Businesstalk: Karl-Heinz Snobe

Bei unserem letzten Interview Ende März haben Sie von einem wirtschaftlichen Super-GAU gesprochen. Wie schätzen Sie die Lage jetzt ein?   
Karl-Heinz Snobe: Der Super-GAU ist tatsächlich zwischen März und Juni eingetreten, als über uns und vielen anderen Organisationen die Welt quasi zusammengebrochen ist. Alleine im April hat sich die Arbeitslosigkeit in der Steiermark beispielsweise verdoppelt. Mittlerweile haben viele Betriebe die Menschen aber wieder aus der Kurzarbeit zurückgeholt und die Lage hat sich etwas entspannt.

Droht mit dem Ende der 2. Phase der Kurzarbeit auch eine zweite Kündigungswelle?  
Karl-Heinz Snobe: Das glaube ich nicht. In einzelnen Bereichen wird es aber zu notwendigen Anpassungen kommen. Im Produktions- und Industriebereich hatten viele Betriebe schon vor Corona mit Herausforderungen zu kämpfen. Jetzt, wo die Kurzarbeit endet, sehen viele Unternehmen, dass sie nicht alle Mitarbeiter halten können. Von einer zweiten Welle würde ich aber nicht sprechen. 

Wie sehen die Prognosen für den Winter aus?
Karl-Heinz Snobe: Unabhängig von Corona steigt die Arbeitslosigkeit jedes Jahr im Winter.  Dieses Jahr wird der Anstieg meiner Einschätzung nach etwas höher sein. Ich gehe davon aus, dass Ende des Jahres 2020 rund 58.000 Menschen auf Jobsuche sein werden.  

Welche Maßnahmen gibt es, um die Menschen wieder möglichst schnell zu vermitteln?       
Karl-Heinz Snobe: Wir bemühen uns natürlich, alle offenen Stellen zu bedienen. Aber unser Fokus in den kommenden Monaten ist es, die Krise zu nutzen, um arbeitslosen Menschen die Möglichkeit zur Weiterbildung zu geben. Im Idealfall geht man nämlich klüger aus der Krise heraus. Auch von Seiten der Bundesregierung wurden mit der Corona-Arbeitsstiftung bereits die entsprechenden Maßnahmen gesetzt.  

Autor: Elisabeth Stolzer , 30.09.2020