gewannen weiter an Bedeutung. Das zeigt sich im steigenden Bestand an ESG-Anleihen.
Mit unserem neuen Dashboard schaffen wir einen transparenten, leicht zugänglichen Überblick über entscheidende Informationen zum Thema Wohnimmobilien.
OeNB-Dashboard: mehr Transparenz am Immo-Markt
Mit einem neuen Wohnimmobilien-Dashboard will die Oesterreichische Nationalbank mehr Transparenz am Immobilienmarkt schaffen. Das Tool bietet einen umfassenden Überblick über Preisentwicklungen, Baukosten und Kreditdaten. Die aktuellen Auswertungen zeigen, dass die Immobilienpreise seit 2012 im ländlichen Raum stärker gestiegen sind als in Städten. Dabei gibt es erhebliche regionale Unterschiede. So haben sich die Preise im Burgenland etwa doppelt so stark erhöht wie in Oberösterreich.