Direkt zum Inhalt
Feuerwehr Themenbild für Murenabgang im Kaunertal.
Im Kaunertal wurden rund 200 Menschen von Muren eingeschlossen.
Im Kaunertal wurden rund 200 Menschen von Muren eingeschlossen.
Spitzi-Foto/Shutterstock.com

Muren und Hagel: 200 Menschen sitzen fest

29.06.2026 um 08:48, Yunus Emre Kurt
min read
Heftige Gewitter haben in Tirol schwere Schäden angerichtet. Muren verschütteten Straßen, ein Waldbrand brach aus und rund 200 Menschen saßen im Kaunertal fest.

Inhalt

Heftige Gewitter haben am Wochenende in mehreren Regionen Tirols für massive Schäden gesorgt. Besonders betroffen waren das Kaunertal, das Tiroler Oberland und Teile des Zillertals. Muren verschütteten Straßen, Bäche traten über die Ufer und ein Blitz löste sogar einen Waldbrand aus. 

Besonders dramatisch war die Lage im Kaunertal: Rund 200 Menschen konnten das Tal nach mehreren Murenabgängen nicht mehr verlassen und mussten die Nacht in Unterkünften verbringen.

Muren verschütten Gletscherstraße

Das Unwetter zog am Sonntagnachmittag mit voller Wucht über das Kaunertal. Im Bereich des Röstizkogels und der Watzespitze gingen nach massivem Hagelschlag mehrere Muren ab. Die Kaunertaler Gletscherstraße wurde an mehreren Stellen verschüttet, Teile der Fahrbahn wurden weggespült und auch die Stromversorgung fiel aus. 

Dadurch war der hintere Talbereich plötzlich von der Außenwelt abgeschnitten. Die eingeschlossenen Ausflugsgäste wurden in Gastronomiebetrieben und Unterkünften versorgt. Besonders gefährdete Personen brachte der Polizeihubschrauber „Libelle Tirol“ bereits am Sonntag in Sicherheit.

Bundesheer unterstützt Evakuierung

Seit Montagmorgen läuft die Evakuierung der verbliebenen Personen. Auf Ersuchen des Landes Tirol unterstützt das Bundesheer die Einsatzkräfte mit zwei Hubschraubern der Luftstreitkräfte. Ein AW169 „Lion“ sowie eine AB 212 bringen die Eingeschlossenen schrittweise aus dem Tal. Damit die Luftrettung möglichst ohne Unterbrechungen erfolgen kann, wurde zusätzlich ein Tankfahrzeug des Bundesheeres ins Kaunertal verlegt. 

Verteidigungsministerin Klaudia Tanner betonte die Bedeutung des Einsatzes: „Wenn Menschen in Not sind, zählt jede Minute. Unsere Mannschaft ist rund um die Uhr einsatzbereit, um in solchen Situationen rasch und professionell zu helfen.“

Waldbrand und schwierige Rettungseinsätze

Auch in anderen Teilen Tirols sorgte das Unwetter für zahlreiche Feuerwehreinsätze. Bei Tux löste ein Blitzschlag einen Flächen- und Waldbrand aus. Die Feuerwehr konnte die Flammen rasch unter Kontrolle bringen und ein Ausbreiten verhindern. 

Im Zillertal wurde ein Rettungseinsatz durch starken Hagel und heftigen Regen massiv erschwert. Zwei Personen waren mit einem Quad von einer Forststraße abgestürzt und mussten mithilfe eines Taues aus dem steilen Gelände geborgen werden. Beide Verletzten wurden anschließend in Krankenhäuser eingeliefert.

Überschwemmungen und Verklausungen

Auch zahlreiche Bäche führten aufgrund der starken Niederschläge plötzlich Hochwasser. In Tösens kam es zu einer Verklausung eines Talbaches, während in St. Leonhard im Pitztal eine Mure abging. In Rohrberg drang Wasser in ein Gebäude der Zillertalbahn ein. 

Bereits am Vortag hatte die GeoSphere Austria für den Westen Tirols die Warnstufe Orange ausgegeben und die Warnungen am Sonntag auf weitere Regionen ausgeweitet.

more