Grazer Studentin schrieb Offenen Brief an Bildungsminister

Das letzte Jahr war auch für die Studenten nicht leicht: neben Unistress und e-learning verloren viele ihren Nebenjob und hatten somit nicht nur Sorgen in Bezug auf ihr Studium, sondern auch Existenzängste. Das Problem dabei? Die Regierung, denn seit dem ersten Lockdown wird wenig bis gar nichts über die Unis gesagt. Unter diesem Schweigen leidet auch Lena Luisa Fuchs und hat beschlossen, etwas dagegen zu unternehmen. Deshalb hat die Grazerin, die Englisch und Geschichte auf Lehramt studiert, und nebenbei 25 Stunden in einem Studentenlokal arbeitet, einen Offenen Brief an den Bildungsminister verfasst. Und damit großen Anklang gefunden.

"Die Idee, den Brief zu verfassen, war relativ spontan. Auf Instagram habe ich darüber gesprochen, dass die Unis nie bei den Pressekonferenzen erwähnt werden, daraufhin habe ich 60 bis 70 Nachrichten von anderen Studenten bekommen und gemerkt, wie sehr das stört. Meine Mama hat mich dann dabei unterstützt und gemeint, ich soll den Brief schreiben", sagt die 22-Jährige. Den Offenen Brief schickte sie nicht nur ans Ministerium, sondern veröffentlichte ihn auch auf Instagram. Das Fazit: der Beitrag bekam über 3000 Likes und wurde mehrere hunderte Male geteilt.

Im Brief schildert Lena nicht nur ihre eigene Situation, sondern weist unter anderem auf die zusätzliche psychische Belastung, die verlorene Zeit im Studium und das fehlende Konzept für einen funktionierenden Hochschulalltag hin. Außerdem kritisiert sie die Tatsache, dass im Sommer zwar an einer Novelle für das Universitätsgesetz gearbeitet wurde, jedoch kein Konzept für die Uni in Krisenzeiten oder für ein besseres "e-learning" erstellt wurde. Was sie auch anspricht - den Fakt, dass die derzeitige Lehre nicht mit einer Universitätsbildung zu vergleichen ist. Ihr Ziel ist es, auf das Thema aufmerksam zu machen. Die Idealvostellung wäre laut ihr natürlich, dass an besseren Lösungen für die Hochschulen gearbeitet wird.

Wie es ihr selbst mit der Corona-Situation geht? "Es gibt bessere und schlechtere Tage. Ich habe ein paar Vortragende, die sich wirklich Mühe geben und bei denen das funktioniert. Aber es fehlt einfach die Routine, die soziale Interaktion und die Motivation", so die Studentin.

"Ich möchte klarstellen, dass der Brief kein Angriff auf die Unis ist. Es geht darum, dass das Bildungsministerium uns Studenten ignoriert. Uns ist auch allen bewusst, dass Schulen und Kindergärten Vorang haben, trotzdem dürfen wir als Studenten nicht durchfallen. Wir sind nicht faul, sondern Studierende, die ihre Jobs verloren haben, Zeit verloren haben, psychisch an ihren Grenzen sind. Die Qualität des Studiums leidet einfach darunter", appelliert Lena Luisa Fuchs.

Den ganzen Brief gibt es im Instagram-Beitrag nachzulesen.

Autor: Cornelia Scheucher, 01.02.2021