Drohboschaft statt Frohbotschaft

Wir Medienleute haben es schon immer gewusst: only bad news are good news. Im reichhaltigen Teich der Angst fischen seit jeher auch Oppositionspolitiker, sind sie doch Meister im Verbreiten von Angst und Schrecken. Denken Sie nur an die FPÖ und deren Schreckgespenst „Islamisierung“ oder die Grünen und ihre apokalyptischen Prophezeiungen vom Umweltkollaps. Der Job von Regierungspolitikern hingegegen war es immer, den Menschen die heile Welt vorzugaukeln. Blühende Wiesen, erfolgreiche Wirtschaftskapitäne und glück- strahlende Menschen waren beliebte Plakatsujets, die den Menschen suggerieren: Die Gegenwart ist schon super, aber die Zukunft wird, wenn ihr uns wieder wählt, noch superer. Diese Rollenverteilung – hier die optimistische Regierung, da die pessimistische Opposition – haben wir über die Jahre lieb gewonnen. Doch Corona scheint auch mit diesem Stereotyp aufzuräumen.

Verkehrte Welt

Plötzlich sind nämlich die Regierenden jene, die Furcht verbreiten. So kenne ich nicht wenige Menschen, die sich zwar brutalste Horrorschocker reinziehen, aber bei einer Pressekonferenz von Sebastian Kurz und Rudi Anschober einen Polster vors Gesicht halten müssen und nachts nicht mehr alleine auf die Straßen gehen. Die FPÖ hingegen warnt uns eindringlich vor der Angstmache der Regierung, man müsse optimistischer sein. Ja, das lässt einen doch einigermaßen verwirrt zurück. Ist das ganze vielleicht bloß eine ausgeklügelte Strategie der Regierung, um die Opposition ins Leere laufen zu lassen? Oder ist es eine Anleitung aus der christlichen Soziallehre? Drohbotschaft statt Frohbotschaft! Ich für meinen Teil wünsche mir auch in diesem Bereich die alte Normalität zurück.

Autor: Robert Eichenauer , 28.09.2020