Annette Mann: "Die Menschen lassen sich das Reisen nicht nehmen"
Inhalt
- Kein Engpass beim Kerosin
- Österreich hat Schwechat
- Luftverkehr weiter im Aufwind
- Generation von Flugreisenden
- Kleines, aber wichtiges Puzzleteil
- Was die Lufthansa Group plant
- AUA als Gastgeber
- AUA-Momente, die bleiben
- Was künftig über Erfolg entscheidet
Die Schlagzeilen der vergangenen Monate waren wenig beruhigend: Krisenherde, steigende Kosten, Diskussionen über Nachhaltigkeit und zuletzt die Sorge um die Kerosinversorgung. Trotzdem bleibt die Reiselust ungebrochen. Für Annette Mann, CEO von Austrian Airlines, ist das kein Widerspruch.
Kein Engpass beim Kerosin
Die gute Nachricht vorweg: Wer seinen Sommerurlaub noch nicht gebucht hat, muss sich laut Mann keine Sorgen machen. Die Diskussionen rund um mögliche Engpässe bei der Kerosinversorgung hätten viele Menschen verunsichert, tatsächlich sei die Versorgung jedoch gesichert.
Die Menschen können ihren Sommerurlaub unbesorgt buchen. Es gibt ausreichend Kerosin.
Österreich hat Schwechat
„Märkte funktionieren“, sagt die AUA-Chefin. Zwar seien nach den Spannungen im Nahen Osten kurzfristig Unsicherheiten entstanden, inzwischen hätten sich jedoch neue Lieferwege etabliert. Raffinerien in Europa würden ihre Produktion entsprechend anpassen, zusätzliche Importe kämen unter anderem aus Nordamerika und Afrika. Gerade mit der Raffinerie in Schwechat verfüge Österreich über eine gute Ausgangslage.
Luftverkehr weiter im Aufwind
Die Sorge vieler Reisender sei dennoch spürbar. „Wir sehen, dass viele Menschen derzeit sehr kurzfristig buchen“, berichtet Mann. Dabei gebe es keinen Grund, mit der Urlaubsplanung zuzuwarten. Im Gegenteil: Wer früher bucht, habe oft die größere Auswahl und die besseren Preise.
Die aktuelle Debatte ändert für Mann nichts an einer grundsätzlichen Entwicklung: Menschen wollen reisen – heute mehr denn je. Von einem Wendepunkt für die Luftfahrt könne keine Rede sein, sagt die Managerin. Zwar gebe es immer wieder Krisen, die kurzfristig Auswirkungen hätten, langfristig sei das Reisebedürfnis der Menschen aber ungebrochen.
Menschen sind immer gereist – und sie werden auch weiterhin reisen.
Generation von Flugreisenden
Besonders sichtbar werde das bei jüngeren Generationen. Während Flugreisen früher für viele Familien etwas Besonderes gewesen seien, gehöre das Reisen heute für viele junge Menschen selbstverständlich zum Leben dazu. Gleichzeitig würden Gesellschaften immer internationaler. Auslandssemester, internationale Freundeskreise oder Familienmitglieder in verschiedenen Ländern führten dazu, dass Reisen längst nicht mehr nur Urlaub bedeute.
Immer mehr Menschen reisen, um Freunde oder Familienmitglieder zu besuchen.
Die klassische Trennung zwischen Geschäfts- und Urlaubsreise greife deshalb zu kurz. Neben touristischen Reisen spiele der Besuch von Verwandten und Bekannten eine immer größere Rolle.
Kleines, aber wichtiges Puzzleteil
Für Austrian Airlines bedeutet das vor allem eines: Österreich mit der Welt zu verbinden. Die Airline sei zwar gemessen am globalen Luftverkehr nur ein kleines Puzzleteil, für den Standort Wien und Österreich jedoch von enormer Bedeutung. Eine Studie beziffert die Wertschöpfung des Luftverkehrs für die Region Wien auf rund acht Milliarden Euro jährlich. Austrian Airlines trägt als größte Airline am Standort einen wesentlichen Teil dazu bei. Neben Touristen profitieren davon Kongresse, internationale Unternehmen und zahlreiche Arbeitsplätze.
„Unsere wichtigste Aufgabe ist die Konnektivität“, sagt Mann. Gerade ein exportorientiertes Land wie Österreich sei auf gute internationale Verbindungen angewiesen. Das gelte sowohl für Unternehmen als auch für den Tourismus.
Was die Lufthansa Group plant
Gleichzeitig verändert sich die Branche. Innerhalb der Lufthansa Group werden zahlreiche Bereiche enger zusammengeführt – von digitalen Anwendungen bis hin zur Netzwerkplanung. Für die Kunden soll das vor allem Vorteile bringen.
Statt mehrere kleine Digitalabteilungen zu betreiben, bündelt die Gruppe ihre Ressourcen. Dadurch entstehen neue Möglichkeiten bei Apps, Buchungssystemen und digitalen Services. Auch Künstliche Intelligenz gewinnt an Bedeutung, etwa bei der Flugplanung, im Kundenservice oder in der Ausbildung von Piloten.
AUA als Gastgeber
Trotz aller technologischen Entwicklungen sieht Mann die Zukunft der Luftfahrt aber nicht in erster Linie in Algorithmen. Für die AUA-Chefin beginnt guter Service lange vor dem Einstieg ins Flugzeug. Die Airline investiert deshalb nicht nur in neue Kabinen, Sitze oder digitale Angebote, sondern vor allem in ihre Unternehmenskultur.
Verlässlichkeit erwarten die Gäste. Begeistert werden sie durch Menschen.
„Gastfreundschaft kann man nicht verordnen“, sagt Mann. Entscheidend sei die Haltung der Mitarbeiter. Schon bei der Auswahl neuer Kolleginnen und Kollegen werde deshalb darauf geachtet, ob jemand Freude daran habe, sich um andere Menschen zu kümmern.
AUA-Momente, die bleiben
Ein Beispiel dafür ist das interne Programm „One Million Stories“. Die Idee dahinter: Jedes Jahr sollen möglichst viele Passagiere einen besonderen Moment erleben, von dem sie später erzählen. Das kann eine kleine Aufmerksamkeit zum Geburtstag sein, eine Überraschung zum Hochzeitstag oder ein Mitarbeiter, der dafür sorgt, dass ein knapp umsteigender Koffer sein Ziel doch noch erreicht.
Viele dieser Geschichten entstehen spontan, andere werden gezielt ermöglicht. Für Mann zeigt sich genau darin die Stärke der Marke Austrian Airlines: Nicht in spektakulären Technologien, sondern in den Menschen, die sie mit Leben füllen.
Was künftig über Erfolg entscheidet
Denn so wichtig Digitalisierung, Datenanalyse und Künstliche Intelligenz künftig auch sein mögen – am Ende sind es oft die kleinen zwischenmenschlichen Momente, an die sich Reisende erinnern. Und genau diese Geschichten, davon ist Annette Mann überzeugt, werden auch in Zukunft den Unterschied machen.