Rechtsextreme unterwandern Grazer Corona-Demo

Fast täglich werden in Österreich „Spaziergänge“ und Demonstrationen gegen die Corona-Maßnahmen der Regierung abgehalten. Die Teilnehmer organisieren sich in den sozialen Medien und vor allem im Messenger-Dienst „Telegram“. Bei der heutigen Demo am Grazer Hauptplatz soll gegen den „Great Reset“ aufmaschiert werden.

Rechtsextreme marschieren mit

Besonders aktiv wird die Veranstaltung von Harald Wiedner. beworben. Wiedner ist führender Kader der rechtsextremen Identitären Bewegung Steiermark. Unterstützung bekommt er von Jakob Gunacker, der die angeblich parteifreie Bürgerbewegung „Die Österreicher“ leitet. Dabei handelt es sich um einen Ableger der Identitären Bewegung – IB-Chef Martin Sellner ist Bundesleiter-Stvellvertreter. Auf der Homepage wird ein „5-Punkte-Plan gegen den Bevölkerungsaustausch“ gefordert. Die Identitären und ähnliche Gruppierungen fischen also ganz unverhohlen im Spektrum der Corona-Skeptiker. Schon bei mehreren Demonstrationen waren Transparente mit der Aufschrift „Heimatschutz statt Mundschutz“ zu sehen. Die IB-Aktivisten waren allerdings vermummt.

Kärntner Polit-Chamäleon

Einer der Köpfe des „Widerstands“ ist der Kärnter Martin Rutter. Der Ex-Landtagsabgeordnete hält es mit seiner politischen Einstellung sehr opportunistisch: Zuerst bei den Grünen, dann beim Team Kärnten/Stronach und zuletzt als Spitzenkandidat bei der Nationalratswahl für das BZÖ. Rutter trat schon 2017 als Hauptredner beim rechtsextremen Ulrichsbergtreffen in Erscheinung. Aktuell ist Rutter  als „politischer Aktivist“ aktiv und inszeniert sich auf seiner Facebook-Seite als Kritiker der „Lügenpresse“ , Kämpfer gegen eine Impfpflicht und spricht sich gegen den Ausbau des 5G-Mobilfunkstandards aus. Seit Beginn der COVID-19-Pandemie in Österreich trat er mehrfach als Organisator von Demonstrationen „gegen die Corona-Diktatur“ in Erscheinung. Bei der Großdemo in Wien am 16. Jänner möchte Rutter „der Regierung mit Anlauf in den Arsch treten“.

Holocaust-Verharmlosung und andere Grauslichkeiten

In Österreich und Deutschland kommt es auf Corona-Demos auch immer wieder zu Relativierungen des Holocaust und der NS-Zeit. Von den Veranstaltern wird oft von Zuständen wie 1933 gesprochen. Einige Demo-Teilnehmer tragen „Judensterne“ mit der Aufschrift „Nicht geimpft“ oder „Nicht getestet“. In Hannover verglich sich beispielsweise eine Rednerin mit NS-Widerstandskämpferin Sophie Scholl und löste damit heftige Kritik aus.

Autor: Patrick Deutsch, 09.01.2021