Donald Trump und seine Trümpfe

Es sind noch drei Monate bis zur US-Präsidentschaftswahl, aber bereits jetzt wird heftig spekuliert, wie es nach der Wahl weitergeht. Herausforderer Joe Biden liegt den Umfragen zufolge vorne – sein Sieg solle sich günstig auf die Eindämmung des Corona-Virus auswirken, heißt es beispielsweise. Allerdings werde die gesamte Demokratie der Staaten zusammenbrechen, wenn Trump verliere, munkelt man von anderer Seite. Und: Sollte Trump tatsächlich eine Wahlniederlage hinnehmen müssen, so werde er sich weigern, aus dem Weißen Haus auszuziehen, ist sich unter anderem Trumps ehemaliger Anwalt sicher.

Im Falle der Niederlage

Dass Donald Trump bereits jetzt auf die Möglichkeit einer manipulierten Briefwahl hinweist, heizt die Spekulationen weiter an. Nun gut. Wir wissen auch hierzulande, dass mit dem Vorwurf einer manipulierten Briefwahl eine Wahlwiederholung kein Ding der Unmöglichkeit ist. Wir wissen aber auch, dass dies einerseits dem Kläger nicht unbedingt große Sympathiepunkte einbringt – und, dass es andererseits einen Staat nicht ins bodenlose Chaos stürzt. Und letztendlich hat Trump, so sehr er in Europa als der personifizierte Wahnsinn dargestellt wird, ja durchaus manchmal Hirn bewiesen. Bei seinem ersten Amtsantritt war man sich relativ sicher, dass dies der Auftakt zum baldigen Atomkrieg sei. Nun, 4 atomkriegfreie Jahre später, hat man Bilder von einem sich im Oval Office verbarrikadierenden orangen Köpfchen vor dem inneren Auge. Sogar von Militär- einsätzen ist die Rede. Allerdings: Große Reden über Sieg und Niederlagen hat noch jeder Politiker vor einer Wahl geschwungen. Und hinterher hat man doch noch jedes Mal festgestellt, dass nie so heiß gegessen wie gekocht wird.

Autor: Cornelia Stiegler , 29.07.2020