"Wussten, dass wir einen Hit haben": Alle Achtung im Interview

weekend: Sechs Jahre nach der Gründung der Band kennt Österreich plötzlich Alle Achtung. Wieso hat es mit "Marie" geklappt?

Max: Es ist halt ein Song mit einer Geschichte. Vorher war die Message unserer Lieder nie so ganz klar, aber Marie versteht jeder. Und der Song ist uns auch leicht von der Hand gegangen.

Stani: Der Text ist ja auch unverändert. Wir fahren zum Kreativsein immer auf eine Hütte in Trahütten und der Text ist genau so, wie er dort entstanden ist. Angespielt hat es sich gut, aber man kann selber nie sagen, ob es jetzt ein Hit ist.

Patrick: Na doch, Wir haben Stani nach den Tagen auf der Hütte heimgebracht und zu seiner Frau gesagt: Wir haben einen Hit. 

weekend: Die Sterne standen 2020 günstig für euch und spielen auch im Text eine Große Rolle. Wie kam es denn zur Zusammenarbeit mit Gerda Rogers?

Stani: Wir haben beschlossen, dass wir jetzt mal unsere ganze kreative Energie in das Video stecken. Und dachten uns, wir schreiben ihr mal. Mehr als Nein sagen, kann sie nicht. Dann kam die Zusage. Und so begann eine große Liebe (lacht).

Max: Das war spannend, wir wollten ja eigentlich schon im April releasen, aber Gerda meinte, dass sie das noch nicht so früh sehen würde. Wir sollten bis Ende Mai, Anfang Juni warten. Dabei war Corona da noch nicht mal ein Thema, wir haben das alles schon früher geplant. Die Nummer war schon im Dezember fertig.  

weekend: Hat ihr Auftritt im Video zum Erfolg beigetragen?

Patrick: Geschadet hat es nicht (lacht). Es war auf jeden Fall für beide Seiten eine coole Geschichte. Die Frau Rogers sagt uns auch immer, dass sie jetzt noch mehr Anfragen bekommt. Ihr taugt das ja auch. Und ohne sie könnte ich es mir nicht mehr vorstellen...

Max: Das Video war ewig nicht fertig. Aber wir haben gemerkt, dass der Song auch ohne gut geht. Alleine das Standbild auf YouTube hatte ungewöhnlich viele Klicks. Da haben wir gemerkt, dass da was geht.

Stani: Der Thomas Kamenar von Ö3 sagt jetzt immer ‚Frau Rogers, sie sind jetzt Popkultur.‘

weekend: Bleiben wir kurz bei den Sternen. Was hält denn „Alle Achtung“ von Astrologie?

Patrick: Wir sind nicht die Oberfreaks, aber wir glauben schon daran, dass man, wenn man Gutes gibt, auch Gutes bekommt (lacht).

Max: Wir achten auf unsere Energie und darauf, dass wir positiv denken. Wenn du gleich mit einer negativen Einstellung rangehst, wird das eh nix. Unsere Einstellung in der Band hat sich stark verändert, wir haben in den letzten Jahren auch mal die Besetzung geändert. Früher haben ein paar alte Mitglieder immer gesagt: Ich erwarte mir nichts, dann bin ich nicht enttäuscht. Aber man muss schon was riskieren.

"Wir haben Stani nach den Tagen auf der Hütte heimgebracht und zu seiner Frau gesagt: Wir haben einen Hit geschrieben." - Patrick, Schlagzeuger von Alle Achtung 

weekend: „Marie“ wird immer wieder als neue „Cordula Grün“ bezeichnet. Wollt ihr Vergleiche?

Patrick: Ganz ehrlich: Wir sind in Österreich, einem Land mit einer kleinen Musiklandschaft. Wer da gegen irgendwen ist, ist falsch in der Kultur. Mit einem Josh, einem Pizzera oder Wanda verglichen zu werden, ist großartig. Am liebsten würden wir mit denen allen auf einem Festival spielen (lacht).

Stani: Man nimmt sich nix weg. Bilderbuch und Wanda haben die Tür nach Deutschland geöffnet. Durch solche Bands fällt es uns jetzt leichter, dort Fuß zu fassen.

weekend: Bei einem Hit wie „Marie“ werden schnell böse Zungen laut. Habt ihr Angst vor einem One Hit Wonder?

Patrick: Es bringt nix, sich unter Druck zu setzen. Eine zweite Marie wird es nie geben. Sie war ein großer Geburtshelfer, aber jetzt wollen wir uns etablieren. Und irgendwann wird Marie der erste Hit sein, nicht der einzige.

Stani: Das Songschreiben fällt uns einfacher. Wir wollen jetzt den Typen weitererzählen, der Marie getroffen hat.

weekend: Im Lied singt ihr von einem Discobesuch, 2020 war das ja eher weniger möglich. Wie geht es euch mit der Corona-Situation und den fehlenden Auftritten?

Max: Das wird oft gefragt. Ich sag dann immer: Wir hätten auch keinen Hit haben können. Was sollen wir uns aufregen. Außerdem haben wir jetzt die Zeit, uns auf Auftritte vorzubereiten. Und am Album zu arbeiten.

Patrick: Klar, finanziell ist es eine Katastrophe. Aber wenn man jetzt den Kopf in den Sand steckt, hat man verloren. Vielleicht war es auch ein Bonus, die ganzen großen Bands haben ja nicht releast.

weekend: Euren neuen Song „Sono il Destino”, der zwar einen italienischen Titel hat, aber nicht auf italienisch ist, gibt es seit heute zu hören. Was kann man sich davon erwarten?

Stani: Einen Song mit italienischem Titel, der nicht italienisch ist (lacht).

Patrick: Es heißt: Ich bin das Schicksal. Und handelt davon, wie das Schicksal an Stanis Tür läutet.

Stani: Eigentlich ist es unsere Geschichte. Das Schicksal in Form einer mysteriösen Frau klopft an die Tür und wir haben aufgemacht. Dass Schicksalsschläge und Ereignisse passieren, kann man nicht verhindern. Aber wie man damit umgeht, verändert sehr viel. Im Song ist die schönste Art, damit umzugehen, es auf Tee und Gin einzuladen.

weekend: Dürfen wir uns wieder eine bekannte Persönlichkeit im Video erwarten? Vielleicht erneut Gerda Rogers? Das Cover schaut ja recht mystisch aus...

Max: Dazu gibt es eine Geschichte. Als wir den Song aufgenommen haben, hat mich Stani gefragt, ob ich ihm garantieren kann, dass es ein Hit wird. Dann hab ich gesagt: Sei mir nicht böse, aber zaubern kann ich nicht.

Patrick: Also haben wir uns wieder Stargäste geholt. Bei zwei Fernsehshows hatten wir sozusagen Schicksalsbegegnungen und Amélie van Tass und Thommy Ten sehr gut kennengelernt. Und die beiden Magier sind im Video zu sehen. Das ist für uns eine ganz große Nummer.

Stani: Wir waren dann mit den beiden im Lockdown-Hotel i Deutschland. Das war echt spooky. Da waren nur wir und die Zauberer.

weekend: Seit letztem Jahr seid ihr bei  Universal Music unter Vertrag. Wann kommt das Album?

Stani: Das hängt von der Live-Situation ab und wie sich diese entwickelt.

Patrick: Es kommt aber dieses Jahr. Wir wünschen uns auf jeden Fall ganz viele Konzerte für 2021. Wir wollen viel unterwegs sein. Und Marie endlich einmal dem Publikum live präsentieren.

 

Autor: Cornelia Scheucher, 26.02.2021