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Frau vor dem Notebook | Credit: Kong AP/Shutterstock
Kong AP/Shutterstock
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Gedämpfte Aussichten am Tiroler Arbeitsmarkt

04.05.2026 um 13:42, Online Promotion
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Mit Stichtag 30.04.2026 waren in Tirol 21.639 Personen arbeitslos vorgemerkt. Im Vergleich zum Vorjahr sind das um +569 Menschen mehr (+2,7 %).

Sieben von zehn arbeitslos vorgemerkten Personen (71,9 %) sind seit weniger als 3 Monaten arbeitslos vorgemerkt. Zwei von fünf haben aktuell eine Einstellzusage (40,7 %) von einem Betrieb und fast ebenso viele waren zuletzt in der Beherbergung und Gastronomie beschäftigt (38,9 %). Österreichweit ist die Arbeitslosigkeit um +2,7 % gestiegen und aktuell sind in Österreich 320.316 Menschen arbeitslos vorgemerkt.

Der Tiroler Arbeitsmarkt zeigt sich weiterhin robust und die Arbeitslosenquote bleibt vergleichsweise niedrig. Gleichzeitig hält die wirtschaftliche Stagnation nun schon seit über zwei Jahren an und die geopolitischen Unsicherheiten nehmen leider nicht ab. Auf einen nachhaltigen Rückgang der Arbeitslosigkeit müssen wir daher weiter warten.

Sabine Platzer-Werlberger, Landesgeschäftsführerin AMS Tirol

Bei 21.639 Arbeitslosen und geschätzten 350.000 unselbständig Beschäftigten betrug die Arbeitslosenquote im April 2026 in Tirol 5,8 %. Im Bundesländervergleich ist das hinter Oberösterreich und Salzburg der drittniedrigste Wert. Im Vergleich zum Vorjahr hat sich die Arbeitslosenquote in Tirol nicht verändert.

Langzeitbeschäftigungslosigkeit steigt weiter 

Aktuell sind in Tirol 2.353 Menschen langzeitbeschäftigungslos, was einem Anstieg von +17,4 % bzw. +348 Personen gegenüber dem Vorjahr entspricht. Sie sind seit über einem Jahr, ohne längere Unterbrechungen durch kurze Beschäftigungsepisoden oder Schulungen, beim AMS arbeitslos vorgemerkt. Mehr als die Hälfte der Langzeitbeschäftigungslosen (53,3 %) hat gesundheitliche Einschränkungen oder eine Behinderung, die ihre Vermittlungschancen beeinträchtigen. Fast ebenso viele verfügen maximal über einen Pflichtschulabschluss (51,5 %) oder sind älter als 50 Jahre (47,5 %).

Neben der Fachkräftesicherung bleibt die steigende Langzeitbeschäftigungslosigkeit unsere zentrale Herausforderung. Die Risikofaktoren Gesundheit, Alter und geringe Qualifikation machen deutlich, wie anspruchsvoll die Reintegration der betroffenen Menschen ist.

Sabine Platzer-Werlberger, Landesgeschäftsführerin AMS Tirol

In Tirol sind aktuell 10,9 % der arbeitslos vorgemerkten Menschen auch langzeitbeschäftigungslos. Dieser Wert liegt deutlich unter der österreichweiten Quote von 32,3 %. Der Anteil von Langzeitbeschäftigungslosen an allen Arbeitslosen ist in Tirol bei den Männern mit 12,9 % etwas höher als bei den Frauen (9,0 %). Im Bezirk Innsbruck Stadt/Land (20,2 %) sind besonders viele arbeitslos vorgemerkte Personen auch langzeitbeschäftigungslos. Im Bezirk Landeck beträgt dieser Anteil aufgrund der vom Tourismus geprägten hohen Saisonalität aktuell lediglich 0,9 %.

Arbeitslosigkeit gestiegen 
↑ +569 | +2,7 % auf 21.639 Personen

Beschäftigung gestiegen 
↑ +6.000 | +1,6 % auf 350.000 unselbständig Beschäftigte

Arbeitslosenquote stabil 
↔ +0,0 %-Punkte auf 5,8 %

Gedämpfte Aussichten am Tiroler Arbeitsmarkt

Frauen aktuell stärker betroffen 

Die Zahl der arbeitslos vorgemerkten Frauen ist im Vergleich zum Vorjahr um +4,8 % auf 11.151 gestiegen. Bei den Männern konnte ein Anstieg um +0,5 % auf 10.488 beobachtet werden. Die (geschätzte) Arbeitslosenquote der Frauen liegt mit 6,3 % deutlich über jener der Männer (5,4 %). Bei den Frauen liegt die Arbeitslosenquote um +0,2 %-Punkte über dem Vorjahresniveau. Bei den Männern ist sie stabil.

Spürbarer Anstieg der Arbeitslosigkeit im Arbeitsmarktbezirk Innsbruck 

Ein überdurchschnittlicher Anstieg der Arbeitslosigkeit kann in den Bezirken Innsbruck Stadt/Land (+5,1 %), Imst (+4,7 %), Reutte (+2,9 %) und Landeck (+2,7 %) beobachtet werden. Lediglich im Bezirk Kitzbühel (-2,5 %) sind aktuell weniger Menschen arbeitslos vorgemerkt als vor einem Jahr. In den übrigen Bezirken blieb die Arbeitslosigkeit relativ stabil. Allein im größten Arbeitsmarktbezirk Innsbruck sind +399 Menschen mehr arbeitslos als im Vorjahr (Tirol gesamt: +569). 

Arbeitslosigkeit trifft Junge und Drittstaatsangehörige stärker 

Besonders deutlich gestiegen ist die Arbeitslosigkeit bei den Jugendlichen unter 25 Jahren (+6,9 % bzw. +159). Die Arbeitslosigkeit von Älteren (50 Jahre und älter) ist im Vorjahresvergleich lediglich um +1,2 % bzw. +79 gestiegen. Die Arbeitslosigkeit von Menschen aus sonstigen Drittstaaten ist im Vorjahresvergleich um +5,4 % gestiegen. Bei Menschen mit österreichischer Staatsbürgerschaft (+2,9 %) und bei den EU- Bürger_innen (+0,7%) fiel der Anstieg weniger deutlich aus. 

Lebenslanges Lernen ist bestes Mittel gegen Arbeitslosigkeit 

Ende April hatten 40,0 % der vorgemerkten Arbeitslosen maximal einen Pflichtschulabschluss. Diese Personen arbeiteten hauptsächlich in Hilfsberufen und besitzen weder einen Lehrabschluss noch eine höhere Schulbildung. Die Arbeitslosenquote von Menschen mit maximal Pflichtschulabschluss betrug zuletzt 13,2 %. Bei Personen mit abgeschlossener Lehrausbildung lag dieser Wert bei 3,6 % und bei Akademiker_innen bei 2,1 %. 2.807 Personen nehmen aktuell an Schulungsmaßnahmen des AMS Tirol teil. Das sind im Vorjahresvergleich um +274 Personen oder +10,8 % mehr.

Arbeitslosigkeit in Industrie und Bau gesunken 

In der Beherbergung und Gastronomie (+199 bzw. +2,4 %), im Handel (+129 bzw. +5,0 %), im Bereich Verkehr und Lagerei (+78 bzw. +4,4 %) und bei den wissenschaftlichen und technischen Dienstleistungen (+59 bzw. +14,5 %) liegt die Arbeitslosigkeit in absoluten Zahlen spürbar über dem Niveau des Vorjahres. Gesunken ist die Arbeitslosigkeit hingegen in der Warenherstellung (-77 bzw. -5,3 %) und in der Baubranche (-40 bzw. +4,4 %).

Weniger offene Stellen beim AMS gemeldet 

Die Anzahl der beim AMS Tirol zur Besetzung gemeldeten offenen Stellen liegt weiterhin unter dem Vorjahresniveau. Ende April waren beim AMS Tirol 6.526 sofort verfügbare offene Stellen gemeldet, was einem Rückgang von -4,9 % oder -339 Stellen im Vorjahresvergleich entspricht. Besonders stark vom Stellenrückgang betroffen sind der Handel (-165 bzw. -12,2 %), das Gesundheits- und Sozialwesen (-131 bzw. -27,1 %), in der Beherbergung und Gastronomie (-75 bzw. -7,7 %) und der Warenherstellung (-66 bzw. -7,2 %). In der Arbeitskräfteüberlassung (+147 bzw. +18,8 %), in der öffentlichen Verwaltung (+31 bzw. +17,3 %) und bei den wissenschaftlichen und technischen Dienstleistungen (+26 bzw. +15,3 %) sind hingegen mehr offene Stellen zur sofortigen Besetzung gemeldet als vor einem Jahr.

Bedarf an Lehrlingen steigt weiter 

In Tirol ist der Bestand an sofort verfügbaren offenen Lehrstellen im Vergleich zum Vorjahr um +9,1 % auf insgesamt 1.165 gestiegen. Damit unterscheidet sich der Lehrstellenmarkt in Tirol von allen anderen Bundesländern, in denen die Anzahl offener Lehrstellen rückläufig ist. Auch die Zahl der sofort verfügbaren Lehrstellensuchenden ist im Vorjahresvergleich um +5,9 % auf 396 gestiegen. Die Zahl der offenen Lehrstellen übersteigt damit deutlich die Zahl der Lehrstellensuchenden. Diese Diskrepanz unterstreicht den fortbestehenden Bedarf an jungen Fachkräften, quer durch verschiedene Branchen.

Kontakt 

Weitere Informationen unter: www.ams.at/arbeitsmarktdaten

 

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