Olympia: Jakob Schubert auf Medaillenkurs

Die Kletter-WM 2018 in Innsbruck war die ideale Generalprobe für Olympia. Erstmals wurde damals im olympischen Wettkampfformat angetreten: Speed, Bouldern und Vorstieg gemeinsam. Jakob Schubert konnte sich damals den Weltmeistertitel sichern – und eine große Portion Selbstbewusstsein für die Olympischen Spiele in Tokio. Doch dann kam Corona.

Plötzlich alles anders

„Die größte Herausforderung ist nicht die physische Wettkampfform, sondern die mentale Komponente“, erklärt Trainer Kilian Fischhuber, der selbst Europameister, zweifacher Vizeweltmeister und fünffacher Boulder-Weltcupsieger ist. Vielmehr sei die Ungewissheit 2020 schwierig gewesen: „Jetzt haben wir ein konkretes Ziel vor Augen, auf das wir uns fokussieren können – Tokio wird stattfinden. Zudem gibt es heuer ein paar Wettbewerbe – das ist wichtig als Messlatte und Ansporn für die Athleten.“ Und die Formkuve bei Jakob stimmt: Im Vorjahr gab es schlussendlich nur einen einzigen Weltcup in Briancon (Frankreich), bei dem er Platz drei holte, bei den Austrian Summer Series holte er den Gesamtsieg. Heuer gab es immerhin schon drei Wettbewerbe im Bouldern und einen Speed-Weltcup. Nun stand Innsbruck mit Vorstieg und Bouldern am Programm – mit Jakob als Favorit. Dieser Rolle wurde er gerecht: Im Vorstieg konnte er mit seine Sieg auch viel Selbstbewusstsein mitnehmen.

Wettkampf in Innsbruck

Neben Jakob ist auch Jessica Pilz für Olympia qualifiziert, diese fällt aber aufgrund einer Ringbandverletzung aktuell aus. „Bis Olympia sollte sie aber wieder fit sein“, so Kilian Fischhuber. Also blickt aktuell alles auf Jakob. Dieser ist noch nicht ganz mit seiner Form zufrieden. In seiner Paradedisziplin Vorstieg ist er top. Der Fokus der letzten Wochen lag auf Bouldern. Diese beiden Disziplinen stehen in Innsbruck am Programm. „Ich bin noch nicht ganz in Topform, aber bis Tokio klappt das. Hier findet der große Olympiatest statt, weil die Routensetzer von Olympia die Routen schrauben – deshalb  sind alle guten Athleten  dabei.“

Ohne Publikum

Die Wettbewerbe in Innsbruck fanden diesmal ohne Publikum statt. „Das wäre natürlich toll gewesen vor Heimpublikum zu klettern, doch die Athleten sind das inzwischen gewöhnt“, so Kilian Fischhuber. Jakob Schubert geht das allerdings schon etwas ab: „Es hat richtig gut getan, in Salt Lake City vor Publikum zu klettern. Es geht natürlich auch ohne, aber es fehlt etwas, das gewisse Extra, das einen noch mehr pusht. Bei Olympia wird die Situation aber gleich sein. Dort sind die Regeln sogar noch verschärfter. Laut Playbook dürfen nicht einmal die Trainer und das Team anfeuern. Ich hoffe, dass zumindest das noch gelockert wird.“ 

Der Countdown

Nach Innsbruck steht übrigens noch ein Wettbewerb in der Schweiz und eventuell einer in Frankreich an, dann gilt der volle Fokus auf Olympia. „Ich werde die nächsten Wochen intensiv in Innsbruck trainieren“, erzählt Jakob, der auch verrät, dass hier vergangene Woche eine spannende Simulation stattgefunden hat. „Wir haben in einem Testwettkampf mit allen drei Disziplinen das Finale simuliert. Zum einen gibt es heuer nirgends einen Wettkampf mit allen drei Disziplinen. Zum anderen ist es uns auch um die Rahmenbedingungen gegangen, dass die Athleten die Belastungen rundherum auch erleben, wie sie sich die Zeit einteilen sollten, wie mit dem Druck umgehen etc.“, erklärt Kilian. So viel können wir verraten: mit der Boulder-Performance war Jakob sehr zufrieden. Seine Favoritenrolle steckt er also ganz gut weg.

Die Herausforderungen

„Die Nervosität kommt noch“, schmunzelt Jakob. Das sei aber auch gut und wichtig, um sein Bestes abrufen zu können. Und das wird auch nötig sein: Denn Klettern ist in Japan Volkssport, dementsprechend gut sind auch die heimischen Athleten – die einzigen, die die neu erbaute Anlage bereits kennen. Auch das schwül-heiße Klima wird eine Herausforderung. Eine Woche vor den Wettkämpfen geht es nach Japan, wo auch Jakob und Jessica dann die Möglichkeit haben, in der Olympiahalle zu trainieren und sich zu akklimatisieren. Wir wünschen auf jeden Fall viel Glück!                 

Tiroler bereit für Olympia

Klettern ist in Tokio erstmal olympisch, und zwar mit einer Kombinationsdisziplin bestehend aus Vorstiegsklettern (Lead), Bouldern und Speedklettern. Jakob Schubert gilt als amtierender Vizeweltmeister als einer der Favoriten.
Rund 11.100 Athleten aus 206 Nationen werden an den Olympischen Spielen in Tokio teilnehmen. In 33 Sportarten stehen 339 Bewerbe an. Für Österreich werden 80 Athleten an den Start gehen, aus Tirol qualifiziert haben sich neben Jakob Schubert (Klettern) auch Bernadette Graf (Judo), Laura Stigger (MTB), Simon Bucher (Schwimmen) und Luis Knabl (Triathlon). Christine Wolf (Golf) gilt auch als so gut wie fix (Nennfrist ist am 28. Juni). Die Olympischen Spiele finden von 23. Juli bis 8. August 2021 statt.

 

Autor: Alexandra Nagiller, 22.06.2021