Peter Buchmüller: Ein Mann, ein Wort!

Weekend.at: Herr Buchmüller, Sie kündigten an, ein „aktiver und fordernder“ WKS-Präsident zu sein. Worauf muss man sich einstellen, sollte man etwa „Angst“ haben?

Buchmüller: Niemand muss Angst haben, aber hie und da braucht es jemanden, der Klartext spricht und kein „Herumlavieren“. Die aktuelle Lage ist zu bedrängend, um nicht auf den Punkt zu kommen und zu sagen, was notwendig ist. Ich werde daher immer für die Sache der Unternehmer eintreten! Mag sein, dass das manchmal nicht jedem gefällt, aber es ist meine Aufgabe, im Interesse der Wirtschaft zu handeln. Wir müssen jetzt so schnell wie möglich aus der Krise kommen.

Weekend.at: Welche Maßnahmen braucht es, um Salzburgs Wirtschaft wieder auf gesunde Beine zu stellen?

Buchmüller: Ein fertiges Rezept für die Bewältigung der Krise gibt es nicht, nur plausible Strategien, die stets überprüft werden müssen. So geht auch die Bundesregierung vor. Das Konjunkturpaket geht in die richtige Richtung, jetzt müssen Nachfrage und gleichzeitig Standortqualität sowie Wettbewerbsfähigkeit verbessert werden. Das heißt, wir müssen die Kaufkraft stärken und Investitionen ankurbeln. Mit der Senkung der Eingangssätze bei der Lohnsteuer und dem Familienbonus setzte die Bundesregierung richtige Impulse – nun sollen auch Investitionsanreize kommen. Mit einer 10-Millionen-Euro-Sonderaktion inklusive 20 Prozent Zuschuss für KMU haben Land Salzburg und WKS hier eine Vorreiterrolle eingenommen. Ich denke, dass unser Weg in Salzburg richtig ist. Gemeinsam mit dem Land wird die WKS bis 2025 bis zu 50 Millionen Euro in Bildungs- und Innovationsprojekte investieren – das schafft Jahr für Jahr einen starken Hebel für mehr Wertschöpfung. Dazu kommen öffentliche Investitionen des Landes, die Aufträge für viele KMU bedeuten. Parallel dazu arbeiten wir in den Bereichen Innovation und Standortqualität an Digitalisierungs-Projekten. Wenn wir es richtig machen, geht Salzburg gestärkt aus der Krise hervor.

WKS-Präsident Peter Buchmüller im Interview.

Weekend.at: Viele Betriebe klagen, noch immer keine Kurzarbeitszahlungen bekommen zu haben. Woran liegt das?

Buchmüller: Mittlerweile werden die Mittel ausbezahlt, wie uns gemeldet wird. Das AMS musste binnen kürzester Zeit eine Verdoppelung der Arbeitslosen bewerkstelligen und über 10.000 Kurzarbeit-Anträge abwickeln sowie zur Auszahlung bringen. Das AMS hat in den vergangenen Monaten wirklich großartige Arbeit geleistet, das muss man auch mal sagen.

Weekend.at: Aktuell wird auch eine vorgezogene Lohnsteuerentlastung verhandelt. Aus Ihrer Sicht sinnvoll?

Buchmüller: Absolut richtig, da sie mehr Kaufkraft für jene schafft, die geringere Einkommen haben. Bei diesen Maßnahmen müssen wir immer darauf achten, dass die investierten öffentlichen Mittel auch einen Wachstumseffekt aufweisen und nicht auf dem Sparbuch landen. Das ist bei dieser Maßnahme der Fall, ebenso bei der AMS-Einmalzahlung.

Weekend.at: Ist das „Wirtshaus-Paket“ ausreichend, um als Gastronom durch die Krise zu kommen?

Buchmüller: Unsere Tourismus-Funktionäre begrüßen das Paket mit Mehrwertsteuersenkung auf Getränke über Kreditmoratorien bis hin zum Verlustrücktrag. Wichtige von uns geforderte Punkte für die heimischen Gastronomie- und Hotellerie-Betriebe sind damit erfüllt. Notwendig wäre auch noch eine Mehrwertsteuersenkung auf Nächtigungen, was besonders der Hotellerie helfen würde. Diese Maßnahmen müssen nun in Folge rasch greifen beziehungsweise rasch umgesetzt werden.

Weekend.at: Hand aufs Herz: Müssen Salzburger mit einer Kündigungswelle im Herbst/Winter rechnen?

Buchmüller: Wir erleben derzeit eine Phase, in der Prognosen wenig bringen. Alles hängt auch davon ab, ob es noch einen weiteren Ausbruch des Corona-Virus in unseren Breiten gibt und wie bald das Virus in anderen Ländern besiegt wird. Ich denke, wir sollten trotz der gewaltigen Probleme mit Zuversicht an deren Lösung herangehen – Angst ist immer ein schlechter Ratgeber. Gleichzeitig weiß ich natürlich, dass die Lage für viele äußerst schwierig ist und es wird nicht leicht werden. Ich vertraue jedoch auch auf die Kreativität und Schaffenskraft der Unternehmer und gehe davon aus, dass wir einen baldigen Aufschwung schaffen.

Peter Buchmüller, Wirtschaftskammer-Präsident Salzburg | Credit: www.neumayr.cc

Weekend.at: Sie leiten selbst zwei ADEG-Märkte mit etwa 50 Mitarbeitern. Was haben Sie als Unternehmer aus der Corona-Krise gelernt?

Buchmüller: Wie wichtig der Zusammenhalt in einem guten Team ist! Damit bewältigt man alles. Und dass man auf seine Leute schaut. Aus diesem Grund habe ich auch sehr schnell gefordert, die Maskenpflicht für Mitarbeiter im Handel fallen zu lassen – das war unzumutbar. Außerdem habe ich die Bestätigung dafür bekommen, wie wichtig für Unternehmer der Rückhalt durch Einrichtungen wie die Wirtschaftskammer ist. Unsere Leute waren in der Corona-Krise Tag für Tag und vielfach auch am Wochenende für die Mitglieder da. Die Kritik an der Wirtschaftskammer, was den Härtefallfonds betrifft, ist daher schlichtweg falsch. Wir haben sehr schnell abgearbeitet, was uns vorgegeben wurde und ich darf daran erinnern, dass die Gelder aus dem Härtefallfonds die ersten waren, die geflossen sind.

Weekend.at: Trotz hoher Arbeitslosigkeit finden viele Betriebe keine geeigneten Mitarbeiter bzw. Fachkräfte. Aus Ihrer Sicht liegt das u. a. an zu großzügig gestalteten Zumutbarkeitsbestimmungen, die man überarbeiten müsste ...

Buchmüller: Das ist eine jahrelange Forderung von uns, die Zumutbarkeitsbestimmungen bei der Vermittlung zu ändern. Das war zu Zeiten des Fachkräftemangels schon so und stimmt auch jetzt in Zeiten der Rekordarbeitslosigkeit noch. Ich glaube nicht, dass wir die aktuelle Problemsituation mit alten Regeln aus einer Zeit der Hochkonjunktur bekämpfen können.

Weekend.at: Bleiben Sie weiterhin auch noch Obmann der Bundessparte Handel?

Buchmüller: Ich habe mein Amt am 25. Juni an meinen Nachfolger Rainer Trefelik übergeben, ebenso die Position als Chefverhandler für die KV-Verhandlungen für 77.000 Handelsbetriebe mit insgesamt 600.000 Mitarbeitern. Ich sehe meine Aufgabe nun darin, die Salzburger Wirtschaft wieder stark zu machen. Salzburg war vor der Krise das Wirtschaftsbundesland Nummer 1, mit den besten Werten Österreichs – und das wird es auch nach der Krise wieder sein.

 

Zur Person: Peter Buchmüller (*1954) führt zwei ADEG Märkte (Großgmain & Hof) und ist seit April neuer Präsident der WKS. Buchmüller ist verheiratet und hat zwei Töchter und einen Sohn.

Autor: Simone Reitmeier , 15.07.2020