Weingenuss: Edle Tropfen aus Tirol

Schon Martin Luther schwärmte: „Bier ist Menschenwerk, Wein aber ist von Gott!“ Ganz so stimmt das nicht, im Gegenteil – es steckt sehr viel Arbeit in den edlen Tropfen. Dass Wein aber genusstechnisch nahezu ans Übermenschliche grenzt, darüber sind sich Weinliebhaber weitestgehend einig. Und wer nun glaubt, dass Weinbau und -herstellung nur dem Osten Österreichs vorbehalten sind, der irrt. Denn auch Tirol kann mit kleinen aber feinen Winzerbetrieben aufwarten.

Weinbau in Tirol.

„Weinbau in Tirol hat zwar Geschichte, ist aber heute aufgrund der geringen Produktionsmenge – Tirol verfügt über eine Rebfläche von nur rund 16 Hektar – bei einigen noch unbekannt. Das wird sich jedoch in Hinblick auf die Klimaerwärmung und das steigende Interesse am Weinbau in den nächsten Jahrzehnten ändern“, ist sich Peter Zoller, Obmann des Tiroler Weinbauverbands, sicher, und ergänzt: „Besonders die Leidenschaft zum Wein und die steigende Weinqualität, die durch diverse Auszeichnungen wie Falstaff, awc oder Salon-Wein belegt wird, zeichnen die Tiroler Weine aus. Sie sind ein regional begehrtes Nischenprodukt mit starker Nachfrage.“

Peter Zoller, Obmann Tiroler Weinbauverband

Erntezeit.

In Tirol steht nun die Weinlese bevor – mit Ende September bis Ende Oktober ist die Traubenlese hierzlande rund zwei Wochen später als im Osten, was mitunter vom Wetterverlauf und der (Höhen-)Lage abhängt. „Der Rebstock hat durch diese längere Vegetationszeit aber mehr Zeit, Aromastoffe in die Beeren einzulagern“, erklärt der Experte.

Weinernte

Tiroler Weinspezialitäten. 

Und was macht den Tiroler Wein so besonders? „Die vielen Sonnenstunden in der Vegetationszeit und die hohen Temperaturunterschiede zwischen Tag und Nacht im Herbst lassen in Tirol Weine mit viel Frische, Extrakt und Aroma entstehen“, weiß Zoller. Erhältlich sind die exzellenten Tropfen großteils ab Hof, auf Bauernmärkten oder in der Gastronomie. „Mit dem Fachwissen, der Kellerwirtschaft, der Sensorik und vor allem der Liebe zum Wein sind künftig noch viele gute Tropfen in Tirol zu erwarten“, ergänzt der Obmann. 

Wussten Sie, dass. . .
. . . in Tirol derzeit 16 Hektar Rebfläche angebaut werden? 
. . . es in Tirol 10 Rebsorten gibt: Zweigelt, Pinot Noir, Weißburgunder, Sauvignon Blanc, Müller Thurgau, Grüner Veltliner und Chardonnay sowie drei Pilz-widerstandsfähige Rebsorten: Solaris (Weiß) und die zwei Roten Rösler und Baco Noir. 
. . . der Tiroler Weinbauverband aktuell 70 Winzer umfasst? Der Großteil von ihnen produziert für den Eigenbedarf. 

Rebsorten

Kleine Geschichte des Tiroler Weinanbaus. 

Schon Schon vor über 1.000 Jahren wurden in Nordtirol geschützte Hänge für den Weinbau genutzt. Erstmals urkundlich erwähnt wurde der Tiroler Weinbau 965, als von Wein aus Sautens die Rede war. Weitere Weingärten fanden sich dann in Telfs, Ötz, rund um Innsbruck oder in Prutz. Im Mittelalter gab es dank des damals milden Klimas einen Aufschwung – als besonderer Förderer gilt Kaiser Maximilian I., der Weingärten in der Nähe der Martinswand in Zirl anlegen ließ. Ab dem 16. Jahrhundert kam es u. a. aufgrund der Klimaverschlechterung und der besseren Erreichbarkeit von Südtirol zu einem Rückgang des Weinbaus. Erst seit den letzen Jahren floriert der Nordtiroler Weinbau zunehmend.

Autor: Manuela Fritz , 18.09.2020