Diskussion: Mobilität neu denken

Verteter aus Wirtschaft und Politik trafen sich zum Gedankenaustausch.
Autor: Rudolf Grüner, 22.06.2022 um 13:26 Uhr

Das vie-mobility-Symposium – eine Plattform für Elektromobilität, Wirtschaftsstandort und Nachhaltigkeit – ging im Juni in seine mittlerweile zwölfte Runde. Initiator Ralph Vallon lud Experten sowie Vertreter aus der Wirtschaft und Politik zum Gedankenaustausch in den Officepark 4 am Flughafen Wien. In gewohnter Form wurde das Netzwerk-Event mit der Club Cuvée-Weinverkostung abschließend begossen.

In der Frühsommerausgabe wurden vier große Themenblöcke diskutiert. Die herausfordernden Rahmenbedingungen durch die Pandemie und den Krieg in der Ukraine bestimmten im ersten Panel zu „Klimawandel und Energiewirtschaft" die Debatte. Wortspenden lieferten Martin Graf, Vorstand Energie Steiermark, der die aus seiner Sicht viel zu langen Genehmigungsverfahren für erneuerbare Energieprojekte kritisierte, wie auch Stefan Gubi, Geschäftsführer bei Windhager. Er warb für Wärmepumpen, die neue klimaschonende Befeuerungen ermöglichen würden. Ebenfalls am Podium mit dabei waren Andrea Faast, von den Wiener Stadtwerken und André Felker, Geschäftsführer backbone.one. Der ÖÄMTC mit Bernhard Wiesinger begrüßte die Verschiebung der CO2-Bepreisung: „Wir stehen für Mobilität mit Vernunft, weil jetzt durch die schwierigen Rahmenbedingungen auch Zeit für Entlastungen gegeben sein müssen. Die Menschen leiden schon jetzt unter zu hohen Preisen, die Forderung ist es daher, leistbar mobil zu sein".

Diskussion beim Mobilitäts-Symposium | Credit:

Multimodaler Ansatz

Im zweiten Panel drehte sich alles um den Güterverkehr; unter dem Motto „Straße und Schiene gemeinsam denken". In Zusammenarbeit mit dem Hermes-Forum, entwickelte sich schnell eine offene Diskussion. Diskutant Christian Spendel von Friends on the Road, plädierte für ein Nebeneinander auf der Straße. Neben E-LKWs und Wasserstoff-Fahrzeugen setzt er weiter auch auf Verbrenner, die seiner Ansicht nach auch in Zukunft einen großen Teil des Transportes auf der Straße abdecken würden. Davor Sertic, Transportunternehmer und Spartenobmann WKW, wies auf die notwendige enge Zusammenarbeit von Straße und Schiene hin, um den Green Deal, in dem die Halbierung der Emissionen bis zum Jahr 2030 festgeschrieben ist, umsetzen zu können. Der Wiener Hafen mit Geschäftsführerin Doris Pulker-Rohrhofer setzt auf Multimodalität: „Nicht nur das wir logistisch und technologisch für Logistikunternehmen beste Voraussetzungen schaffen, haben wir mit unserer Lage mitten in der Stadt in Bezug auf die 'letzte Meile' eine hervorragende Position.“

Bernd Müller, Geschäftsführer der Wiener Lokalbahnen Cargo, sah für „mehr Bahn als Straße" notwendige Investitionen in Strecken, den Abbau von technischen und organisatorischen Hürden im europäischen Bahnnetz für entscheidend an. Müller: „Gehen wir das schnell an und setzen dazu gemeinsam alle Hebel in Bewegung." Für Andreas Breinbauer, Rektor FH des BFI Wien und Logistikexperte sind nach den letzten Monaten die bisherigen Konzepte zu überarbeiten: „Unter Nachhaltigkeitsgesichtspunkten müssen die konventionellen Logistik- und Güterverkehrskonzepte und die Rolle der Verkehrsträger wie Straße und Schiene neu gedacht werden. Eine Regionalisierung der Lieferketten bedeutet zum Beispiel nicht automatisch, dass mehr Güter auf der Bahn transportiert werden."

Die Stadt von morgen gestalten

Vor dem Start zum dritten Panel mit dem Titel „Wirtschaftsstandort Wien nachhaltig und CO2-minimiert gestalten" lud Vallon Wirtschaftsstadtrat Peter Hanke zum Talk. Thema waren die steigenden Energiepreise, die Förderungen und die Leistungen für den Klimaschutz sowie die wichtige Rechtssicherheit für den Standort Wien.

In der nachfolgenden Podiumsdiskussion verwies Standortanwalt Alexander Biach auf die Glaubwürdigkeit der Politik, wo Rechtssicherheit zum Beispiel beim Bau des Lobautunnels an vorderster Stelle stehen müsse. Edeltraud Stiftinger, Geschäftsführerin Austria Wirtschaftsservice, beleuchtete die Förderungen im Bund und in Wien und verwies in einem Vergleich in Europa auf die Bedeutung der Glaubwürdigkeit eines Wirtschaftsstandortes. Enebfalls am Podium waren Johann Breiteneder, Vorstand Best in Parking, der Mobilität mit Lebensqualität und Verkehrssicherheit in Verbindung setzte und Roland Falb, Senior Partner Roland Berg, der sich der Smart City widmete. Seine These: „Entscheidend bleibt, den Modalsplit weiter zu intensivieren und ein geeignetes Miteinander aller Verkehrswege umzusetzen. Last but not least zeichnete Flughafen Wien Vorstand Julian Jäger ein positives Bild der Entwicklung des Fliegens.

Gäste des Mobilitäts-Symposiums| Credit: Katharina Schiffl

Smart City-Talk

Das Panel Nummer vier mit dem Titel "E-Mobility-Update: Smart City live" wurde live von den Wiener Elektrotagen am Rathausplatz übertragen. Günter Steinbauer, Geschäftsführer Wiener Linien, Andreas Martin, Veranstalter der Wiener Elektrotage, Hanno Vogelsam von 2Rad Helden und der Arge2Rad, Gerald Franz von UIV und Christian Clerici von vibe diskutierten die Möglichkeiten der Realisierung von Mobilität aus verschiedensten Blickwinkeln.

Alle vier Pandels können via Poadcast nachgehört werden.