Kommentar: Die Schande Europas

Fast von der Berichterstattung über das Corona-Virus verschluckt, ereignete sich in Griechenland eine humanitäre Katastrophe: Das Flüchtlingslager „Moria“ ist abgebrannt und rund 13.000 Flüchtlinge stehen ohne Obdach, ausreichend Wasser und medizinische Versorgung da. Laut den griechischen Behörden war Brandstiftung die Ursache. Als Katastrophe ist das Lager aber nicht erst nach dem Brand, sondern schon seit Jahren zu bezeichnen. Die Zustände sind menschenunwürdig: Ausgelegt für 2.800 Menschen, hielten sich im Jänner 2020 etwa 19.000 Personen in „Moria“ auf. Um die medizinische Versorgung kümmerten sich nur drei Ärzte, acht Krankenschwestern und zwei Hebammen – nicht nur in Corona-Zeiten eine unmögliche Aufgabe.

Geld soll es richten

Und wie reagiert Österreich auf die desaströsen Verhältnisse? Es wird mit Geld herumgeworfen. Die Regierung hat den Auslandshilfefonds auf 50 Millionen Euro erhöht. Eine Aufnahme von Flüchtlingen lehnt Bundeskanzler Kurz weiterhin ab. Er möchte die Fehler von 2015 nicht wiederholen. Und der Koalitionspartner? Die Grünen-Klubchefin, Sigrid Maurer fand klare Worte und bezeichnete die Haltung der ÖVP als „zynisch“ und „unwürdig“. Die Grünen Regierungsmitglieder hielten sich hingegen, zumindest in der Öffentlichkeit, weitgehend zurück. Wie weit nach rechts die christlich-soziale Volkspartei unter Sebastian Kurz gerückt ist zeigen Reaktionen aus ganz Europa. Selbst Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU), der nicht unbedingt im linken Spektrum verortet ist, sprach sich für eine Aufnahme von Flüchtlingen aus und bezeichnete es als eine „Christenpflicht“ zu helfen.

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Autor: Patrick Deutsch , 16.09.2020