Kommentar: Die Untertanen vergessen schnell

Die Fußball-Weltmeisterschaft in Katar geht in die finale Phase. Höchste Zeit, um ein erstes Fazit zu ziehen.
Autor: Patrick Deutsch, 07.12.2022 um 13:33 Uhr

Am Wochenende stehen die Viertelfinal-Begegnungen auf dem Programm. Über keine Weltmeisterschaft wurde im Vorfeld so viel diskutiert wie über die Endrunde in dem kleinen Emirat. Angesichts von unzähligen toten Arbeitern beim Bau der Stadien und der vorherrschenden Menschenrechtssituation wurde heftig über einen möglichen Fan-Boykott spekuliert. Dazu trugen auch die Verlegung des Turniers in den Winter und zahlreiche Medienberichte über skurrile Maßnahmen der Katarer ihren Teil bei. So wurden etwa Einheimische bezahlt, um sich als Fans eines teilnehmenden Landes auszugeben. Auch Kontroversen um die „One Love“-Kapitänsbinden und zu „bunten“ Aufwärmshirts einiger Nationen steigerten die Vorfreude nicht unbedingt.

Die Welt zu Gast

Nach schwächelnden Quoten zu Beginn des Turniers muss man aber feststellen, dass König Fußball auch im Winter regiert und seine Untertanen sehr schnell vergessen. Schon nach der Vorrunde stand fest: Der Boykott wurde abgesagt. Katar 2022 wird zwar nicht als Quotenspektakel in die Geschichte eingehen, aber eine komplette Abstrafung der Verantwortlichen blieb aus. Das wird vor allem die FIFA freuen, die wieder nahezu unbeschadet mit einer dubiosen WM-Vergabe durchgekommen ist. Aber keine Sorge, mit Weltmeisterschaften in autokratischen Ländern ist nun ohnehin Schluss. 2026 ist die Fußball-Welt dann zu Gast in den USA, Kanada und Mexico. Bevor es 2030 wieder zu einem Winterturnier in Saudi-Arabien, Ägypten und Griechenland kommen könnte. Aber wie bereits erwähnt: Untertanen vergessen außerordentlich schnell.