Startup-Szene in Tirol – Nachhaltig gegründet

Im Jahr 2019 wurden in Tirol 2.880 neue Unternehmen gegründet, seit Aufzeichnungen der WK Tirol 1993 liegt Tirol mit seither insgesamt 58.433 Neugründungen österreichweit im guten Mittelfeld. Erfahrungsgemäß aber reicht eine gute Idee nicht für Erfolg aus, wie Martin Granig, Startup-Beauftragter der Jungen Wirtschaft Tirol und selbst Gründer des FinTech Startups Monkee, erklärt: „Die Idee ist wichtig und markiert natürlich den Start, macht jedoch nur einen kleinen Teil des Erfolgs aus. Vorab: Die Idee muss einen persönlich so begeistern und motivieren, dass man dafür bereit ist, sehr viel Zeit, Energie und oft auch Geld zu investieren. Ohne eine ausgezeichnete Ausführung ist eine Idee aber leider nicht viel wert.“

Grafik Neugründungen

Anlaufstellen. 

Um die ersten Schritte in die Selbständigkeit bestmöglich zu bewältigen, stehen Neugründern in Tirol, eine Reihe von Anlaufstellen und Unterstützungs-Tools zur Seite, wie die Junge Wirtschaft als Interessensvertretung, die Standortagentur Tirol als Netzwerkpartner oder das Gründerservice als Erstberatungsstelle, um nur einige zu nennen (siehe Auflistung unten). „Ich empfehle jedem Neugründer, nicht nur rechtzeitig mit der Planung zu beginnen, sondern auch sämtliche Hilfestellungen wie das kostenlose Service des Gründerservice in Anspruch zu nehmen. 2019 haben wir mehr als 6.000 Beratungsgespräche durchgeführt“, erklärt Stefan Scholze, Teamleiter Günderservice der WK Tirol. Granig geht noch einen Schritt weiter: „Natürlich kann man auch alleine gründen. Ich empfehle aber ein so genanntes ,Team aus Superstars‘, also ein Gründerteam mit zwei bis drei Gründern, die in derselben Situation stecken. Denn dadurch bringt jeder seine Stärken, Gedanken und Kontakte ein, und Hürden können gemeinsam genommen werden.“

Wertvolle Tipps. 

„Im Zuge der Recherche erkennen manche oft, dass es bereits Startups mit ähnlichen Ideen gibt – in diesem Fall darf man sich von seiner Idee nicht abbringen lassen, muss aber Alleinstellungsmerkmale herausarbeiten“, weiß Granig und ergänzt: „Wichtig ist auch, dass man mit seiner Idee ein tatsächliches Problem löst bzw. sie dem Kunden einen handfesten Mehrwert bietet.“ Weiters empfiehlt er, Netzwerke zu nutzen und über seine Idee zu sprechen: „Man soll keine Angst davor haben, dass einem die Idee gestohlen wird und sie deshalb geheim halten. Das passiert nur sehr, sehr selten. Stattdessen erfährt man mit jedem Gespräch neue wertvolle Erkenntnisse, stolpert über brauchbare Tipps und es ergeben sich auch oft ,Zufälle‘, die essentielle Wendung für den Erfolg mit sich bringen. So ist es auch uns z. B. bei der Gündung unseres Startups Monkee passiert.“ www.monkee.rocks

In Zeiten von Corona. 

In diesem Jahr muss natürlich in jedem Bereich des Lebens die Corona-Pandemie berücksichtigt werden. Das gilt auch für Neugründungen, wie Granig erklärt: „Es gibt freilich Gewinner und Verlierer durch die Corona-Pandemie. Während Tourismus-,Gastro- und Veranstaltungsfokussierte Startups im Moment zu kämpfen haben, wachsen viele andere, meist digitale. Startups, die während der Corona-Krise auf Investorensuche sind, müssen sich meist auf eine längere Suche vorbereiten. Es ist davon auszugehen, dass Corona nachhaltig beeinflussen wird, wie wir beispielsweise kommunizieren (Video-Konferenzen), zusammenarbeiten (Collaboration-Tools), lernen (e-learning), einkaufen (Online-Handel) oder mit unseren Finanzen umgehen (Finanzapps) – dies alles bietet viele Chancen für neue Startups.“

Anlaufstellen in Tirol: 

- Gründerservice: Erstberatung, Hilfestellungen wie Gründerleitfaden, Mindestumsatzrechner, Businessplan-Software Plan4You. www.gruenderservice.at
- Junge Wirtschaft: Interessenvertretung & Servicestelle für Jungunternehmer, größtes Jungunternehmernetzwerk. www.jungewirtschaft.at
- Inncubator: Begleitung v. a. in der frühen Gründungsphase (in Kooperation von Uni Innsbruck und WK Tirol) Besonderheit: Hightech-Werkstätten können für den Prototypen-Bau genutzt werden. www.inncubator.at
- Startup Tirol: Unterstützung von Forschenden, Studierenden und Wissenschaftlern bis zum Markteintritt oder zur Investmentreife. www.startup.tirol
- Standortagentur: Netzwerk (regional, national, international) für Unternehmen, Forschungseinrichtungen, Gemeinden und Regionen. www.standort-tirol.at
- I.E.C.T.: Förderung und Unterstützung von Ideen aus der Forschung. www.iect.at
- Werkstätte Wattens: Internationales Zentrum für Gründer in unterschiedlichen Entwickungsphasen. www.werkstaette-wattens.at

Autor: Manuela Fritz, 19.11.2020