Skitourengehen: Tipps für den sicheren Winterstart

Skitourengehen liegt im Trend. „Die Bewegung in der Natur Ruhe und Abenteuer, das Bergerlebnis, der Gesundheitsaspekt – das alles macht den besonderen Reiz aus“, so Gerhard Mössmer, Abteilung Bersport des Österreichischen Alpenvereins, der aber auch ergänzt: „Auch wenn man manchmal den Eindruck hat, dass auf manchen Touren gefühlt Massen unterwegs sind, gab es letztes Jahr keinen Boom. Das hat vielmehr mit den Schneebedingungen zu tun: Bei wenig Schnee ist z.B. auf Pistentouren einfach mehr los.“

Guter Saisonstart

Zunächst: Ohne Kondition geht am Berg nichts, Laufen oder flottes Gehen ist also eine gute Vorbereitung, ebenso wie Kraftübungen: „Stiegensteigen, Kniebeugen oder mit angewinkelten Beinen an der Wand sitzen stärkt die Beine“, weiß der Experte und ergänzt: „Gerade bei Anfängern ist nicht die Lawine, sondern vielmehr Kondition und Technik ein Gefahrenfaktor. Daher: lieber klein anfangen, also nicht zu lange oder zu steil. Zudem auf ein gleichmäßiges, kontrolliertes Tempo achten. Die Ski flach am Boden führen. Und auch die Skitechnik sollte passen. Hin und wieder schadet es auch nicht, ,pisteln‘ zu gehen – das fördert die Technik, weil man viel mehr Abfahrtsmeter zurücklegt als beim Tourengehen. Was viele zudem vergessen: man braucht Kraft nicht nur für den Aufstieg, sondern auch für die Abfahrt. Unverspurter Pulverchnee ist eher die Ausnahme. Vielmehr hat man oft mit Altschnee zu tun, und das kann anstrengend sein.“

Die Ausrüstung

Zu Beginn der Saison ebenfalls essentiell: die Kontrolle der Ausrüstung. „Sind die Skikanten und der Belag noch gut? Kleben die Felle? Passt die Bindung und der Skischuh noch? Wie ist es mit den Stöcken? Braucht das LVS neue Batterien? Und wie funktioniert das nochmal genau? Das alles daheim zu checken kann böse Überraschungen ersparen“, so Mössmer.

 

Die Bedingungen

Vorbereitung ist das A und O – und vor jeder Tour Pflicht, weiß Mössmer: „Den Lawinenlagebericht sowie den Wetterbericht schaue ich mir vor jeder Tour an, auch wenn ich dies praktisch auswendig kenne. Auf neuen Touren schaue ich mir auch vorab das Kartenmaterial an.“ Tipp: unter lawinen.report findet sich immer die aktuelle Analyse. Praktisch ist zudem www.alpenvereinaktiv.com (auch als App) und der Wetterbericht der ZAMG.

Unterwegs auf der Piste

Aber auch auf Pistentouren gibt es einiges an Regeln zu beachten. Denn für ein konfliktfreies und sicheres Miteinander auf den Pisten braucht es gegenseitige Rücksichtnahme, gerade in vielfrequentierten Gebieten. Bereits 13 Tiroler Skigebiete setzen auf Besucherlenkung, mit 35 ausgeschilderten Aufstiegsrouten – samt Abendpistentouren (alle Infos hier). Auch Mössmer appelliert an die Tourengeher: „Bei Pistenpräparierung in der Nacht, Seilwinden etc. muss man nicht unterwegs sein. Genauso wenig muss man in Schutzgebieten unterwegs sein oder mit einer 2.000 Lumen Stirnlampe in der Nacht im Gelände Touren gehen. Es gibt genug coole Routen, wichtig ist der Respekt vor Regeln und Verboten, aber auch der Natur eine Pause zu gönnen.“

Achtung, Lawine!

Nicht unterschätzen darf man auch das Risiko von Lawinen. Viele Lawinenunfälle wären nämlich vermeidbar. Wie bereitet man sich auf Touren abseits von Skipisten vor? Welche Ausrüstung gehört in den Rucksack? Was muss man bei der Tourenplanung beachten und welche Faktoren unterstützen die Entscheidungen vor Ort? Themen rund um die praktische Lawinenkunde und Rettungstechnik sind für alle relevant, die im Winter am Berg unterwegs sind. Das aktuelle Lawinenupdate 2021 ist bereits online auf Youtube abrufbar, mit Daten aus dem Vorjahr, anhand derer selbst Profis noch etwas lernen können. Und das wichtigste: Üben, üben, üben – z.B. in einem Kurs. „Im Ernstfall müssen die Griffe sitzen. Was in der Theorie logisch klingt, ist in der Praxis  unter Stress oft schwierig umzusetzen. Hier zählt aber jede Sekunde.“

Die Stop or Go-Methode hilft dabei, Gefahrenzeichen im Gelände zu erkennen und Entscheidungen zu treffen.

Foto: ©Gerhard Mössmer

Autor: Alexandra Nagiller, 06.12.2021