Hochprozentig & ausgezeichnet made in Tirol

Hochprozentiges boomt in Tirol: Mit rund 4.000 Brennerinnen und Brennern und einer jährlichen Wertschöpfung von knapp 20 Millionen Euro stellt die Erzeugung von Edelbränden eine wichtige Einkommensschiene nicht nur für Tiroler Landwirte dar. Dabei brauchen die hochprozentigen Ergebnisse den internationalen Vergleich nicht zu scheuen.

Der feine Unterschied.

Doch was macht einen guten Schnaps überhaupt aus? „Es braucht frische, reife, gute Früchte – und der Brenner muss natürlich das Destillieren be errschen“, erklärt Arno Pauli. „Im Glas muss Hochprozentiges klar sein, auch wenn er aus dem Holzfass kommt. Man sollte die Frucht riechen können – und natürlich darf er keinen Vorlauf oder Nachlauf haben. Vorlauf schmeckt wie Uhu, Nachlauf dumpf und modrig. Am Gaumen soll er nicht scharf sein und einfach fein zum Trinken,“ erklärt er weiter.

Die Trends.

„Der Trend geht übrigens zu einem niedrigeren Alkoholgehalt, wie Toni Rossetti bestätigt: „Alkohol ist nur der Trägerstoff für die Aromen. Alkohol sorgt für Schärfe – früher war dieser bei 50 Prozent, heute eher bei 40 Prozent.“ Auch Regionalität ist ein Trend, wie Gerhard Maass weiß: „Auch wir haben experimentiert mit Orange oder Banane. Der Konsument schätzt es aber noch viel mehr, wenn regionale Produkte genutzt werden – und das ist auch uns wichtig.“ „Neben den klassischen Schnäpsen und Likören boomen zudem gerade Whiskey, Rum und Gin made in Tirol enorm“, ergänzt Wolfgang Kaufmann.

Hier die vier Brenner mit ihren ganz speziellen Highlights:

Kaufmann Spirits

Begonnen hat das Schnapsbrennen als Hobby, heute kann er davon sogar leben. Dabei ist für Wolfgang Kaufmann noch immer die Edelbrandherstellung das Herz seiner Brennerei – aber gerade Gin, Rum und Whiskey boomen gerade. Mit seiner Mountain-Linie hat er großen Erfolg – auch weil alle Zutaten aus Tirol kommen. „Man kann natürlich für den Rum z. B. auch die Melasse aus Florida nehmen, machen wir ab r nicht“, erzählt er. Auch sein Gino, ein alkoholfreier Gin, kommt sehr gut an. „Der Trend geht ja generell zu weniger Alkohol, und hier hat man das Gefühl eines Longdrinks komplett alkoholfrei.“ www.kaufmannspirits.com

 

Turabauer Maass

Auch Gerhard Maass ist immer auf der Suche nach dem Speziellen – sein Brand aus der Tiroler Bergmarille ist einzigartig. Rund 70 verschiedene Brände und Liköre stellt er her – besonders stolz ist er aber auf seinen Whiskey aus Fisser Gerste, den er seit 2019 anbietet. Bei den World Spirts Awards wurde dieser mit Doppelgold ausgezeichnet. Und es steht auch schon das nächste Projekt an, wie er erzählt: „Wir vermalzen Tiroler Dinkel und machen daraus Whiskey.“ www.maass-brand.at

 

Brennerei Arno Pauli

Zum Schnapsbrennen kam er aus Liebe – über seinen damaligen Schwiegervater. Und diese Leidenschaft hat ihn nicht mehr losgelassen. 35 Sorten produziert er aktuell – auch Whiskey, und weil sich das so gut ergänzt, betreibt er auch eine Bierbrauerei. „Das Einmeischen funktioniert ja gleich“, erklärt der Experte, der heuer auch eine internationale Ausbildung zum Gin- und Whiskey Ambassador absolviert hat. Aktuell beschäftigt er sich gerade mit Whiskey, aber auch Gin: „Die Aromen sind faszinierend.“ www.arnopauli.at

 

Toni Rosetti

Toni Rossetti ist ein Tüftler: Ob Herzbeere, Absinth oder Rum – alles wird probiert. Manches funktioniert – und manches besonders gut. So war er auch daran beteiligt, dass heute MPreis aus dem nicht verkauften Brot einen Gin destilliert. „Die Gewürze und die unterschiedlichen Brote waren eine Herausforderung, weil für den Gin eine möglichst neutrale Note nötig ist. Aber so ist z. B. auch ein Vinschgerlbrand entstanden.“ Aktuell verfeinert er gerade seine Apfelbrände: „Diese haben ein besonders zartes Aroma, Fehler machen sich schnell bemerkbar.“ www.rossetti.at

Autor: Alexandra Nagiller, 20.12.2020