Kommentar: Die Angst vor Genossin Elke

Kaum hatte sich aber der Staub gelegt, wurden schon die ersten Warnungnen vor einer kommunistischen Machtübernahme lanciert. Sofort bemühte man Vergleiche mit Regimen, die bei aller berechtigten Kritik, einfach nichts mit der Grazer KPÖ zu tun haben. Nein, unter einer Bürgermeisterin Elke Kahr wird in Graz nicht die Planwirtschaft eingeführt oder gar eine Mauer um die Stadt gebaut. Auch wird es äußerst schwierig werden, die KPÖ als Einheitspartei in Stellung zu bringen oder den Sozialismus zu implementieren. Also keine Angst: „Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten.“

Chance vertan

Trotzdem ist es aber so, dass im Programm der KPÖ Passagen existieren, die man mit größter Vorsicht sehen muss. Da wird zum Beispiel von EU-Austritt und Enteignung gesprochen. Zusätzlich hat Kahr in ihrem ZIB 2-Interview zwei Steilvorlagen von Armin Wolf, der eigentlich nicht für solche Auflagen bekannt ist, ausgelassen. Ohne Probleme hätte sie sich von kommunistischen Gräueltaten oder von programmatischen Torheiten distanzieren können. Davon war allerdings nichts zu vernehmen. Passend dazu kam noch der Auftritt von Parteikollege Werner Murgg im weißrussischen Staatsfernsehen ans Licht. Interessant ist auch, wie die Wahrnehmung der KPÖ in der Bevölkerung ist: Man stelle sich vor, die FPÖ hätte die Wahl gewonnen. Die Aufregung wäre ungleich größer. Aus allen (linken) Ecken würden Horroszenarien von den bösen Rechten an die Wand gemalt. Jetzt kann man die FPÖ aufgrund ihres Wählerpotenzials zwar für weit gefährlicher halten, auf dem linken Auge blind sein, sollte man trotzdem nicht.

Autor: Patrick Deutsch, 11.10.2021